Auszeichnung Nobelpreis für Wirtschaft geht an Jean Tirole

Der französische Ökonom Jean Tirole erhält den Wirtschaftsnobelpreis 2014. Damit würdigt das Preiskomitee seine Analysen zu Marktmacht und Regulierung - und zum ersten Mal seit 15 Jahren einen Forscher, der nicht aus den USA kommt.
Auszeichnung: Nobelpreis für Wirtschaft geht an Jean Tirole

Auszeichnung: Nobelpreis für Wirtschaft geht an Jean Tirole

Foto: ERIC CABANIS/ AFP

Stockholm - Überraschung in Stockholm: Der Wirtschaftsnobelpreis 2014 geht an Jean Tirole aus Frankreich. Das verkündete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm. Der Ökonom wurde für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung ausgezeichnet. Der 61-Jährige lehrt an der Universität Toulouse.

"Der diesjährige Preis handelt vom Zähmen mächtiger Firmen", sagte der Ständige Sekretär der Wissenschaftsakademie, Staffan Normark. Tirole habe mit seinen Forschungen gezeigt, wie Märkte mit wenigen machtvollen Unternehmen verstanden und reguliert werden könnten. Der Franzose sei "einer der größten lebenden Ökonomen", sagte Jury-Chef Tore Ellingsen.

Tirole erforscht schwerpunktmäßig industrielle Organisation, Banken- und Finanzwesen sowie psychologische Aspekte der Wirtschaftswissenschaft. Die Universität Mannheim verlieh Tirole im Jahre 2011 die Ehrendoktorwürde. Bereits Anfang der Achtzigerjahre forschte Tirole über Spekulationsblasen. Er veröffentlichte zudem Arbeiten zur Industrieökonomik, Spieltheorie und Vertragstheorie. "Ich bin sehr, sehr dankbar", sagte der Forscher in einer ersten Reaktion am Telefon während der Pressekonferenz in Stockholm. Er sei bewegt und fühle sich geehrt.

Damit geht die Auszeichnung zum ersten Mal seit dem Jahr 1999 wieder an einen Nicht-US-Amerikaner. Damals hatte der Kanadier Robert Mundell den Preis erhalten. Auch zuvor waren es seit der Erstvergabe im Jahr 1969 weit überwiegend Forscher aus den USA, die den "Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel" entgegennehmen durften - und auch wenn sie nicht in den Vereinigten Staaten geboren wurden, forschten sie oft dort, wie die Grafik zeigt:

Nach Angaben des Nobelkomitees ist Tirole nach Maurice Allais (1988) und Gérard Debreu (1983) erst der dritte Franzose, der den begehrten Preis erhält.

Anders als die traditionellen Nobelpreise geht die Auszeichnung nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurück. Die Verkündung findet auch deshalb nicht in derselben Woche statt wie die klassischen Nobelpreise. Dotiert ist er allerdings mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 870.000 Euro) in gleicher Höhe, und er wird ebenso am Todestag Nobels am 10. Dezember in Schwedens Hauptstadt Stockholm verliehen. Die schwedische Reichsbank stiftete den Preis 1968, ein Jahr später wurde er zum ersten Mal vergeben.

fdi/Reuters/dpa/AFP
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