Forum in Sankt Petersburg Putin warnt vor Trumps Wirtschaftspolitik

Mit deutlichen Worten hat der russische Präsident Wladimir Putin beim Sankt Petersburger Wirtschaftsforum die Politik von US-Präsident Trump kritisiert. Der Weg der USA führe zu "endlosen Konflikten".

Wladimir Putin auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg
YURI KOCHETKOV/EPA-EFE/REX

Wladimir Putin auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg


Auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Wirtschaftspolitik der USA verurteilt. Es gebe ein Risiko, dass ungezügelter "wirtschaftlicher Egoismus", der anderen Ländern mit Kraft aufgedrückt werde, zu mehr Konflikten in der Welt führe. "Es ist ein Weg zu endlosen Konflikten, Handelskriegen und vielleicht nicht nur Handelskriegen. Im übertragenen Sinne ist es ein Weg zu Kämpfen ohne Regeln, der alle gegen alle ausspielt", sagte Putin.

Der russische Präsident ist Schirmherr des Wirtschaftsforums, das von diesem Donnerstag bis Samstag in der russischen Metropole Sankt Petersburg stattfindet. Dazu sind Gäste aus aller Welt geladen, unter anderem Chinas Staatschef Xi Jinping.

Putin warf den USA vor, "ihr Rechtssystem auf die gesamte Welt" ausdehnen zu wollen. Er sagte, die Globalisierung "wird eine Parodie ihrer selbst, wenn gemeinsame internationale Regeln durch Gesetze, Verwaltungs- und Rechtsmechanismen eines Landes oder einer Gruppe von Ländern ersetzt werden".

Russischer Präsident verteidigt Huawei

Putin kritisierte auch den Umgang der USA mit dem chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei. Das Verhalten ziele nicht nur darauf ab, Huawei "auszuquetschen", sondern "kurzerhand vom globalen Markt zu verdrängen", sagte Putin. In "einigen Kreisen" sei bereits vom "ersten Technologiekrieg" des anbrechenden digitalen Zeitalters die Rede.

Huawei wird derzeit massiv von Washington unter Druck gesetzt. Die USA befürchten chinesische Spionage und Sabotage, Huawei weist das zurück. US-Präsident Donald Trump hatte den Konzern kürzlich auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Einige US-Firmen wie Microsoft hatten daraufhin ihre Zusammenarbeit mit Huawei eingeschränkt.

Deutschland und Russland unterzeichnen Erklärung

Russland setzt hingegen bei seinem 5G-Netzausbau auf Huawei. Der chinesische Technologieausrüster hatte an diesem Mittwoch ein Abkommen mit dem russischen Telekommunikationskonzern MTS unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht als Pilotprojekt den Start von 5G-Mobilfunknetzen in Russland in den Jahren 2019 bis 2020 vor. Chinas Präsident Xi sagte in St. Petersburg, sein Land sei trotz aller Schwierigkeiten rund um Huawei bereit, seine 5G-Technologie "mit all seinen Partnern zu teilen".

Aus Deutschland reiste unter anderem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an. Er unterzeichnete mit Russland eine "Absichtserklärung", die die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder bei der Steigerung von Effizienz, Arbeitsproduktivität und Energieeinsparung stärken soll. Seit Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland ist es die erste Vereinbarung auf Regierungsebene für eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Altmaier sagte, es gebe ein erhebliches Potenzial, um die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen.

kko/Reuters/AFP/dpa



insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kuac 07.06.2019
1.
Trump hat keine Angst vor Konflikten. Mit mehr Waffen kann er alle Konflikte lösen, so oder ähnlich denkt er. Abgesehen davon, warum ärgert er sich jetzt, nachdem er direkt oder indirekt Wahlhilfe zugunsten von Trump geleistet hatte!
Walther Kempinski 07.06.2019
2. Ausnahmsweise
Ausnahmsweise hat der olle Putin ja sogar Recht. Aber er ist in der Krim mit grünen Männchen ohne Hoheitszeichen einmarschiert, hat sich mit dem Mafiosi-Diktator Assad verbrüdert und lässt in Syrien Krankenhäuser bombardieren, er schleppt die iranische Hisbollah in Syrien ein um den Islamismus zu bekämpfen, er macht Deals mit Erdogan, viele politische Morde und Vergiftungen (jaja keine Beweise, aber stark Indizien und der gesunde Menschenverstand sagt klar ja). Welches Recht hat er also Trump zu kritisieren? Will wohl ablenken und einen zweiten Bösewicht neben sich etablieren. Ablenkungstaktiken hat er sicher als Stasi-KGB-Agent in der DDR gelernt.
ntfl 07.06.2019
3. Da muss erst ein Putin sagen,
was sich all die "befreundeten" Staaten nicht trauen. Leider hat er absolut Recht und die Welt wird lange Zeit benötigen, um das zerschlagene Porzellan wieder zu kitten.
Wolfgang Porcher 07.06.2019
4. er sagt was jeder weiss , aber....
die meisten sich allerdings nicht trauen, dieses AS ich hörbar kund zu tun, denn es könnte sein auch von Trump getroffen zu werden. Dazu gehört ganz vorne mit dran Deutschland, es koennte ja sein dass die Deutsche Automobilindustrie in den USA weniger Umsatz macht. lieber Kuschen.
funkstörung 07.06.2019
5. politik
sicher, was soll put`n (ich mag die amerikanische aussprache des names) auch sonst sagen, die sanktionen mehren seinen zuspruch in der bevölkerung nicht. langsam wird eben vielen klar das nationalchauvinismus nicht statt macht und das tägliche leben nur negativ beeinflusst. für put`n ist trumps politik mist, keine frage.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.