S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Lasst die Banken endlich wieder arbeiten!

Der Skandal um manipulierte Bankenzinsen lässt den Ruf nach schärferer Regulierung laut werden. Doch statt die Finanzinstitute weiter zu schwächen, sollte die Politik sie nun stärken - sonst droht großer Schaden für die gesamte Volkswirtschaft.

Ex-Chef: Bob Diamond vor dem Bankenskandal bei Barclays
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Ex-Chef: Bob Diamond vor dem Bankenskandal bei Barclays

Eine Kolumne von


"Es gab eine Zeit der Buße und der Reue; diese Zeit ist jetzt vorbei." Bob Diamond, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Barclays Bank.

Was sich da in Großbritannien bei Barclays in den letzten Wochen abspielte, war wahrscheinlich der größte Bankenskandal aller Zeiten. Es gibt kaum jemanden, der das Zeitalter des Übermaßes so deutlich verkörpert wie Barclays Ex-Chef Bob Diamond - mit dem Ruf eines Gordon-Gekko aus dem Hollywood-Film "Wall Street". Das Entsetzen über diese Bank und diesen Mann ist nur verständlich, und auch die Versuchung, dass man die Banken mit dem Hammer zurückschlägt, mit dem Skalpell verkleinert oder sich andere fiese Repressalien ausdenkt.

Bei Barclays und bei einer Reihe anderer Banken wurde ein halboffizieller Zinssatz manipuliert - der sogenannte Libor - über den sich Banken untereinander Geld leihen. Dass so ein wichtiger Zinssatz überhaupt unreguliert von Banken selbst gesetzt wird, ist an sich schon ein Skandal. Barclays hat den Zinssatz bewusst gedrückt und somit seine Bilanz frisiert. Bob Diamond und sein Chefaufseher mussten gehen, und im britischen Parlament läuft gerade eine Untersuchung, um zu klären, wer wovon wann etwas gewusst hat.

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen im Bankensystem, die noch zu reparieren sind. Aber trotz aller völlig verständlichen Wut muss ich Diamond in einem Punkt recht geben. Das obige Zitat ist - wie alle Zitate - aus dem Kontext gerissen. Danach sagte Diamond nämlich: "Wir müssen sicherstellen, dass unsere Banken wieder bereit sind, Risiken aufzunehmen und mit dem Privatsektor zusammenzuarbeiten, um Arbeitsplätze zu schaffen und das Wachstum zu stärken." Da hat er völlig recht.

Die Banken brauchen mehr Selbstvertrauen

Mit anderen Worten: Das öffentliche Interesse besteht nicht darin, Banken wie Barclays zu schwächen, sondern sie zu stärken. Unser Problem heute sind nicht mehr arrogante Banker wie Diamond, sondern solche, die sich wegducken. Die Banken sind dermaßen risikoscheu geworden, dass sie jetzt in vielen Ländern die Rezession verstärken. Das ist aus ihrer Sicht durchaus rational. Wenn Banken in Schwierigkeiten geraten, lösen sie ihr Problem auf Kosten der gesamten Volkswirtschaft insgesamt, indem sie alte Kredite zurückfordern und bei neuen Krediten bremsen. So reduzieren sie ihre Bilanzsumme und die ausgewiesenen Risiken. Auf Dauer führt das zu einer Kreditklemme in der Wirtschaft.

Es gibt ein öffentliches Interesse daran, den Banken diesen Weg zu verstellen. Stattdessen sollte man sie zwingen, ihr Kapital zu erhöhen, um die nötige Anpassung zu erreichen.

Was wir von den Banken verlangen sollen, ist nicht Reue, sondern stärkeres Selbstvertrauen. Das kommt aber nicht dadurch, dass man an die Banken appelliert, sondern dass man sie zu ihrem, beziehungsweise zu unserem Glück zwingt. Das öffentliche Interesse verlangt nicht nach großen Banken, sondern stark kapitalisierte Banken. Und da haben wir gerade auch in Deutschland ein Problem. Ein Problem, das in den letzten Jahren durch die boomende Konjunktur verdeckt wurde.

Ich bin sicherlich kein Fan der bisherigen Krisenpolitik der Regierungen. Aber der seit 2007 stetig andauernde Prozess der verstärkten Bankenregulierung war nicht das schlechteste Element der Wirtschaftspolitik. Diese zweifelhafte Auszeichnung geht vielmehr an diejenigen, die die Rettung des Euro-Raums hinauszögern. Man wird auch bei den Banken noch mehr unternehmen müssen. Die Geldmärkte wird man stärker regulieren müssen, und ich erwarte auch, dass exzessive Bankgehälter entsprechend besteuert werden. Im Finanzsektor hat man sich seit Mitte der achtziger Jahre dumm und dusselig verdient. Das nimmt jetzt ein Ende, auch dank der Exzesse von Leuten wie Diamond.

