Wirtschaftskrise Japans Arbeitslosigkeit steigt auf Rekordniveau

Japan spürt die Folgen der Wirtschaftskrise mit voller Wucht: Die Zahl der Arbeitslosen hat im Juli den höchsten Stand der Nachkriegszeit erreicht. Das könnte Auswirkungen auf die anstehenden Unterhauswahlen haben.

Einkaufsstraße in Tokio: Konsumausgaben stärker gefallen als erwartet
dpa

Einkaufsstraße in Tokio: Konsumausgaben stärker gefallen als erwartet


Tokio - Tiefer Einschnitt in Japans Wirtschaft: Die Arbeitslosigkeit in dem asiatischen Land ist im Juli auf den höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gestiegen. Wie die Regierung in Tokio am Freitag bekanntgab, betrug die Arbeitslosenquote im Juli 5,7 Prozent und stieg damit um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat.

Insgesamt waren im Juli 3,59 Millionen Japaner arbeitslos. Auf hundert Arbeitssuchende kämen gerade einmal 42 offene Stellen, teilte die Regierung weiter mit.

Zwar scheint die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit in Japan nach massiven Konjunkturprogrammen der Regierung überwunden. Die drastisch verschlechterte Arbeitsmarktlage dürfte jedoch das Verhalten der Wähler bei der Unterhauswahl an diesem Sonntag stark beeinflussen. Dabei droht der seit mehr als einem halben Jahrhundert fast ununterbrochen herrschenden Regierungspartei LDP eine schwere Niederlage. Umfragen deuten auf einen historischen Sieg der oppositionellen Demokratischen Partei DPJ von Yukio Hatoyama hin, der dann neuer Premier werden dürfte. Er würde den derzeit Ministerpräsidenten Taro Aso ablösen.

Wie die japanische Regierung am Freitag weiter mitteilte, sind die Konsumausgaben im Juli stärker als erwartet gesunken. Auf Jahressicht seien die Ausgaben der privaten Haushalte preisbereinigt um 2,0 Prozent gefallen. Experten hatten indes mit einem Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet. Im Juni und Mai waren die Konsumausgaben noch gestiegen, nachdem sie zuvor in der Wirtschaftskrise länger als ein Jahr lang gesunken waren. Im Vergleich zum Vormonat fielen die Konsumausgaben im Juli saisonbereinigt um 1,3 Prozent.

Auch die Kernverbraucherpreise sind mit 2,2 Prozent im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat so stark gesunken wie noch nie. Im Juni waren die Preise zum Vorjahr noch um 1,7 Prozent gesunken. Bei der Kernrate werden schwankungsanfällige Lebensmittel- und Energiepreise nicht berücksichtigt. Die Gesamtinflationsrate lag im Juli wie die Kernrate bei minus 2,2 Prozent.

yes/dpa-AFX/AFP



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