Erster Anstieg seit 2016 Regierung beschließt höheres Wohngeld

Das Kabinett hat die Erhöhung des Wohngelds beschlossen. Der staatliche Mietzuschuss soll zum 1. Januar 2020 steigen und vor allem Familien und Rentner unterstützen.
Gropiusstadt im Berliner Stadtteil Neukölln

Gropiusstadt im Berliner Stadtteil Neukölln

Foto: imago images/Christian Ditsch

Haushalte mit geringem Einkommen sollen vom kommenden Jahr an mit einem höheren Wohngeld unterstützt werden. Das Bundeskabinett hat eine Erhöhung dieser Sozialleistung beschlossen. Zum 1. Januar 2020 soll der staatliche Mietzuschuss für einen Zwei-Personen-Haushalt von 145 auf 190 Euro im Monat steigen. Notwendig ist die Zustimmung des Bundesrates, weil das Wohngeld je zur Hälfte von Bund und Ländern gezahlt wird.

Geplant ist eine regional gestaffelte Erhöhung der Höchstbeträge, bis zu denen die Belastung durch die Miete berücksichtigt wird. Die Vorlage sieht zudem die Einführung einer neuen "Mietenstufe VII" vor, um Haushalte in Gemeinden und Kreisen mit hohen Mieten gezielter bei den Wohnkosten zu entlasten.

Den Zuschuss erhalten Haushalte mit geringem Einkommen, die zur Miete oder im eigenen Eigentum wohnen und keine Unterstützung wie zum Beispiel Hartz IV bekommen.

Das Wohngeld ist - ebenso wie der Kinderzuschlag - eine Leistung, die verhindern soll, dass Haushalte mit geringen Einkommen in das Hartz-IV-System rutschen. Anders ausgedrückt: Wohngeld bekommen jene Haushalte, die ohne den Zuschuss Hartz IV beantragen müssten. Und wenn das Wohngeld erhöht wird, führt das dazu, dass Haushalte mit kleinen Einkommen, die bislang Hartz IV beziehen, künftig nicht mehr darauf angewiesen sind.

Reform soll vor allem Familien und Rentnern zugutekommen

Auch dadurch wird die Zahl der Wohngeldempfänger infolge der Erhöhung zwangsläufig spürbar steigen. Das Bundesbauministerium geht in einer entsprechenden Kabinettsvorlage von rund 660.000 Haushalten aus, die 2020 Wohngeld erhalten, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ende 2017 waren es laut Statistischem Bundesamt etwa 592.000, das waren 1,4 Prozent aller privaten Haushalte.

Die Reform soll vor allem Familien und Rentnern zugutekommen. Anders als bisher soll die Höhe laut RND künftig alle zwei Jahre an die Entwicklung von Bestandsmieten und Einkommen angepasst werden. Zuletzt war das Wohngeld Anfang 2016 angepasst worden.

Der Sozialverband VdK begrüßte die Anhebung. "Da bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird, sind viele Menschen auf staatliche Hilfen wie das Wohngeld angewiesen, um ihre Miete bezahlen zu können", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele. "Durch regelmäßige Anpassungen kann sichergestellt werden, dass das Wohngeld auch in Zukunft einkommensschwache Haushalte entlastet."

mmq/dpa
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