Furcht vor Währungskrieg zwischen China und den USA Das riskante Yuan-Manöver

Bislang wurde der Streit zwischen den USA und China mit Zöllen ausgetragen, nun greift China mit der Abwertung seiner Währung zu einer anderen Waffe: Weitet Peking die Kampfzone aus? Und was sind die Folgen?

Paul Yeung/Bloomberg via Getty Images

Eine Analyse von


Die Abwertung der chinesischen Währung Yuan hat ein Beben ausgelöst, sowohl in der Finanzwelt als auch in der Politik. Larry Summers kennt sich in beiden Sphären aus: Der Wirtschaftsprofessor hat für die US-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama gearbeitet. Seine Lageeinschätzung ist dramatisch: Die Welt stehe womöglich gerade am "gefährlichsten Punkt seit der Finanzkrise 2009".

Summers steht mit dieser Sicht nicht allein. Was Anfang 2018 als Handelsstreit begonnen hat, droht nun zu einem Währungskrieg zu eskalieren. Peking hat - nachdem Donald Trump weitere Strafzölle auf chinesische Produkte angekündigt hatte - am Montag eine Abwertung des Yuan zum Dollar erlaubt.

Das sei als Vergeltung für Trumps Zolldrohung "auf einer Skala von 1 bis 10 die 11", sagt Chris Krueger von der US-Investmentbank Cowen. "Womöglich werden wir Zeugen vom Ende der Globalisierung", warnt Neil Shearing, Chefökonom des Analysehauses Capital Economics. Die Börsen-Notierungen in den USA rauschten am Montag fast drei Prozent in die Tiefe - aus Angst vor einem Währungskrieg, einem Abwertungswettlauf der großen Weltwährungen.

Kleines Muskelspiel, große Wirkung

Dabei ist der Schrecken viel größer als die tatsächliche Bewegung des Yuan. Die chinesische Währung verlor nämlich genau genommen gerade einmal etwa zwei Prozent an Wert zum Dollar. Gleichzeitig durchbrach sie aber die bedeutsame Schwelle von 7 Yuan für einen Dollar. Die chinesische Zentralbank hatte in den vergangenen Jahren stets darauf geachtet, diese Marke nicht zu überschreiten.

Der Schritt hat deshalb so große Wirkung entfaltet, weil alle Experten ihn so verstehen, wie China ihn auch gemeint hat: Als klaren Warnschuss an die Adresse der USA im Handelsstreit, allen voran US-Präsident Trump.

Mehr als eineinhalb Jahre dauert der Konflikt zwischen Washington und Peking nun schon an. Dieses Ringen glich in den vergangenen Monaten immer mehr einem verfahrenen Stellungskrieg: Beide Seiten haben sich tief eingegraben, mal gibt es Gespräche, aber nie entscheidende Geländegewinne für eine Seite. Und immer mal wieder wurden eben auch Salven ausgetauscht. Die Geschosse in diesen Gefechten waren Zölle.

Bis jetzt: China hat mit dem Yuan-Manöver nun nicht nur die Munition gewechselt, sondern gleich das ganze Waffensystem. "Jetzt wird deutlich, dass der Handelskrieg nicht nur auf den Handel begrenzt bleibt", warnt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Ing Bank. China tue nun genau das, wovor viele seit Monaten gewarnt hätten: "Es setzt andere Instrumente ein und lässt damit ganz kurz, aber kräftig die Muskeln spielen."

Peking will keine Panik an den Märkten

Die bislang vor allem in Handelsfragen ausgetragene Konfrontation könnte so aus dem Ruder laufen. Zollkonflikte gelten zwar als extrem schädlich, aber auch als relativ gut beherrschbar. Das hat auch mit ihrer gut nachvollziehbaren Arithmetik zu tun: Wenn ein Land Zölle gegen ein anderes erhebt, lassen sich Schäden und Gewinne auf beiden Seiten berechnen. Das ist der Grund, warum die Welthandelsorganisation WTO ihren Mitgliedern in solchen Fällen mitunter Vergeltungszölle genehmigt - aber nur gegen das konkrete Land und nur so weit, dass sie den ursprünglichen Schaden nicht übersteigen.

Der Einsatz der Währung hat massivere Folgen, ist aber auch deutlich ungenauer. Eine Abwertung trifft nie nur ein Land, sondern alle Handelspartner. Um im Bild zu bleiben: Im derzeit tobenden Wirtschaftskrieg verhält sich eine Währungsabwertung zu den bisherigen Zoll-Scharmützeln in etwa so, wie der plötzliche Einsatz einer Kanone in einer Schießerei mit Gewehren.

Trumps Traum von der Wiederwahl als Risiko?

Erschwert wird die Situation durch den Druck, unter dem beide Seiten stehen: Trump träumt von der Wiederwahl 2020 und will sich China gegenüber unnachgiebig zeigen - auch um sich von Joe Biden abzugrenzen, der für die Demokraten kandidieren will.

Trump hat seinen Wählern auch versprochen, das Wachstum der US-Wirtschaft auf langfristig mehr als drei Prozent zu treiben. 2018 wurde dieser Wert fast erreicht, allerdings sind die Aussichten auch in den USA inzwischen schlechter. Trump hat sich deshalb mit der Federal Reserve angelegt: Er fordert Zinssenkungen von der Zentralbank, um das Wachstum zu stützen.

Die Yuan-Abwertung hat der US-Präsident genutzt, um seinem Wunsch erneut Nachdruck zu verleihen, natürlich via Twitter.

