SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

20. Oktober 2013, 16:53 Uhr

BER

Wowereit will offenbar wieder Chefposten beim Pannenflughafen

Klaus Wowereit strebt nach SPIEGEL-Informationen offenbar zurück an die Spitze des Aufsichtsrats bei der Berliner Flughafengesellschaft. Von diesem Posten war er Anfang des Jahres zurückgetreten. Laut ZDF wird der Berliner Pannenflughafen noch einmal deutlich teurer als geplant. 

Berlin - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will offenbar wieder dauerhafter Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft werden. Er hatte den Chefposten erst Anfang des Jahres an den damaligen Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) abgegeben, nachdem die Eröffnung des pannengeplagten Hauptstadt-Airports BER auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Seit Platzecks Rückzug aus der Politik im Sommer leitet Wowereit das BER-Kontrollgremium kommissarisch bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden. Doch nach SPIEGEL-Informationen will es Wowereit nicht bei der kommissarischen Leitung belassen - er möchte offenbar dauerhaft zurück an die Spitze des Gremiums und sich erneut zum Aufsichtsratschef wählen lassen.

Ursprünglich sollte der Chefposten auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch neu vergeben werden. Doch weil sich Wowereit der Unterstützung der rot-roten Landesregierung von Brandenburg, die das Vorschlagsrecht besitzt, nicht sicher ist, hatte er Ende voriger Woche den Tagesordnungspunkt gestrichen. Der Berliner Justizsenator und frühere Internetunternehmer Thomas Heilmann (CDU) wäre ebenfalls an dem Posten interessiert, heißt es in Senatskreisen.

Nun soll die Wahl im Dezember erfolgen, nachdem die Koalitionsverhandlungen im Bund zwischen der Union und der SPD voraussichtlich abgeschlossen sein sollen. Danach könnten die Sozialdemokraten als Regierungspartei im Bund auch Einfluss auf die Vertreter des Bundes im Flughafen-Aufsichtsrat ausüben – damit dürften Wowereits Chancen steigen.

Viel Grund zur Freude wird Wowereit auf seinem neuen alten Posten voraussichtlich nicht haben. Nach Informationen des ZDF drohen beim pannenträchtigen Berliner Flughafen-Neubau weitere drastische Kostensteigerungen.

BER-Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider bestätigte gegenüber dem ZDF, dass der zuletzt gesetzte Kostenrahmen von 4,3 Milliarden Euro nicht mehr zu halten ist und schließt nicht aus, dass die 5-Milliarden-Euro-Marke überschritten wird: "Es wird teurer als ursprünglich geplant, ob die 5 Milliarden real sind oder nicht, das vermag ich nicht zu sagen. Das bedaure ich sehr", sagte Bretschneider in einem Interview für die Sendung WISO.

Bei der letzten Verschiebung eines Eröffnungstermins hatte der BER Aufsichtsrat den Kostenrahmen für den Hauptstadtflughafen um 1,2 Milliarden Euro auf insgesamt 4,3 Milliarden Euro erhöht. Doch mehrere Gründe führten jetzt erneut zu massiven Kostenüberschreitungen. "Es ist eine Mischung von allem", so Bretschneider, "Der Posten für den Schallschutz ist grösser geworden; das Terminal wurde grösser gebaut, weil wir mehr Kapazitäten brauchen; und der Apparat läuft eine ganze Zeit, kostet jeden Monat, das ist misslich. Und das wird so weiter gehen bis zum Eröffnungstermin. Das muss man nicht weg reden."

Beim ersten Spatenstich 2006 war man noch von Gesamtkosten in Höhe von zwei Milliarden Euro plus Zinsen für den neuen Großflughafen ausgegangen.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung