Coronakrise Zahl der Wohngeldanträge hat sich in einigen Städten verdoppelt

Wegen der Coronakrise sind immer mehr Menschen auf Hilfe vom Staat angewiesen. Nach Recherchen des SPIEGEL wurden im März in mehreren deutschen Großstädten deutlich mehr Anträge auf Wohngeld gestellt.
Häuserblock in Berlin: Erhöhte Nachfrage nach Wohngeld

Häuserblock in Berlin: Erhöhte Nachfrage nach Wohngeld

Foto: Britta Pedersen/ DPA

Die Zahl der Anträge auf Wohngeld ist im März in vielen deutschen Großstädten sprunghaft gestiegen, offensichtlich auch als Folge der Coronakrise. Das geht aus Anfragen des SPIEGEL in den jeweils zuständigen Behörden hervor.

Mieter oder Eigentümer mit geringem Einkommen erhalten mit dem Wohngeld einen staatlichen Zuschuss für selbst genutzten Wohnraum.

München registrierte im März 50 Prozent mehr Anträge als im Vorjahresmonat. "Die Zahl der Anträge ist deutlich gestiegen", sagte ein Sprecher des Sozialreferats.

In Leipzig wuchs die Zahl um rund zwei Drittel. Waren es im März 2019 noch 1430 Anträge, waren es im gleichen Zeitraum in diesem Jahr 2367. Ein ähnliches Plus verzeichnet Düsseldorf. Dort gab es in diesem März rund 1500 Anträge, im Vorjahr waren es rund 900. 

Besonders deutlich ist der Anstieg in Köln, dort haben sich die Märzzahlen von 473 Anträgen im vorigen Jahr auf jetzt 1259 fast verdreifacht, was laut einer Sprecherin der Stadt "auf einen Zusammenhang zum Coronavirus schließen" lasse. Auch die "bisherige Entwicklung der Zahlen im April bestätigt diesen Trend".

Die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart erwartet nach den "massiv gestiegenen Anfragen" seit Inkrafttreten der Corona-Verordnung, "dass die Zahl der Anträge nochmals ansteigen wird". In Frankfurt am Main haben die Anfragen nach Hilfen und sich daraus ergebende Wohngeldansprüche seit April "immens zugenommen". 

Allerdings ist nicht allein die Coronakrise für die große Resonanz verantwortlich. Seit Jahresbeginn sind mit der Wohngeldreform mehr Haushalte in Deutschland berechtigt, die Sozialleistung zu beziehen. Bundesländer und Wohngeldbehörden melden laut einer Sprecherin des Bundesinnenministeriums (BMI) seitdem ohnehin eine erhöhte Nachfrage. 

So stieg in Köln etwa im Januar die Anzahl der Anträge auf 1174, nach 528 Anträgen im Vorjahresmonat. Auch im Februar war die Zahl der Anträge mit 830 deutlich höher als im Vorjahresmonat (493). Auch in Leipzig verdoppelten sich die Anträge im Januar.

Das BMI rechnet damit, dass von der Reform 660.000 Haushalte profitieren, davon 180.000 Haushalte, die zum ersten Mal oder wieder Wohngeld erhalten. Der Zuschuss solle sich im Durchschnitt um 30 Prozent erhöhen und vor allem Familien sowie Rentnerinnen und Rentnern zugutekommen.

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