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Internetnutzer Schäuble: Der Minister und das Netz

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpa

Wolfgang Schäuble im Interview "Ich lerne ja auch kein Chinesisch mehr"

Wolfgang Schäuble und das Internet: Das war nicht immer die beste Beziehung. Dennoch - oder gerade deshalb - hielt der Bundesfinanzminister die Rede zum Jubiläum von SPIEGEL ONLINE. Vorher sprach er über sein Surf-Verhalten im Netz.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schäuble, haben Sie ihre Steuererklärung schon mal online gemacht?

Schäuble: Na klar, die mache ich mit Elster. Aber das ist ja nun wirklich harmlos.

SPIEGEL ONLINE: Na immerhin! Und sonst: Sind sie viel online?

Schäuble: Nein. Auf sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook bin ich selbst gar nicht aktiv.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehr ärgert es Sie, dass sich politische Themen durchs Internet viel schneller verbreiten als früher?

Schäuble: Dass das Internet sehr vieles verändert, begreift inzwischen jeder. Wirtschaft, Politik, Gesellschaft - alles wandelt sich unglaublich. In Berlin haben manche Leute schon kein Auto mehr, sondern eine App, mit der sie sich eines rufen. Als ich mich vor einigen Jahren als Innenminister mit Cyberkrieg beschäftigt habe, haben mich viele noch für verrückt erklärt.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden damals für Vorhaben wie die Onlinedurchsuchung oder Vorratsdatenspeicherung von Internetaktivisten scharf kritisiert. Verstehen Sie deren Bedenken nach dem NSA-Skandal besser?

Schäuble: Ja, klar. Ich sag den Amerikanern immer: Wir müssen ernsthaft überlegen, wie wir Menschenrechte im Lichte dieser technologischen Errungenschaften definieren wollen. Dennoch empfinde ich die Amerikaner nicht als die größte Bedrohung der Sicherheit in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch Dinge, über die ein Finanzminister im Internet lacht? Katzenvideos vielleicht oder AfD-Parodien?

Schäuble: Da ich über die Software des Finanzministeriums ins Internet gehe, bin ich durch elektronische Filter vor vielem bewahrt. Gelegentlich machen mich meine Kinder auf etwas aufmerksam. Aber ich vermisse gar nichts.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt ziemlich skeptisch.

Schäuble: Ich glaube schon, dass der technologische Wandel auch eine Gefahr sein kann. Etwa, wenn junge Menschen keine Bücher mehr lesen, sondern nur noch Kurznachrichten.

SPIEGEL ONLINE: Früher war also alles besser?

Schäuble: Ganz und gar nicht. An dem Tag, an dem ich früher alles besser fand, holt mich hoffentlich irgendjemand aus der Politik raus. Als Politiker geht es mir immer um die Gegenwart und die Zukunft. Natürlich nutze ich die Internettechnologie auch, zum Beispiel um Akten auf meinem Tablet zu lesen. Aber wozu soll ich mich sonst noch umstellen? Ich bin über 70, ich lerne ja auch kein Chinesisch mehr.