Varoufakis' Haushaltsschwur "Nie wieder Defizit! Nie, nie, nie"

Griechenlands neuer Finanzminister Varoufakis verspricht: Ab jetzt soll Athens Haushalt stets ausgeglichen sein. Nur die Zinsen, die der Staat für seine Schulden zahlt, will er herausrechnen. Für die Rettung des Landes fordert er einen  "Merkel-Plan".


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.

Athen/Frankfurt am Main - Der neue griechische Finanzminister Giannis Varoufakis ist sich sicher: "Griechenland wird - abzüglich der Zinsausgaben - nie wieder ein Haushaltsdefizit vorlegen. Nie, nie, nie!" Das sagte der 53-Jährige der "Zeit".

Im vergangenen Dezember hatte das griechische Parlament, damals noch unter Premier Antonis Samaras, dem Vorgänger von Alexis Tsipras, den angeblich ersten ausgeglichenen Haushalt seit Jahrzehnten vorgelegt. Zahlreiche Ökonomen kritisierten die Zahlen allerdings - unter anderem, weil Griechenland die Zinsleistungen und die Kosten der Bankenrestrukturierung aus den Berechnungen herausgenommen hatte.

Die neue griechische Regierung aus Linken und Rechtspopulisten bemüht sich derzeit, Schuldenlast und Sparauflagen zu reduzieren. Am Mittwoch trifft Tsipras in Brüssel unter anderem mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Nach dem Gespräch mit Schulz zeigte sich Tsipras zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg, eine praktikable Einigung zu finden", sagte er.

"Fruchtbare Gespräche" mit EZB-Chef Draghi

Finanzminister Varoufakis war zu Gast bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main und sprach mit Präsident Mario Draghi. Bereits vor dem Treffen hatte Varoufakis gesagt: "Die Europäische Zentralbank sollte unsere Banken stützen, damit wir uns mithilfe kurzfristiger Staatsanleihen über Wasser halten können." Nach seinem Gespräch mit EZB-Chef Draghi sagte er, es habe "fruchtbare Gespräche" gegeben. Er fühle sich dadurch "ermutigt".

Varoufakis forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu auf, in der europäischen Schuldenkrise Führung und Verantwortung zu zeigen. Er wünsche sich einen "Merkel-Plan" nach dem Vorbild des Marshallplans der USA für den Wiederaufbau Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg, sagte er. Damals hätten die USA Deutschland den größten Teil der Schulden erlassen. Heute sei die Bundesrepublik "das mächtigste Land Europas" und müsse "Verantwortung übernehmen für andere".

Varoufakis zeigte Verständnis dafür, dass Deutschland einen Schuldenschnitt ablehnt. "Ich verstehe, dass es Begriffe gibt, die in bestimmten Ländern diskreditiert sind, aber wir können die Schuldenlast auch senken, ohne die Höhe der Schulden selbst anzutasten", sagte er der "Zeit".

Zusammengefasst: Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis verspricht, nie wieder einen negativen Haushalt vorzulegen - und fordert dafür die Unterstützung Deutschlands .

Das SPIEGEL-ONLINE-Wirtschaftsressort testet für eine Woche den "Zusammengefasst"-Absatz. Kritik, Feedback, Anregungen? Bitte hier.

bka/ssu/AFP/dpa/Reuters



insgesamt 151 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
politik-nein-danke 04.02.2015
1. Ohne Zinsen würden fast alle
Europäischen Staaten ausgeglichene Haushalte vorlegen können. Ohne Zinsen für die Haushaltssünden der Vergangenheit könnte sich Deutschland gigantische Wohlstandsprogramme leisten und trotzdem die Infradtruktur instand halten. Warum sollen die Griechen weiter für ihr Verhalten belohnt werden und im Rest von Europa wo effiziente Verwaltungen arbeiten, da wird das Volk geknechtet um die Zinsen bezahlen zu können....
mützelpütz 04.02.2015
2.
Für wie blöd halten die uns Steuerzahler eigentlich. Merkel wird sich hüten, auf deren Angebote einzugehen, sie hat sichließlich die Afd im Nacken. Wieso hatte er "fruchtbare" Gespräche mit EZB Draghi, wenn im vorhergehenden Artikel geschireben steht, daß die EZB die griechischen Pläne durchkreuzte. Wieso soll unsere BK "Führung und Verantwortung" übernehmen? Diese beiden GR sollen einen detaillierten zustimmungsfähigen Plan vorlegen. Ansonsten sollen sie ihr loses Mundwerk im Zaum halten. Mit seinem Ausspruch "........... D wird immer zahlen" hat er uns Deutsche verärgert und die Bundesregierung auf der ganzen Welt bloßgestellt.
tillmatic 04.02.2015
3. verblendet
Die Banken wurden doch schon gerettet...und jetzt wieder? Auch der Vergleich mit dem Marshall-Plan hinkt. Aber viel interessanter ist die Frage wie Griechenland ausreichend Einnahmen generieren will.
ricson 04.02.2015
4.
Es ist wie immer, willst du nen ordentlichen Haushalt brauchst du eine Linke Partei. Konservative behaupten zwar gerne das sie sich für solide Finanzen interessieren, die Realität zeigt dann aber immer das Gegenteil. Weltweit sind Konservative immer für den größten Berg der Staatsschulden verantwortlich. mit nimm es den Armen und gib es steuerfrei an die Reichen ist kein solider Haushalt machbar.
shooop 04.02.2015
5. Meinen Segen hat er
Wir sitzen alle in einem Boot. Und wenn es in Europa dazu kommt, dass ein Staat nichts mehr zu verlieren hat, dann haben wir alle schlechte Karten. Die finanzielle Betrachtung der Krise ist das eine. Aber der Mensch an sich ist kein finanzielles Wesen sondern ein biologisches, ein soziales und in deren Konsequenz ein politisches. Und wenn das Leid zu groß wird, dann ist unser politisches und soziales System in Gefahr. Gott sei Dank scheint gerade in Umdenken stattzufinden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.