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30. Dezember 2014, 17:03 Uhr

US-Wirtschaft

Fünf Gefahren für den amerikanischen Aufschwung

In der Eurozone gibt es kaum Wachstum, China schwächelt - nur die USA könnten 2015 zum Motor der Weltwirtschaft werden. Allerdings lauern einige Hindernisse.

Washington - In manchen Wirtschaftsrankings schienen die USA bereits abgeschrieben. Der schwere Einbruch infolge der Finanzkrise hat die weltgrößte Volkswirtschaft hart getroffen. China werde die Vereinigten Staaten schon bald abhängen, prophezeiten manche Experten. Doch im kommenden Jahr könnten die USA wieder eine entscheidende Rolle für die Weltwirtschaft spielen.

Jüngsten Konjunkturdaten zufolge findet die Wirtschaftsmacht Amerika wieder zu alter Stärke zurück und könnte 2015 die Krise endgültig hinter sich lassen. Angesichts des kaum vorhandenen Wachstums in der Eurozone ist dies auch ein Hoffnungsschimmer für die deutsche Exportwirtschaft.

Doch gänzlich gebannt ist die Gefahr eines erneuten Einbruchs der US-Wirtschaft noch nicht. Die fünf größten Risiken im Überblick:

Das Risiko steigender Zinsen

2015 dürfte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erstmals seit rund neun Jahren die Zinsen erhöhen. Die Wirtschaft wächst wieder kräftig, und der Arbeitsmarkt erholt sich so gut wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr. Die Notenbank kann außer der geringen Inflationsrate also kaum noch Gründe finden, an dem historischen Niedrigzins knapp über null Prozent festzuhalten.

Doch das absehbare Ende der Billiggeld-Ära birgt Gefahren. So könnten steigende Kreditkosten den Immobilienmarkt ausbremsen oder Firmen an Investitionen hindern. Zentralbank-Chefin Janet Yellen will einen wirtschaftlichen Schock und überstürzte Reaktionen an den Börsen unbedingt vermeiden. Deshalb betonte sie zuletzt, "geduldig" zu bleiben und behutsam vorzugehen. Mindestens bis Ende April wird sich Yellen zufolge am Zinssatz nichts ändern.

Der Streit über die Schuldenobergrenze

Mitte März ist es wieder so weit: Die Schulden der USA könnten das gesetzliche Limit überschreiten. Bereits jetzt ist das Minus in der Staatskasse fast eine Billion Dollar höher, als es eigentlich sein dürfte - die Grenze liegt bei 17,2 Billionen. Nur weil das Limit 2013 nach einem heftigen Streit zwischen den Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern einfach bis zum 15. März 2015 ausgesetzt wurde, darf sich die Regierung derzeit Geld pumpen.

Es ist wahrscheinlich, dass die Republikaner die Erhöhung oder weitere Aussetzung der Obergrenze wieder an harte Zugeständnisse des Präsidenten knüpfen. Die Frage ist, ob sie es dabei sogar auf ein Verstreichen der Frist ankommen lassen und die USA zumindest kurzzeitig in den Bankrott stürzen. Doch auch wenn eine Einigung wie so oft erst in letzter Minute erfolgt, könnte die Nervosität an den Finanzmärkten der US-Wirtschaft erfahrungsgemäß schaden.

Die Empfindsamkeit der Konsumenten

Die Erholung von der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg verlief in den USA sehr schleppend. Es dauerte mehr als sechs Jahre, um die 8,7 Millionen verlorenen Arbeitsplätze wieder aufzubauen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts blieb hinter dem Nachkriegsdurchschnitt von 3,2 Prozent zurück. Ökonomen zweifelten, ob die weltgrößte Volkswirtschaft je wieder zu alter Stärke findet.

Nun scheint sich die Lage rasant zu verbessern. Die Konjunktur legte im dritten Quartal aufs Jahr gerechnet um fünf Prozent zu. In vier der letzten fünf Quartale lag das Plus über drei Prozent. Doch die US-Wirtschaft hängt zu 70 Prozent vom Konsum der Bürger ab. Deren Löhne steigen nur langsam, die Langzeitarbeitslosigkeit ist hoch, der Abstand zwischen Arm und Reich wächst. Die Verbraucherlaune kann schnell kippen.

Der Fluch des starken Dollar

Eine starke Währung zu haben, klingt erst einmal gut. Tatsächlich aber bereitet der steigende Dollarkurs den Amerikanern zunehmend Sorgen. In den letzten sechs Monaten wurde die Leitwährung gut zwölf Prozent teurer - und damit auch die Güter, die andere Länder aus den USA importieren. Steigende Preise können zu sinkender Nachfrage nach US-Produkten führen. Zugleich werden Produkte aus dem Ausland für die Amerikaner günstiger. Die Konsequenz: Das zuletzt geschrumpfte US-Außenhandelsdefizit könnte 2015 wieder deutlich wachsen. Eine Zinserhöhung der Fed könnte den Dollaraufschwung noch verstärken.

Die Bremskraft der Weltwirtschaft

Die USA sind weltwirtschaftlich längst nicht mehr so frei wie sie es einmal waren. Die schwächere Konjunktur in China, die lahmende Volkswirtschaft in Japan, Wachstumsschwäche in Europa oder der Rubelverfall in Russland - die möglichen negativen Ausstrahlungseffekte auf Amerika sind nicht zu unterschätzen. Das Jahr 2015 könnte auch neue Krisen bringen. "Das größte Risiko ist eines, an das wir nicht gedacht haben", sagte Professor Justin Wolfers von der University of Michigan im TV-Sender NBC. Doch insgesamt erscheine die US-Wirtschaft robust genug, um mittelschweren globalen Problemen standzuhalten.

mmq/dpa

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