Schätzung für 2017 Hunderttausende ohne eigene Wohnung

Mehr als eine halbe Million Menschen hatten einer neuen Schätzung zufolge im Verlauf des Jahres 2017 keinen festen Ort zum Leben. Eine Gruppe ist besonders betroffen.

Obdachloser unter einer Eisenbahnunterführung in Hannover (Archiv)
Hauke-Christian Dittrich / DPA

Obdachloser unter einer Eisenbahnunterführung in Hannover (Archiv)


In Deutschland leben Hunderttausende Menschen ohne eigenen Wohnraum. 2017 seien insgesamt 650.000 Menschen vorübergehend oder dauerhaft wohnungslos gewesen, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) auf Grundlage einer neuen Hochrechnung mit.

Wohnungslos zu sein bedeutet, keinen vertraglich abgesicherten Wohnraum zu haben - aber nicht automatisch, auf der Straße zu leben. Unter den Wohnungslosen waren den Zahlen zufolge 375.000 anerkannte Asylsuchende sowie weitere rund 275.000 Betroffene, die unter anderem in Einrichtungen der Kommunen und von Hilfsorganisationen untergekommen waren.

Laut BAGW erfasst die Schätzung all jene Menschen, die innerhalb eines Jahres einmal wohnungslos waren - wenn auch nur vorübergehend. Die Gesamtzahl der Wohnungslosen ist deshalb deutlich höher als die Zahlen zu bestimmten Stichtagen. So schätzt die Arbeitsgemeinschaft, dass es zum 30. Juni 2017 insgesamt rund 440.000 Menschen ohne Wohnung gegeben habe, davon 287.000 anerkannte Flüchtlinge und rund 153.000 Wohnungslose, die von Einrichtungen der Kommunen und freien Trägern unterstützt worden seien. Eigene frühere Schätzungen seien mangels aussagekräftiger Daten veraltet.

Etwa 48.000 Menschen sind der Schätzung zufolge von Obdachlosigkeit betroffen gewesen. Darunter seien schwerpunktmäßig Menschen aus anderen EU-Staaten, teilte die BAGW mit, vor allem aus Osteuropa. "Benötigt werden pro Jahr 80.000 bis 100.000 neue Sozialwohnungen und weitere 100.000 bezahlbare Wohnungen", forderte die Arbeitsgemeinschaft.

Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wurden 2018 bundesweit 287.000 Wohnungen fertiggestellt. Allerdings gebe es in großen Städten einen gravierenden Wohnungsmangel, in kleineren Städten und auf dem Land dagegen Leerstände und ein Überangebot.

kko/dpa



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