Ausbeutung von Migranten Katar beschließt Arbeitsmarktreformen

Zwei Millionen ausländische Arbeiter leben in Katar. Viele von ihnen werden systematisch ausgebeutet, nun hat die Regierung Reformen des berüchtigten "Kafala"-Systems verkündet.
Abhängig vom Arbeitgeber: Migranten auf einer Baustelle in Doha (Archivbild)

Abhängig vom Arbeitgeber: Migranten auf einer Baustelle in Doha (Archivbild)

Foto: Naseem Zeitoon / REUTERS

WM-Gastgeber Katar hat nach anhaltender Kritik weitere Arbeitsreformen beschlossen, um die Lage der Arbeitsmigranten im Land zu verbessern. Künftig können ausländische Arbeiter den Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln, wie die Regierung mitteilte.

Außerdem legte das Emirat einen monatlichen Mindestlohn in Höhe von 1000 Riyal (etwa 230 Euro) fest; das Gesetz sieht nach Angaben der Regierung zudem vor, dass die Arbeiter 800 Riyal für Unterkunft und Lebensmittel erhalten. Arbeitgeber, die den Lohn schuldig bleiben, sollen demnach härter bestraft werden.

Die Uno-Arbeitsorganisation ILO sprach von einem "historischen Schritt" und dem "Beginn einer neuen Ära" für Katars Arbeitsmarkt. Das Kafala-System werde de facto abgeschafft. Dieses auch in anderen Ländern verbreitete System (lesen Sie hier einen Bericht aus dem Libanon) bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen. So muss zum Beispiel der Arbeitgeber einem Jobwechsel zustimmen. Anfang des Jahres hatte Katar bereits die strikten Ausreisebestimmungen für Arbeitsmigranten weiter gelockert.

Human Rights Watch prangert Menschenrechtsverletzungen an

In Katar leben rund zwei Millionen Arbeitsmigranten, vor allem aus armen Ländern wie Bangladesch, Nepal oder Indien. Sie machen rund 95 Prozent der Erwerbsbevölkerung im Land aus. Katar steht wegen der katastrophalen Arbeitsbedingungen für diese Personen in der Kritik, hatte sie aber zurückgewiesen und Reformen im Vorfeld der WM angeführt. Das Turnier soll 2022 stattfinden.

Jüngst hatte Human Rights Watch in einem Bericht  systematische Menschenrechtsverletzungen angeprangert. Ein Grund dafür sei das Kafala-System, hieß es. "Wir haben von Arbeitern gehört, die wegen verspäteter Lohnzahlungen hungern müssen, von verschuldeten Arbeitern, die in Katar für Niedriglöhne schuften, und von Arbeitern, die aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen keinen Ausweg aus ihren schlechten Arbeitsbedingungen sehen."

Amnesty International begrüßte die Reform. "Sie sind ein positiver Schritt, aber es bleibt noch viel zu tun", sagte Stephen Cockburn, der bei Amnesty für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit zuständig ist. Die Menschenrechtsorganisation hatte davon berichtet, dass ausländische Arbeiter auf einer Baustelle der WM über Monate nicht bezahlt worden seien. Zudem gehen die Bauarbeiten an den Stadien unbeirrt weiter - trotz der Coronakrise.

Katar ist von der Pandemie besonders betroffen. Pro Kopf hat das Land eine der höchsten Infektionsraten  der Welt. Unter den Erkrankten sind auch viele ausländische Haushaltshilfen, die oft unter prekären Bedingungen leben und arbeiten.

slü/dpa
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