Auf der anderen Seite muss sich Chinas Staatspräsident Xi Jinping zwar keiner Wiederwahl stellen. Er steht aber ebenfalls seit Wochen unter Druck, weil Kreise innerhalb der chinesischen Führung wegen der US-Strafen gegen den Huawei-Konzern ein härteres Vorgehen gegen Washington erwarten, wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet.

Dabei ist die Yuan-Abwertung für China nicht ohne Risiko. Zwar würde sich Peking damit Handelsvorteile durch im Schnitt günstigere Exporte erkaufen. Dafür würde allerdings auch ein Preis fällig. Zu zahlen hätten den beispielsweise Chinas Verbraucher, weil Einfuhren in das Land teurer würden, Nahrungsmittel etwa, Energie, aber auch Maschinen. Auch problematisch: Der Schuldenstand vieler chinesischer Konzerne ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Viele haben Dollar-Darlehen aufgenommen - und könnten bei einer Yuan-Abwertung Gefahr laufen, ihre Kredite nicht mehr bedienen zu können.

Droht eine Kettenreaktion?

Am Dienstag meldete sich Chinas Zentralbankchef Yi Gang zu Wort - und tat so, als könne er die Aufregung an den Finanzmärkten gar nicht nachvollziehen. Er sei ganz "zuversichtlich, dass der Yuan eine starke Währung bleibt trotz jüngster Fluktuationen und äußerer Unsicherheiten". Da glättet jemand die Wogen, die er am Montag selbst aufgetürmt hatte.

Chinas Handelspartner und Wettbewerber sind dennoch gewarnt: Das Land hat einen unmissverständlichen Einblick in sein Waffenarsenal gegeben. Eine dauerhafte Abwertung könnte chinesischen Firmen helfen, die Belastung durch US-Zölle zu schultern: Wenn der Yuan weniger wert ist, sinken ihre Kosten im internationalen Vergleich.

Das könnte allerdings eine Kettenreaktion in Gang setzen: Vor allem Chinas asiatische Nachbarstaaten beobachten den Vorgang mit Sorge. Sobald Chinas Exporteure durch gezielte Abwertung wettbewerbsfähiger werden, könnten andere Staaten folgen, um ihre eigene Industrie zu schützen.

Darunter würden auch Deutschland und Europa leiden - weil Waren "Made in Germany" und aus der EU außerhalb des Euroraums teurer werden. Anzeichen dafür gibt es bereits: China liegt zwar mit den USA im Clinch - gegenüber dem Euro hat der Yuan jedoch noch stärker abgewertet als zum Dollar.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
Freidenker10 06.08.2019
1.
"Ende der Globalisierung"? Wären ja schöne Aussichten! Einen Aspekt im Handelskrieg übersieht man scheinbar: Sollten die Einfuhrzölle in die USA steigen, wäre die Produktion mancher Güter vielleicht auch für amerikanische Unternehmen wieder interessant, dies würde Jobs in den USA schaffen und China schwächen, da man nichts mehr exportieren könnte. Apple weicht ja schon schrittweise nach Vietnam aus, wobei man bei den Riesengewinnen auch in den USA produzieren könnte. Bei uns hätte es zur Folge endlich den Binnenmarkt zu stärken und Schritt für Schritt vom Exportdogma abzurücken! Für mich wäre eine Abschwächung der Globalisierung kein Horrorszenario, da ich von der Globalisierung auch noch nie den allerkleinsten Vorteil hatte!
Neandiausdemtal 06.08.2019
2. Besser wäre....
.....die EU, China, Russland Venezuela und andere verständigen sich darauf Öl und Energie überhaupt in Zukunft in Yuan, Euro oder Rubel zu bezahlen. Ist der Petrodollar erst tot, erledigt die US-Verschuldung den Rest. Einziges Risiko, die Amis drehen durch und fangen einen Weltkrieg an. Wäre mir persönlich aber auch egal, denn anschließend sähe die Welt mittelfristig besser aus.
pmk123 06.08.2019
3.
Für welche Waren und Dienstleistungen aus Deutschland hätte so ein 'Krieg' denn Konsequenzen? Unsere Maschinen und Autos sind Luxusgüter oder nicht woanders zu kaufen, es wird nur etwas teurer und das stört die Kunden nicht so sehr, da sie es sich leisten können. Auf der andere Seite hat ein starker Euro auch viele Vorteile: billigere Energie, Reisen, Waren aus China, vor allem Elektronik, Kleidung etc...
dirkcoe 06.08.2019
4. Trump ist einfach naiv
Er droht, er verhängt Strafzölle in der ganzen Welt, er hat keine echten Verbündeten mehr - spielt sich aber trotzdem auf wie der Weltdiktator. Warum sollte sich das jeder bieten lassen? Ich habe hier schon öffters dafür plädiert, das die EU endlich Rückgrat zeigt und klare Grenzen für Trump zieht. OK, die EU hatte bisher nicht den Mut. Aber China macht deutlich - die Geduld mit Trump ist vorbei. Ich halte das für gut und richtig.
zzipfel 06.08.2019
5. Die Folge könnte auch sein, dass Trump mit gleichen Argumenten
der EZB eine Währungsmanipulation vorwirft (bei 0% Zinsen oder Negativzinsen, Aufkaufprogrammen von faulen Anleihen u.ä. gar nicht mal so aus der Luft gegriffen) und die EZB gewzungen wird, Zinsen zu erhöhen oder erhöhte Zölle zu bezahlen - die Folgen kann man sich ausmalen: Schrumpeln von Aktien- und Immobilienblase mit Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Haushalte der EUR-Staaten. Es sind spannende Zeiten, schaun wir mal.
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