Nach drei Monaten Zahl neu genehmigter Wohnungen im Januar höher als im Vorjahr

Im Januar sind deutlich mehr Wohnungen genehmigt worden als noch ein Jahr zuvor - Hoffnungen auf ein Ende des Mietenanstiegs sind aber verfrüht: Die wichtige Kennzahl stagniert seit zwei Jahren.

Baustelle in Hamburg
DPA

Baustelle in Hamburg


In der aktuellen Debatte um bezahlbare Mieten klingt die Mitteilung des Statistischen Bundesamts wie ein Hoffnungsschimmer: Die Zahl der neu genehmigten Wohnungen in Deutschland ist im Januar um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In absoluten Zahlen waren es im ersten Monat des Jahres 27.100 Baugenehmigungen, 2260 mehr als im Januar 2018.

Gerade in der aktuellen Debatte um eine Enteignung großer Wohnungskonzerne wird nicht nur von Gegnern des möglichen Volksbegehrens immer wieder betont, dass der starke Mietanstieg in den Großstädten letztendlich nur gestoppt werden kann, wenn deutlich mehr Wohnungen gebaut werden.

Bei näherer Betrachtung geben die aktuellen Daten der amtlichen Statistiker allerdings wenig Anlass auf allzu große Hoffnung - zumindest noch nicht. Denn in den drei Monaten zuvor lag die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen jeweils unter den Werten des Vorjahres. Allein im Dezember 2018 waren es 2400 weniger genehmigte Wohnungen als im Jahr zuvor - der gute aktuelle Januar-Wert gleicht dieses Minus also nicht einmal aus.

Insgesamt stagniert die Zahl der Wohnungsgenehmigungen seit zwei Jahren. 2017 und 2018 waren es jeweils rund 345.000 - und damit deutlich weniger als noch 2016, als 375.000 Wohnungen genehmigt wurden. Experten und die Bundesregierung gehen davon aus, dass jährlich mindestens 400.000 Wohnungen neu gebaut werden müssten.

Immerhin ist das Niveau seit Ende der Nullerjahre deutlich gestiegen. Auf dem Tiefpunkt im Jahr 2008 wurden nur 174.691 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt, also rund halb so viele wie in den vergangenen Jahren.

fdi

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frazis 08.04.2019
1. Irgendwie kommt mir das vor
wie im Märchen vom Hasen und dem Igel. Deutschland kann so viel bauen wie es will, es wird unter den gegebenen Umständen niemals alle Wohnwünsche erfüllen können. Wenn in jedem Jahr etwa 200 000 Menschen allein durch Immigration dazukommen, wobei hier noch Luft nach oben ist, das heißt eine komplette Großstadt, kann man sich schon vorstellen, dass dies rechnerisch nur mit großen Mühen zu schaffen ist. Auch die nötige Infrastruktur muss natürlich dazu aufgebaut werden. Und eines sollte man auch nicht unterschätzen. Deutschland ist nun mal ein dicht besiedeltes Land. Die nötige Fläche für Bauland kann auch nicht bis zur Wunschvorstellung vermehrt werden. Die Bundesregierung wollte mal den Flächenverbrauch begrenzen und vermindern. Und was ist aus dieser schönen Absicht geworden? Schließlich wird land auch noch für andere Großprojekte benötigt. Man denke an Straßen, den gewaltigen Platzbedarf für die vielen Windenergieanlagen, die noch gebaut werden sollen, den Netzausbau u v.m. Wie stellt sich das die Bundesregierung eigentlich für die Zukunft vor. Man kann nicht alles mit Beton versiegeln. Die Natur ist auch noch da und hat ebenfalls ihre Bedürfnisse.
Nonvaio01 08.04.2019
2. es wird zeit das D sich den anderen anschliesst
in allen Laendern wird wohnen teurer, wird Zeit das es das auch in D wird. In D ist ja lles bestens, rekord einnahmen, die wenigsten arbeitslosen seit jahren, jeder verdient massenhaft Geld, alles kein problem. Deutschland geht es gut, sogar so gut das alle das deutsche model in Europa kopieren sollen.
RDetzer 08.04.2019
3. Noch ist das Rennen
offen. Die Bundesregierung signalisiert, 500k Wohnungen pro Jahr. Die garantierte Zuwachsrate zum Beispiel aus Ländern in Afrika, Osteuropa, Naher Osten, Asien und Südamerika liegt derzeit bei 160k pro Jahr. Wir haben ein Sättigungsdefizit von 340k Wohnungen pro Jahr, vorausgesetzt die Deutschen merken das nicht.
hol 08.04.2019
4. wie viele Mietwohnungen?
Wie viele der genehmigten Wohnungen werden wohl Mietwohnungen sein? Im Angesicht von Mietpreisbremse, Verschärfung der Mietpreisbremse, Kappungsgrenze für Modernisierungen und Diskussionen über Enteignungen ("mit welchem Recht hat jemand mehr als 20 Wohnungen" K.Kühnert) vermutlich eher wenige. Auch die Diskussion über den zu Recht als großes bundesweites Vorbild gepriesenen Berliner Vorstoß eines landesweiten Mietendeckels hilft der Investitionsneigung wohl nicht wirklich auf die Sprünge. Und spätestens wenn der Investor einen Blick in den Mietspiegel riskiert, zwecks Vergleich der angeblich ortsüblichen, "fairen" Miete mit den Baukosten seiner neuen Wohnung , dürfte er zumindest in Berlin von seiner Investitionswut geheilt sein.
j.malle 08.04.2019
5. Wer soll den die Häuser bauen?
Eine Baugenehmigung braucht man ja auch erst, wenn man Jemanden hat der es auch baut. Die Bauwirtschaft ist jetzt schon ausgelastet. Neue Fachkräfte wachsen auch nicht an Bäumen. Weit über 20 Jahren waren Bauberufe immer unattraktiver geworden. Schlecht Bezahlt und die Arbeitsbedingungen wurden auch immer mieser. Das wandelt sich jetzt erst. Aber Nachwuchs zu finden wird immer schwerer. Migranten schließen die Lücke nicht. Erst heute habe ich im Radio gehört. Das der Breitbandausbau stockt, weil der Tiefbau keine Kapazitäten mehr hat. Tiefbau braucht man auch beim Wohnungsbau. Es war halt ein Fehler kommunale Wohnungen zu privatisieren und den Sozialen Wohnungsbau auf Null zu fahren.
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