Wirtschaftswettlauf mit China Japan gibt sich geschlagen

Jetzt ist es auch für Japan offiziell: China hat seinen Rivalen als zweitgrößte Volkswirtschaft überholt. Die schlechte Konjunktur in dem Inselstaat hat die Entwicklung zusätzlich begünstigt.

Einkaufsstraße in Tokio: Kampf gegen Deflation und gigantische Schulden
dpa

Einkaufsstraße in Tokio: Kampf gegen Deflation und gigantische Schulden


Tokio - Die japanische Wirtschaft schrumpft - und gibt damit Chinas Aufstieg zusätzlich Rückenwind. Das Bruttoinlandsprodukt ging zwischen Oktober und Dezember um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,1 Prozent zurück, gab die Regierung in Tokio am Montag auf vorläufiger Basis bekannt. Damit hat China nun auch nach offizieller Lesart Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Jetzt gilt es nur noch, die USA zu überholen.

Japan begrüßte Chinas Aufstieg. Die wirtschaftliche Entwicklung des Nachbarlandes sei wichtig für die gesamte Region, sagte der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano. Es gehe nicht um das Wetteifern um Platzierungen auf Ranglisten, sondern um das Wohl der Menschen. In diesem Sinne sei Japan über Chinas wirtschaftlichen Fortschritt als Nachbarstaat erfreut.

Die Volksrepublik hatte im vergangenen Jahr ein gigantisches Wachstum von 10,3 Prozent verzeichnet. Damit hat China die Weltwirtschaftskrise deutlich schneller und besser als andere Volkswirtschaften überstanden.

Japans Regierung schöpft Hoffnung

Der Rückgang des japanischen Wachstums im vergangenen Quartal fiel jedoch deutlich geringer aus, als Volkswirte in Tokio erwartet hatten. Sie hatten im Durchschnitt der Prognosen mit einem Schrumpfen um mehr als zwei Prozent gerechnet - vor allem angesichts auslaufender Konsumanreize der Regierung.

Japans Regierung schöpft nun Hoffnung: Die Wirtschaft stagniere offensichtlich, doch zeige der Trend wieder aufwärts, sagte Yosano. Analysten wie Takahide Kiuchi, Chefökonom bei Nomura Securities, halten es nun für sehr wahrscheinlich, dass die japanische Wirtschaft dank ihres Exportmotors zwischen Januar und März wieder zulegen wird.

Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Berichtsquartal ist der erste seit dem dritten Quartal 2009. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte Japans Wirtschaft um 0,3 Prozent. Neben dem Auslaufen der Konjunkturprogramme leidet Japans Exportwirtschaft unter dem festen Yen. Die japanische Regierung von Premier Naoto Kan kämpft zudem gegen Deflation und gigantische Schulden.

China führt immer mehr Waren ein

Auch China muss trotz seines rasanten Aufstiegs einen kleinen Dämpfer bei der Wirtschaftsleistung hinnehmen. Der Handelsüberschuss des Landes ist nach einem überraschend kräftigen Anstieg der Importe zu Jahresbeginn gesunken.

Zwar legten die Ausfuhren des Exportweltmeisters im Januar binnen Jahresfrist um 37,7 Prozent zu, wie die chinesischen Zollbehörden am Montag mitteilten. Die Einfuhren in die Volksrepublik stiegen aber mit 51 Prozent fast doppelt so stark wie erwartet. Damit sank der Handelsüberschuss auf 6,5 Milliarden Dollar von 13,1 Milliarden Dollar im Dezember.

yes/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 42 Beiträge
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jehudi 14.02.2011
1. Nicht gerechtfertigt...
Finde ich persönlich nicht gut, dass ein Kopierer einen Innovator abgehängt hat. Würde China sich international geltendes Recht halten, wäre es jetzt nicht da wo es ist. Ebenso mit den menschenwürdigen Bedingungen für Arbeiter.
bismarck_utopia 14.02.2011
2. Ohne Kopieren keine Innovation
Zitat von jehudiFinde ich persönlich nicht gut, dass ein Kopierer einen Innovator abgehängt hat. Würde China sich international geltendes Recht halten, wäre es jetzt nicht da wo es ist. Ebenso mit den menschenwürdigen Bedingungen für Arbeiter.
Was meinen Sie, was Japan früher war? Die haben kopiert wie die Bekloppten, bis die reich genug für eigene Forschungen waren. Das gleiche gilt für Deutschland.
ArnoNym 14.02.2011
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Zitat von jehudiFinde ich persönlich nicht gut, dass ein Kopierer einen Innovator abgehängt hat. Würde China sich international geltendes Recht halten, wäre es jetzt nicht da wo es ist. Ebenso mit den menschenwürdigen Bedingungen für Arbeiter.
Schön für Sie! Aber was unterscheidet das heutige China vom Japan vor 50 Jahren? Damals hatte Japan auch nur hemmungslos kopiert, und wirkliche Innovationen kamen ohnehin noch nie aus Japan.
silenced 14.02.2011
4. <->
Zitat von jehudiFinde ich persönlich nicht gut, dass ein Kopierer einen Innovator abgehängt hat. Würde China sich international geltendes Recht halten, wäre es jetzt nicht da wo es ist. Ebenso mit den menschenwürdigen Bedingungen für Arbeiter.
Würden sich ganz andere Staaten an internationales Recht halten und es nicht permanent mit Füßen treten, hätten wir sicher eine friedlichere Welt. Warum sich also an Gesetze halten, wenn es die 'Großen' vormachen, daß es doch ohne viel besser geht?
gracie 14.02.2011
5. Schrott hängt Qualität ab...
Das Niveau ist unterdessen so tief gesunken, dass man sogar darauf stolz sein darf !
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