Konjunktur Berlins Wirtschaft wächst fünfmal stärker als Deutschland insgesamt

Berlin war bislang nicht gerade als wirtschaftsstark bekannt - Stichwort: "Arm, aber sexy". Doch im jüngsten Wachstumsranking der Bundesländer steht die Hauptstadt ganz vorn. Woran liegt das?

Berlin brummt - das Wachstum verteilt sich dabei auf zahlreiche Branchen (Archivbild)
Paul Zinken/dpa

Berlin brummt - das Wachstum verteilt sich dabei auf zahlreiche Branchen (Archivbild)


Berlin boomt. Die Hauptstadt hat sich als Standort für Innovation und Start-ups etabliert - das ist nicht neu. Eine Auswertung der Statistikämter auf Bundesebene zeigt aber, dass dieser Trend auch Folgen für die Wirtschaftsentwicklung hat. Das Bruttoinlandsprodukt der Hauptstadt zog in den ersten sechs Monaten um 1,9 Prozent an - während in weiten Teilen Deutschlands Flaute herrschte. Berlin wuchs damit fast fünfmal so stark, wie die deutsche Wirtschaft (plus 0,4 Prozent) insgesamt.

Auf Platz zwei folgt mit Hamburg (plus 1,6 Prozent) eine weitere Metropole, dicht gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 1,5 Prozent. Dass es in den beiden großen Stadtstaaten deutlich besser lief als etwa in Nordrhein-Westfalen (plus 0,1 Prozent) und dem Autoland Baden-Württemberg (0,0), ist für Ökonomen keine Überraschung.

Wachstumstreiber Dienstleistungen

"In Berlin und Hamburg dominieren die Dienstleister", sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Henning Vöpel. Dieser Sektor sei von der schwächeren Wirtschaftsentwicklung "noch nicht so erfasst worden wie die Industrie". Beide Städte profitierten zudem von einem starken Zuzug von neuen Einwohnern und der boomenden technologiebasierten Start-up-Szene.

In Mecklenburg-Vorpommern trugen das Produzierende Gewerbe, die Landwirtschaft und die Dienstleister zum Wachstum bei. In drei Bundesländern schrumpfte die Wirtschaftsleistung hingegen.

In Rheinland-Pfalz war der Rückgang mit 0,9 Prozent am stärksten, während es im Saarland und in Bremen um jeweils 0,4 Prozent nach unten ging. Das deutliche Minus in Rheinland-Pfalz geht den Angaben nach auf einen Sondereffekt zurück: Im ersten Halbjahr 2018 erzielte die dortige Pharmaindustrie außergewöhnlich große Umsatzzuwächse, auf die nun eine Gegenbewegung mit einem deutlichen Rückgang folgte.

flg/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
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dirk.resuehr 24.09.2019
1. Interessante Entwicklung
Jeder Personalberater weiß, in Berlin ist die Gtründerszene sehr munter, liegt mit München vorne. Obs am Klima der Städte oder an den dortigen Unis liegt, wer weiß? Interessant auch, dass diese Tatsache an den Fachjournalisten meist vorbeigeht, die in Sachen IT etc. eh soviel Ahnung nicht haben und diese Bereiche der interessantesten Wrtschaft inkl. der "Hidden Champions"! nicht kennen oder nicht drüber schreiben mögen.
euro-paradies 24.09.2019
2. Was der starke Zuzug von neuen Einwohnern den Steuerzahler
kostet, das wird nicht bekannt gegeben und ob sich daraus ein positives Ergebnis unterm Strich ergibt. Ist nur wieder die halbe Wahrheit, die mitgeteilt wird.
53er 24.09.2019
3. In Berlin
sind es die Dienstleistungen, im Rest der Republik gebührt der Verdienst natürlich der CDU/CSU.
efimgellers 24.09.2019
4.
Ein Blick in den Länderfinanzausgleich hilft weiter: fast fünf Milliarden, also fast die Hälfte des Budgets, zu 60% finanziert von Bayern, hat der arme Stadtstaat Berlin erhalten oder noch drastischer: Berlin wird von Bayern zu 100% subventioniert. Aber das will man alles gar nicht wissen, sondern sich über die Bayern lustig machen, woher das Geld kommt ist doch klar: es war schon immer da.
brickman 24.09.2019
5. Unterm Strich
Zitat von euro-paradieskostet, das wird nicht bekannt gegeben und ob sich daraus ein positives Ergebnis unterm Strich ergibt. Ist nur wieder die halbe Wahrheit, die mitgeteilt wird.
Nun, die Wahl des Lebensmittelpunktes ist ein Grundrecht im Rahmen der Freizügigkeit. Es spielt keine Rolle, was sich "unterm Strich" ergibt, wenn Menschen ihre Freiheit zur Gestaltung ihres Lebens nutzen. Es gibt daher weder halbe noch ganze Wahrheiten in dieser Frage. Es gibt nicht einmal die Frage.
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