KPMG, PWC, Deloitte und EY in Ministerien Wo die Big Four in Berlin ein- und ausgehen

Obwohl sie in große Steuerskandale verwickelt sind, werden die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften regelmäßig von der Politik engagiert. Neue Zahlen zeigen, wo die "Big Four" am häufigsten verpflichtet werden.
"Immer dabei": Logos der Big Four

"Immer dabei": Logos der Big Four

Foto: Michael Sohn/AP / Daniel LEAL-OLIVAS/AFP //Dirk Sattler/imago images / ABRIEL BOUYS / AFP

Zwischen Wirtschaftsprüfung und Wirtschaftskriminalität liegt manchmal ein schmaler Grat - das hat sich in den vergangenen Tagen mal wieder gezeigt. In den USA wurde bekannt, dass der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine Rekordstrafe von bis zu 50 Millionen Dollar droht. Der Grund: Ex-Mitarbeiter von KPMG sollen Klienten vor drohenden Behördenprüfungen gewarnt haben.

In Indien gerieten zugleich ein Partnerunternehmen von KPMG sowie der Konkurrent Deloitte unter Druck. Bei dem pleitegegangenen Finanz- und Baukonzern IL&FS hätten sie als Kontrolleure "miserabel versagt", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungsunterlagen. Es gehe um "nicht weniger als organisiertes Verbrechen, das aktiv von den gesetzlichen Prüfern unterstützt und begünstigt wurde".

Auch in Deutschland war das Ansehen der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY (Ernst & Young), KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC) schon mal besser. Denn bei den Skandalen um internationale Steuervermeidung spielten die "Big Four" häufig eine prominente Rolle. Das weiß man auch im von Olaf Scholz (SPD) geführten Finanzministerium.

"Steuergestaltungen werden immer ausgefeilter und machen sich häufig die höhere Mobilität von Kapital, Personen und immateriellen Werten zunutze", heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken, die dem SPIEGEL vorliegt. "Global operierende Beratungseinheiten können diese Unterschiede leichter aufdecken und daher schneller nutzbar machen."

Doch inwieweit sind die Big Four auch in Deutschland für aggressive Steuergestaltungen zulasten des Fiskus verantwortlich? Dazu liegen der Regierung keine "quantifizierbaren Erkenntnisse" vor. Selbst zum Marktanteil in Deutschland gebe es "keine Erkenntnisse".

Sicher ist aber: Auch in der deutschen Politik spielen die Big Four eine gewichtige Rolle. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie neben der Wirtschafsprüfung auch Beratungsleistungen anbieten, welche die deutsche Politik in großem Umfang in Anspruch nimmt .

Von 2008 bis 2019 hat die Bundesregierung mindestens 153 Beratungsaufträge an die Big Four vergeben - allein 58 Prozent davon in den Jahren 2016 bis 2018.

  • Gut die Hälfte dieser Aufträge (52 Prozent) griff PwC ab. Mitarbeiter von PwC Deutschland berieten beispielsweise das Finanzministerium bei der Abwicklung der Depfa-Bank, das Innenministerium zur Cybersicherheit und das Verkehrsministerium bei der LKW-Maut.
  • Mit deutlichem Abstand folgen EY (23 Prozent),
  • KPMG (18 Prozent)
  • sowie Deloitte (8 Prozent).

Am häufigsten wurden die Wirtschaftsprüfer vom Innenministerium (BMI) um Hilfe gebeten. Auf das Haus von Horst Seehofer (CSU) entfallen 26 Prozent der Aufträge. Jeweils rund ein Fünftel kam aus dem Verkehrs- (BMVI) und Finanzministerium (BMF).

Staatssekretäre des BMF trafen sich seit Antritt der aktuellen Bundesregierung zehn Mal mit Firmen der Big Four. War dabei auch der Cum-Ex-Skandal ein Thema, in den die Wirtschaftsprüfer ebenfalls verstrickt sind? Auch dazu liegen der Regierung offiziell "keine Informationen vor".

Die Opposition will sich damit nicht zufrieden geben. "Ob Cum-Ex oder Luxemburg Leaks, immer waren die Big Four dabei", sagt Linken-Fraktionsvize Fabio de Masi. Die Wirtschaftsprüfer seien mächtig, mit der Regierung vernetzt und zugleich Berater aller großen Konzerne. "Dies schafft Interessenskonflikte."

Wie der SPIEGEL berichtete, wurde erst kürzlich der frühere Umwelt-, Außen- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in den Beirat von Deloitte berufen. Das Gremium wird geleitet von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber und umfasst weitere Ex-Politiker wie den früheren Innenminister Otto Schily (SPD) oder Ex-Grünenpolitiker Rezzo Schlauch.

Angesichts von Gabriels neuem Nebenjob wollte die Linke auch wissen, ob die von ihm geführten Ressorts während seiner Amtszeiten Aufträge an Deloitte vergeben hatten. Immerhin diese Frage konnte die Bundesregierung nun klar verneinen.

Anmerkung der Redaktion: Die Bundesregierung hat ihre Antwort auf die kleine Anfrage nachträglich korrigiert, da in einer ersten Fassung Zahlen zum Umweltministerium (BMU) sowie Bildungs- und Forschungsministerium (BMBF) fehlten. Wir haben die Zahlen im Text und den Grafiken entsprechend aktualisiert.

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