Wirtschaftskrise US-Arbeitsmarkt erholt sich leicht

Hoffnungsschimmer auf dem US-Arbeitsmarkt: Im November ist die Zahl der Entlassungen so stark zurück gegangen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Auch die Auftragslage der Industrie hat sich verbessert. Präsident Obama zeigte sich erleichtert - und warnte vor neuen Rückschlägen.

Arbeitslose in New York: Zahl der Entlassungen zurückgegangen
dpa

Arbeitslose in New York: Zahl der Entlassungen zurückgegangen


Washington - Überraschender Lichtblick an der US-Jobfront: Die größte Volkswirtschaft der Welt büßte im November lediglich 11.000 Arbeitsplätze ein - der geringste Stellenabbau seit Beginn der Rezession vor zwei Jahren und ein deutliches Zeichen, dass die Konjunkturerholung auf den Arbeitsmarkt durchschlägt.

Noch aber ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt dramatisch. Nach Mitteilung des US- Arbeitsministeriums lag die Arbeitslosenquote mit zehn Prozent nur wenig unter dem Vormonatswert von 10,2 Prozent - dem höchsten Stand seit rund einem Vierteljahrhundert. Wirtschaftsexperten hatten für November aber mit einem weitaus größeren Minus von rund 125.000 Stellen gerechnet.

US-Präsident Barack Obama sieht in den Zahlen ein hoffnungsvolles Signal, warnt aber vor übertriebenen Hoffnungen. "Wenn man daran denkt, wie das Jahr begann, ist es ein willkommenes Zeichen, dass bessere Tage vor uns liegen", sagte er am Freitag in Allentown. Die nächste Zukunft werde aber nicht ohne Rückschläge oder Mühen sein, das Land habe noch einen langen Weg vor sich. "Die Strecke vor uns ist weiter holprig", betonte er. Er sei erst zufrieden, wenn wieder neue Jobs hinzukämen.

Auch die Auftragslage der US-Industrie hat sich überraschend verbessert. Die Bestellungen zogen im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent an nach einem revidierten Plus von 1,6 Prozent im September, wie das Handelsministerium in Washington am Freitag mitteilte. Analysten hatten für Oktober mit einem unveränderten Wert gerechnet.

Stellen wurden nach Angaben des Arbeitsministeriums in der Baubranche, in der verarbeitenden Industrie und im Informationssektor abgebaut. Zuwächse habe es hingegen in der Gesundheitsbranche und bei Aushilfs-Dienstleistungen gegeben. Die Zahl der verlorenen Stellen im Oktober revidierte das Ministerium von 190.000 auf 111.000. Seit Beginn der schwersten Rezession seit Jahrzehnten im Dezember 2007 gingen in den USA mehr als sieben Millionen Arbeitsplätze verloren.

Arbeitsmarkt gilt weiterhin als Sorgenkind

"Wir nähern uns dem Punkt, an dem die Unternehmen wieder Kräfte anstellen müssen", sagte der US-Chefökonom der Deutschen Bank, Joseph LaVorgna vor Veröffentlichung der Zahlen. "Wir werden eine Besserung bei den Neueinstellungen einfach deshalb sehen, weil die Firmen so heftig entlassen haben."

Nach den erfreulichen Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt sind die US-Börsen am Freitag mit kräftigen Gewinnen in den Handel gestartet. Alle drei großen Indizes legten zunächst rund ein Prozent zu. Der Leitindex Dax schoss nach Bekanntgabe der Jobdaten aus der Verlustzone heraus und übersprang wieder die Marke von 5800 Punkten. Auch die Preise für Öl und Industriemetalle zogen am Freitag an.

Der Arbeitsmarkt gilt in den USA als Sorgenkind. Im jüngsten regionalen Konjunkturbericht der US-Notenbank hieß es, die Lage an der Jobfront sei nach wie vor schwach. Es komme weiterhin zu Entlassungen, Arbeitgeber seien zögerlich bei Neueinstellungen.

Obama hatte auf einem von ihm einberufenen "Job- Gipfel" die Sorge geäußert, das gigantische Haushaltsloch werde den Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit erheblich erschweren. "Ich bin offen für jede gute Idee", sagte er. "Aber unsere Ressourcen sind begrenzt." Auf der Konferenz diskutierten mehr als hundert Unternehmer, Gewerkschafter und Ökonomen über Wege aus der US- Jobkrise.

Der Kongress debattiert derzeit über mögliche weitere Konjunkturhilfen, um die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Obama machte jedoch klar, dass er Schritte ablehnt, die das Loch im Staatsetat noch weiter vergrößern würden. Das US-Haushaltsdefizit war wegen der gewaltigen Aufwendungen im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise im Steuerjahr 2009 auf 1,4 Billionen Dollar geklettert.

fro/dpa/Reuters



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