Vergleich der Millionenmetropolen Beim Wohnungsbau liegt Hamburg deutlich vor Berlin

Berlin hat bei der Wohnungspolitik versagt, Hamburg vieles richtig gemacht: Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Immobilienbranche. Dem Mietendeckel stellen die Lobbyisten ein vernichtendes Urteil aus.
Wohnhäuser in Hamburg

Wohnhäuser in Hamburg

Foto: Ralf Gosch / Shotshop / imago images

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Im direkten Vergleich der Millionenmetropolen hat Hamburg im vergangenen Jahrzehnt eine deutlich bessere Wohnungspolitik gemacht als Berlin. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Forschungsunternehmens F+B, das der Lobbyverband Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) in Auftrag gegeben hat und das dem SPIEGEL vorliegt.

Während Berlin über Jahre hinweg zu wenig baute und mit dem Mietendeckel Vertragsunsicherheit für Investoren und Mieter schuf, profitierte Hamburg der Studie zufolge von seiner Wohnungspolitik. So wies die Hansestadt gegenüber der Hauptstadt einen deutlich steileren Anstieg des Wohnungsbestands auf – und das, obwohl Berlin nach Einwohnern schneller wuchs.

Beim sozialen Wohnungsbau liege die Bauleistung in Berlin immer noch um rund 50 Prozent unter der von Hamburg. Berlin unternehme aber inzwischen »anerkennenswerte Anstrengungen gegenzusteuern«.

2019 verzeichnete Berlin eine Fertigstellungsquote von 4,6 Wohnungen je 1000 Einwohner und liegt damit nur noch knapp unter der Hamburger Quote von 4,9 Wohnungen je 1000 Einwohner.

Vom Mietendeckel profitierten besonders Besserverdienende

Als ein zentraler Erfolgsfaktor in Hamburg gilt ein 2011 geschlossenes Bündnis zwischen der Stadt und den Verbänden der Wohnungswirtschaft. Die Stadt verpflichtete sich zu Förderung und schneller Genehmigung, die Wohnungswirtschaft erkannte das Ziel an, einen großen Teil als geförderten Wohnungsbau entstehen zu lassen.

Im Gegensatz dazu entschied sich die Landespolitik in Berlin für eine starke Regulierung, um den drastisch steigenden Mieten in der Hauptstadt Herr zu werden. Dem Berliner Mietendeckel, der einen Mietenstopp vorsah und jüngst vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, stellt die Studie der Immobilienwirtschaft erwartungsgemäß ein vernichtendes Zeugnis aus. Zwar seien Mieten gesunken, aber häufig profitierten Besserverdienende, zudem habe das Wohnungsangebot erheblich abgenommen. Besonders betroffen waren jene, die eine neue Wohnung suchten.

In dem Gutachten wird zudem eine Studie des IW Köln aufgegriffen und vermutet, dass die Modernisierung von Wohnungen reduziert und die Instandsetzung vernachlässigt wurden. Laut ZIA könne der Mietendeckel damit nicht nur die Klimaschutzpläne gefährden, sondern führe auch zu einem qualitativ deutlich schlechteren Wohnungsangebot.

Aus dem Vergleich beider Länder müssten nun die richtigen Lehren gezogen werden. »Statt Verbote, Deckel und Bremsen brauchen wir Förderung, Anreize und Dialog«, sagte ZIA-Hauptgeschäftsführer Oliver Wittke, der als Lobbyist der Immobilienbranche ein Interesse daran hat, dass mehr Wohnungen gebaut werden.

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