Wirtschaftskrise Weniger Brutto - erstmals seit 1949

Die Deutschen haben 2009 im Schnitt weniger verdient als im Vorjahr - zum ersten Mal seit Gründung der Bundesrepublik. Laut Statistischem Bundesamt sank der durchschnittliche Bruttolohn um 0,4 Prozent. Einzelbranchen traf es noch härter.

Baugerüst in Berlin: Bruttolöhne sinken um 0,4 Prozent
DDP

Baugerüst in Berlin: Bruttolöhne sinken um 0,4 Prozent


Wiesbaden - Die Wirtschaftskrise ist in den Geldbeuteln der Deutschen angekommen: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik haben Arbeitnehmer weniger Geld verdient als im Vorjahr. Der durchschnittliche Bruttoverdienst sank 2009 um 0,4 Prozent auf 27.648 Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Verantwortlich für die sinkenden Löhne ist laut den Statistikern hauptsächlich der Ausbau der Kurzarbeit und der Abbau von Überstunden. Bei der Berechnung des Durchschnittsverdienstes werden nach Angaben der Statistikbehörde alle Arbeitnehmer einbezogen - geringfügig Beschäftigte wie Vorstandsmitglieder, Angestellte wie Beamte. Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld, Zulagen und Prämien fließen in die Berechnung ein.

Im Gegensatz zu den Jahresverdiensten sind die Stundenlöhne um drei Prozent gestiegen - insbesondere durch den Abbau von Guthaben auf Arbeitszeitkonten: Die Arbeitnehmer erhielten 2009 das Entgelt für die Arbeit, die sie in den Vorjahren bereits erbracht haben, wie das Bundesamt mitteilte.

Besonders stark hat die Wirtschaftskrise das verarbeitende Gewerbe getroffen, wie es in der Mitteilung der Statistiker heißt. Hier sanken die Pro-Kopf-Verdienste um 3,6 Prozent, während auf Stundenbasis ein Zuwachs um 4,4 Prozent zu beobachten war. Auch die Lohnstückkosten, die die Relation von Arbeitskosten und Wertschöpfung darstellen, stiegen in diesem Wirtschaftsbereich mit plus 15,3 Prozent besonders stark.

Entwicklung des Durchschnittsverdiensts

Jahr Bruttoverdienst in Euro Veränderung gegenüber Vorjahr Stunden-
Lohn in Euro
2000 25.108 18,10
2001 25.563 1,8 18,59
2002 25.904 1,3 18,97
2003 26.231 1,3 19,29
2004 26.399 0,6 19,36
2005 26.470 0,3 19,55
2006 26.706 0,9 19,76
2007 27.128 1,6 20,04
2008 27.751 2,3 20,51
2009 27.648 -0,4 21,12

Quelle: Statistisches Bundesamt

cte/apn/AFP

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Osis, 03.03.2010
1.
Ich arbeite fachfremd, trotz gutem Diplom, für weit unter den 27.000€. Als Absolvent habe ich 1,5 Jahre nach meinem Diplom keine Chance, so wie viele meiner Kommilitonen. Krise? Ich kenne nichts anderes, meine Verträge laufen immer nur befristet max. 3-4 Monate. Mein Leben ist eine Krise. Die Sicherheit ist ausverkauft worden. Und mir geht es noch besser, Freunde stecken in Praktika oder sind am Plakate kleben und kellnern.
ingo w, 03.03.2010
2. Hurra, der Aufschwung ist da!
Wenn sogar die Bruttolöhne sinken, dann kann endlich auch der Bornierteste die immer weiter auseinanderklaffende Einkommensschere zwischen Arbeitenden und Kapitaleinkünften leugnen..... Obwohl, mir fallen einige Personen ein die das immer noch schaffen werden.
garfield, 03.03.2010
3. Immer noch kein Titel
Zitat von sysopDie Löhne sind 2009 zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik gesunken. Wie geht es Ihnen: Spüren auch Sie die Krise?
"Mehr Netto" vom Brutto!" Hahaha! Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass nicht nur die Reallöhne gesunken sind, sondern die absoluten Löhne (Brutto) auch. Und wer ist daran schuld? "Die Finanzkrise! Die Finanzkrise!" - die Steinbrück ja wie ein SpringinsFeldTeufel angesprungen hat - und für die ja bekanntlich niemand etwas kann. Die also genauso gottgegeben ist wie die Globalisierung auch. Nehmen wir also unser Schicksal auch weiterhin DIESEM Gott ergeben hin. Das Opfer auf dem Altar des goldenen Kalbes besteht darin, dass von einer effektiven Bankenkontrolle schon niemand mehr redet und mit den nachgeschossenen (Steuer-)Geldern das Casino schon wieder richtig brummt und die nächste Blase nur noch eine Frage der Zeit ist. Und dann heißt es wieder, massenhaft "systemische" Banken retten.
A-Schindler, 03.03.2010
4. Arbeitslos
Dank der Kriese bin ich Arbeitslos und dank 11 Monaten Kurzarbeit habe ich auch 200Euro weniger Arbeitslosengeld als vor 4 Jahren. Da ich wahrscheinlich erst wieder als Leiharbeiter Arbeit finden werden habe ich dann auch nicht mehr Geld. Im Grunde habe ich heute nicht mehr Geld in der Tasche als vor 20 Jahren, nur in paar Jahre verdiente ich mal mehr. Da in vielen Firmen die Überstunden nicht Ausbezahlt werden lohnt es sich auch nicht mehr Überstunden zu Arbeiten.
Crom 03.03.2010
5. Stundenlohn
Also einen durchschnittlichen Stundenlohn von 21,12 nenne ich doch mal ganz ordentlich. Da gibt's viele Akademiker, die weniger verdienen.
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