Eine gewisse Risikobereitschaft sollte gefördert werden

Die Finanztransaktionsteuer, ein ewiges Lieblingsthema der linken Politiker, eignet sich für überhaupt nichts. Zunächst werden da nicht die Banken besteuert, sondern deren Kunden. Und zum anderen verschärft man das Problem der Risikoaversion, in dem man Transaktionen besteuert. Wir bräuchten jetzt eher eine staatliche Transaktionssubvention.

Wenn ich von Risiken rede, dann meine ich nicht die Risiken des letzten Jahrzehnts, als man offensichtlich faule Hypotheken in hochglänzende Produkte verwandelte, die man dann auf dem Markt mit großem Gewinn verscherbelte. Ich rede hier von der normalen Risikobereitschaft von Bankiers und Unternehmern, die eine gesunde Volkswirtschaft benötigt. Davon sind wir noch weit entfernt.

Barclays hat eine Strafe von 290 Millionen Dollar an die amerikanischen Aufsichtsbehörden gezahlt, um sich aus der Libor-Affäre zu befreien. Man hört aus den USA, dass noch andere Banken unter Verdacht stehen. Auch kontinentaleuropäische Institute sind dabei. Die Affäre ist also noch längst nicht ausgestanden.

Wir sollten aber die Prioritäten nicht aus den Augen verlieren. Die Priorität sollte darin besteht, dass man den Banken nicht die Gelegenheit gibt und sie erst recht nicht ermuntert, sich auf Kosten der Gesellschaft gesundzuschrumpfen. Die Politik hat das Recht und die Pflicht, die Banken zu rekapitalisieren. Und den Rentner Bob Diamond sollte man am besten ignorieren.

insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
smartphone 11.07.2012
1. Gesunde Volkswirtschaft
Die Banken haben gezeigt , wie sie arbeiten - es ändert sich nix .. Da ist nix schönzureden. Einfaches Beispiel : wenn Spanien 7% Zins zahlen soll und dies mit "astronomisch" einschätzt wird in manch Pressekommentar, was ist dann ein Dispozins von 11 oder 15 oder zT 17,5 % Diese Art von "lukrative" Einnahme sollte zuerst mal auf max 5% im Höchstsatz runtergefahren werden , Das ist immer noch weit weit weg von den
franko_potente 11.07.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSDer Skandal um manipulierte Bankenzinsen lässt den Ruf nach schärferer Regulierung laut werden. Doch statt die Finanzinstitute weiter zu schwächen, sollte die Politik sie nun stärken - sonst droht großer Schaden für die gesamte Volkswirtschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843848,00.html
SIe haben den Kern des Problems nicht verstanden, oder wollen ihn absichtlich nciht verstehen, bzw kleinreden. DIe politik kann die Banken nicht stärken, da die Politik fest in der Hand der Banken ist. Umgedreht wird ein nachhaltiger Schuh draus. Zerschlagung der Großbanken, Geldschöpfung in Staatshand usw usw. Dei USA haben nciht mal eie eigene Währung und Sie willen den Banlensektro stärken durch mehr Eigenkapital? Wissen Sie was dann passiert? Ja, Sie wissen es.
No_Name 11.07.2012
3. -
Unglaublicher Schwachsinn. Wenn ich nem Junkie das Heroien absetzte, bekommt der nen Turkey. Kein Grund, ihn weiter mit Heroin zu versorgen. Genau das machen wir gerade: Wir pulvern Milliarden in Junkies, die das ganze Systen gefähreden.
axelwgerman 11.07.2012
4. hahaha, zu Kaiser's Zeiten nannte man Leute wie Sie Loyalists
Zitat von sysopREUTERSDer Skandal um manipulierte Bankenzinsen lässt den Ruf nach schärferer Regulierung laut werden. Doch statt die Finanzinstitute weiter zu schwächen, sollte die Politik sie nun stärken - sonst droht großer Schaden für die gesamte Volkswirtschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843848,00.html
lynx2 11.07.2012
5. Ruhig arbeiten, aha!
Zitat von sysopREUTERSDer Skandal um manipulierte Bankenzinsen lässt den Ruf nach schärferer Regulierung laut werden. Doch statt die Finanzinstitute weiter zu schwächen, sollte die Politik sie nun stärken - sonst droht großer Schaden für die gesamte Volkswirtschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843848,00.html
D.h.: Bitte nicht stören, wir machen gerade Profit. Daß die überhaupt arbeiten, habe ich immer bezweifelt. Provisionen zocken und Spekulationsgewinne kassieren. Was hat das mit Arbeit zu tun? Hat man früher Wegelagerer und Banditen als arbeitendes Volk bezeichnet?
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