Wirtschaftsflaute Deutschland verkauft weniger Waren ins Ausland

Die weltweite Konjunkturschwäche macht sich bei den deutschen Ausfuhren bemerkbar. Die Exporte gingen im Oktober überraschend stark zurück. Positiv für die Verbraucher: Die Inflation in Deutschland flaut ab.

Autoterminal in Bremerhaven: Einbruch der Exporte im Oktober
DPA

Autoterminal in Bremerhaven: Einbruch der Exporte im Oktober


Wiesbaden/Frankfurt am Main - Deutschland bekommt die weltweite Wirtschaftsflaute zu spüren. Für die Bundesrepublik hat das sowohl negative als auch positive Auswirkungen. Schlecht für die hiesige Wirtschaft ist, dass die deutschen Exporte im Oktober eingebrochen sind. Beruhigend für die Verbraucher ist aber, dass die Teuerungsrate im November den zweiten Monat in Folge rückläufig ist.

Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im Oktober lag die Teuerungsrate bei 2,5 Prozent, im September gab es mit 2,6 Prozent noch ein Drei-Jahres-Hoch. "Der Preisanstieg dürfte seinen Höhepunkt überschritten haben", schrieb die Bundesbank in ihrer Konjunkturprognose. Demnach fällt die Inflationsrate im kommenden Jahr wieder unter die Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht.

"Dies hängt vor allem mit dem sinkenden Beitrag von Energie zusammen", schrieb die Bundesbank. Trotz der zu erwartenden Erhöhung der Gas- und Strompreise werde sich Energie im kommenden Jahr nur noch um vier Prozent verteuern. Im Oktober kostete sie noch über elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Exportrückgang könnte nur ein Ausrutscher sein

Während der Abschwung die Inflation bremst, dämpft er zugleich die deutschen Exporte. Im Vergleich zum Vormonat seien die Ausfuhren im Oktober kalender- und saisonbereinigt um 3,6 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang um 1,3 Prozent gerechnet.

Der Rückschlag bei den Exporten sei "als Ausrutscher nach unten" zu sehen, sagte Lothar Heßler vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Es gebe aber Hinweise, dass im vierten Quartal mit einem Abschwung in der deutschen Exportwirtschaft zu rechnen sei. Das Jahr 2011 wird aber dennoch ein Rekordjahr für den Außenhandel. Anfang Dezember haben die Exporte erstmals in einem Jahr den Wert von einer Billion Euro überschritten.

Neben den Ausfuhren sind im Oktober auch die deutschen Einfuhren gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, gingen der Wert der Einfuhren im Vergleich zum Vormonat um ein Prozent auf 75,5 Milliarden Euro zurück.

Bundesbank senkt Prognose für 2012

Die Bundesregierung stellt sich im letzten Quartal des laufenden Jahres auf eine leichte Konjunkturabschwächung ein. In den ersten drei Quartalen sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durchschnittlich um jeweils 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Nun sei "eine ruhigere Gangart" zu erwarten. Das liege vor allem an der Verunsicherung im europäischen und weltweiten Umfeld.

Die Deutsche Bundesbank korrigierte ihre Prognose für das kommende Jahr nach unten und erwartet für 2012 ein Wirtschaftswachstum von nur noch 0,6 Prozent. Im Juni ging die Notenbank noch von 1,8 Prozent aus. Allerdings macht die Bundesbank Hoffnung, dass der Einbruch nicht allzu nachhaltig ausfällt. Nach einer "Durststrecke im Winter" werde "die allmähliche Fortsetzung des Aufschwungs bereits im Verlauf des nächsten Jahres" einsetzen, hieß es. Voraussetzung sei aber, dass es zu "keiner weiteren signifikanten Verschärfung der Staatsschuldenkrise" komme.

mmq/dpa/AFP



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