Kritik an FDP-Politiker Wirtschaftsnobelpreisträger warnt vor Christian Lindner als Finanzminister
FDP-Chef Lindner bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags: Umstrittene Sparpläne
Foto: ODD ANDERSEN / AFPZwei führende Ökonomen haben davor gewarnt, FDP-Chef Christian Lindner den Posten des Bundesfinanzministers zu überlassen. »Das Problem besteht nicht nur darin, dass Lindners Wirtschaftspolitik – sei es bei der Schuldenbremse oder den Haushaltsregeln für Europa – eine Anhäufung konservativer Klischees ist«, schreiben Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und sein Kollege Adam Tooze in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung »Die Zeit«. »Viel wichtiger ist, dass es sich um Klischees einer vergangenen Ära handelt, nämlich um die der Neunzigerjahre.«
Lindner, ein finanzpolitischer Crashtest?
Angesichts der europäischen und globalen Herausforderungen seien »große Investitionen der öffentlichen Hand von zentraler Bedeutung« – nicht eine Rückkehr zu einem Sparkurs, wie er der FDP vorschwebe, schreiben die Wissenschaftler. »Um seiner selbst willen sollte Lindner die unmögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushaltspolitische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen.«
»Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben«, so die Wirtschaftshistoriker Tooze und Stiglitz weiter. Die Grünen hätten mit Robert Habeck als Minister und dem Europapolitiker Sven Giegold als Staatssekretär ein »plausibles Führungsduo« im Angebot.
Sowohl Lindner als auch Habeck haben Interesse an dem Posten an der Spitze des Finanzministeriums signalisiert. Allerdings betonen die möglichen Ampelkoalitionäre regelmäßig, dass Personalentscheidungen erst ganz zum Schluss der laufenden Koalitionsverhandlungen geklärt werden sollten. Die Gespräche sollen bis Ende November abgeschlossen werden.