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23. Mai 2017, 15:17 Uhr

Studie

Jeder zweite Deutsche fühlt sich besonders wohlhabend

Wie gerecht ist der Wohlstand verteilt? Darüber wird vor der Bundestagswahl heftig gestritten. Laut neuen Zahlen sehen sich 49 Prozent der Deutschen als "besonders wohlhabend" - ähnlich viele werden aber von Ängsten geplagt.

Ein Großteil der Deutschen empfindet sich einer neuen Studie zufolge als wohlhabend, zugleich gibt es aber deutliche Zukunftsängste. Laut dem am Dienstag veröffentlichen Nationalen Wohlstandsindex des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos stieg die Zahl der Bundesbürger, die sich als "besonders wohlhabend" einschätzen, von 42,1 Prozent im Jahr 2012 auf 49,1 Prozent. Nur 2015 lag die Zahl im Juni und September leicht darüber.

Ein mittleres Wohlstandsniveau bescheinigen sich knapp 35 Prozent der Befragten. Als nicht wohlhabend stufen sich nur 16 Prozent ein. Der an der Studie beteiligte Zukunftsforscher Horst Opaschowski sagte, zwar seien die Menschen mit ihrem Wohlstandsniveau durchaus zufrieden, "aber sie sind sich ihrer Zukunft nicht mehr sicher". Zudem sei "noch Luft nach oben", da es zwei von sechs Bundesbürgern nach eigener Aussage besser gehen könnte.

In der Studie werden seit 2012 regelmäßig Bundesbürger danach befragt, was sie persönlich mit Wohlstand verbinden und wie sie ihre eigene Lebenslage einschätzen. Inzwischen wurden bei 20 Erhebungen insgesamt 40.000 Interviews geführt. Es gehe um eine erweiterte Messung von Wohlstand, während die Politik Wohlstand überwiegend ökonomisch definiere, sagte Opaschowski.

Neben finanzieller Sorgenfreiheit (78 Prozent), sicherem Einkommen (70 Prozent) und gesichertem Arbeitsplatz (65 Prozent) ist den Deutschen der Besitz von Eigentum (71 Prozent) wichtig und als Sicherheitsaspekt in den vergangenen fünf Jahren um 14 Prozentpunkte gestiegen. "Sich materielle Wünsche erfüllen können" (67 Prozent) und "alle Reisewünsche erfüllen können" (56 Prozent) rangieren ebenso ganz oben wie "sich eine gute medizinische Versorgung leisten können" (61 Prozent).

Nur 42 Prozent können der Studie zufolge heute mit Bestimmtheit sagen, dass sie keine Angst vor der Zukunft haben. In unsicheren Zeiten wünsche sich die Bevölkerung von der Politik daher einen "Sicherheitsrahmen - vom sicheren Arbeitsplatz über den sozialen Frieden im Land bis zur verlässlichen Gesundheits- und Altersvorsorge", sagte Opaschowski. Den Deutschen gehe es darum, ihren erworbenen Wohlstand in Sicherheit zu bringen, "aber nicht wie viele vermuten, in Reichtum oder Luxus zu schwelgen".

Vor allem bei jungen Menschen gibt es laut Opaschowski Defizite. So hätten sie mehrheitlich keinen sicheren Job und damit kein gesichertes Einkommen. Auch besäßen sie weniger Einkommen als der Durchschnitt der Deutschen. Altersarmut dagegen scheine "kein zu verallgemeinerndes Thema der Gegenwart" zu sein. Nur 15 Prozent der älteren Bevölkerung ab 65 Jahren stuften sich auf der unteren Wohlstandsskala ein, mehr als drei Mal so viele (51 Prozent) dagegen ganz oben.

Die Frage, wie gerecht der Wohlstand in Deutschland verteilt ist und ob Arm und Reich auseinanderdriften, wird voraussichtlich zu den wichtigsten Themen im Bundestagswahlkampf gehören.

dab/Reuters/dpa

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