SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. Dezember 2011, 12:20 Uhr

Wirtschaftskrise

Tausende Spanier und Griechen flüchten nach Deutschland

Die Wirtschaftskrise treibt immer mehr Südeuropäer nach Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt suchen vor allem Spanier und Griechen ihr Glück in der Bundesrepublik. Die Zuwanderung aus beiden Staaten steigt massiv.

Wiesbaden/Berlin - Angesichts der Krise in ihren Heimatländern wandern viele Griechen und Spanier nach Deutschland aus. Das geht aus neuen Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach stieg die Zahl der griechischen Einwanderer im ersten Halbjahr 2011 um 84 Prozent oder 4100 Personen. Aus Spanien kamen 49 Prozent mehr, was 2400 Personen entspricht.

Beide Länder sind von der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise besonders stark betroffen und kämpfen mit hohen Arbeitslosenquoten. In Griechenland sind laut offizieller Statistik 18 Prozent der Menschen ohne Job, in Spanien fast 23 Prozent.

Besonders hoch sind die Quoten unter Jugendlichen. In Griechenland sind 35 Prozent der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos, in Spanien sogar 45 Prozent. Die EU-Kommission hatte deshalb jüngst eine Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit gestartet. "Es droht die Gefahr einer 'verlorenen Generation'", hatte EU-Sozialkommissar László Andor gesagt.

19 Prozent mehr Zuwanderer

Insgesamt kamen in den ersten sechs Monaten des Jahres etwa 435.000 Menschen nach Deutschland - 19 Prozent mehr Menschen als im Vergleichszeitraum 2010. Rund 62 Prozent von ihnen hatten vorher in einem anderen EU-Staat gelebt.

Außer den südeuropäischen Krisenländern war auch die Zuwanderung aus den osteuropäischen Staaten, die seit 2004 der EU beigetreten sind, besonders groß. Sie stieg um 30 Prozent. Die Statistiker sehen darin eine Folge der Freizügigkeit, in deren Rahmen am 1. Mai dieses Jahres die letzten Schranken zum deutschen Arbeitsmarkt gefallen waren.

Zugleich verließen weniger Menschen Deutschland als im ersten Halbjahr 2010. Rund 300.000 Deutsche und Ausländer kehrten der Bundesrepublik den Rücken - das waren 6000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit zogen insgesamt 135.000 Menschen mehr zu als weggingen, das entspricht einem Plus von 122 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2010.

stk/Reuters/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung