Furcht vor Währungskrieg zwischen China und den USA Das riskante Yuan-Manöver

Bislang wurde der Streit zwischen den USA und China mit Zöllen ausgetragen, nun greift China mit der Abwertung seiner Währung zu einer anderen Waffe: Weitet Peking die Kampfzone aus? Und was sind die Folgen?

Die Abwertung der chinesischen Währung Yuan hat ein Beben ausgelöst, sowohl in der Finanzwelt als auch in der Politik. Larry Summers kennt sich in beiden Sphären aus: Der Wirtschaftsprofessor hat für die US-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama gearbeitet. Seine Lageeinschätzung ist dramatisch: Die Welt stehe womöglich gerade am "gefährlichsten Punkt seit der Finanzkrise 2009".

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Summers steht mit dieser Sicht nicht allein. Was Anfang 2018 als Handelsstreit begonnen hat, droht nun zu einem Währungskrieg zu eskalieren. Peking hat - nachdem Donald Trump weitere Strafzölle auf chinesische Produkte angekündigt hatte - am Montag eine Abwertung des Yuan zum Dollar erlaubt.

Das sei als Vergeltung für Trumps Zolldrohung "auf einer Skala von 1 bis 10 die 11", sagt Chris Krueger von der US-Investmentbank Cowen. "Womöglich werden wir Zeugen vom Ende der Globalisierung", warnt Neil Shearing, Chefökonom des Analysehauses Capital Economics. Die Börsen-Notierungen in den USA rauschten am Montag fast drei Prozent in die Tiefe - aus Angst vor einem Währungskrieg, einem Abwertungswettlauf der großen Weltwährungen.

Kleines Muskelspiel, große Wirkung

Dabei ist der Schrecken viel größer als die tatsächliche Bewegung des Yuan. Die chinesische Währung verlor nämlich genau genommen gerade einmal etwa zwei Prozent an Wert zum Dollar. Gleichzeitig durchbrach sie aber die bedeutsame Schwelle von 7 Yuan für einen Dollar. Die chinesische Zentralbank hatte in den vergangenen Jahren stets darauf geachtet, diese Marke nicht zu überschreiten.

Der Schritt hat deshalb so große Wirkung entfaltet, weil alle Experten ihn so verstehen, wie China ihn auch gemeint hat: Als klaren Warnschuss an die Adresse der USA im Handelsstreit, allen voran US-Präsident Trump.

Mehr als eineinhalb Jahre dauert der Konflikt zwischen Washington und Peking nun schon an. Dieses Ringen glich in den vergangenen Monaten immer mehr einem verfahrenen Stellungskrieg: Beide Seiten haben sich tief eingegraben, mal gibt es Gespräche, aber nie entscheidende Geländegewinne für eine Seite. Und immer mal wieder wurden eben auch Salven ausgetauscht. Die Geschosse in diesen Gefechten waren Zölle.

Bis jetzt: China hat mit dem Yuan-Manöver nun nicht nur die Munition gewechselt, sondern gleich das ganze Waffensystem. "Jetzt wird deutlich, dass der Handelskrieg nicht nur auf den Handel begrenzt bleibt", warnt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Ing Bank. China tue nun genau das, wovor viele seit Monaten gewarnt hätten: "Es setzt andere Instrumente ein und lässt damit ganz kurz, aber kräftig die Muskeln spielen."

Peking will keine Panik an den Märkten

Die bislang vor allem in Handelsfragen ausgetragene Konfrontation könnte so aus dem Ruder laufen. Zollkonflikte gelten zwar als extrem schädlich, aber auch als relativ gut beherrschbar. Das hat auch mit ihrer gut nachvollziehbaren Arithmetik zu tun: Wenn ein Land Zölle gegen ein anderes erhebt, lassen sich Schäden und Gewinne auf beiden Seiten berechnen. Das ist der Grund, warum die Welthandelsorganisation WTO ihren Mitgliedern in solchen Fällen mitunter Vergeltungszölle genehmigt - aber nur gegen das konkrete Land und nur so weit, dass sie den ursprünglichen Schaden nicht übersteigen.

Der Einsatz der Währung hat massivere Folgen, ist aber auch deutlich ungenauer. Eine Abwertung trifft nie nur ein Land, sondern alle Handelspartner. Um im Bild zu bleiben: Im derzeit tobenden Wirtschaftskrieg verhält sich eine Währungsabwertung zu den bisherigen Zoll-Scharmützeln in etwa so, wie der plötzliche Einsatz einer Kanone in einer Schießerei mit Gewehren.

Trumps Traum von der Wiederwahl als Risiko?

Erschwert wird die Situation durch den Druck, unter dem beide Seiten stehen: Trump träumt von der Wiederwahl 2020 und will sich China gegenüber unnachgiebig zeigen - auch um sich von Joe Biden abzugrenzen, der für die Demokraten kandidieren will.

Trump hat seinen Wählern auch versprochen, das Wachstum der US-Wirtschaft auf langfristig mehr als drei Prozent zu treiben. 2018 wurde dieser Wert fast erreicht, allerdings sind die Aussichten auch in den USA inzwischen schlechter. Trump hat sich deshalb mit der Federal Reserve angelegt: Er fordert Zinssenkungen von der Zentralbank, um das Wachstum zu stützen.

Die Yuan-Abwertung hat der US-Präsident genutzt, um seinem Wunsch erneut Nachdruck zu verleihen, natürlich via Twitter.

Auf der anderen Seite muss sich Chinas Staatspräsident Xi Jinping zwar keiner Wiederwahl stellen. Er steht aber ebenfalls seit Wochen unter Druck, weil Kreise innerhalb der chinesischen Führung wegen der US-Strafen gegen den Huawei-Konzern ein härteres Vorgehen gegen Washington erwarten, wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet.

Dabei ist die Yuan-Abwertung für China nicht ohne Risiko. Zwar würde sich Peking damit Handelsvorteile durch im Schnitt günstigere Exporte erkaufen. Dafür würde allerdings auch ein Preis fällig. Zu zahlen hätten den beispielsweise Chinas Verbraucher, weil Einfuhren in das Land teurer würden, Nahrungsmittel etwa, Energie, aber auch Maschinen. Auch problematisch: Der Schuldenstand vieler chinesischer Konzerne ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Viele haben Dollar-Darlehen aufgenommen - und könnten bei einer Yuan-Abwertung Gefahr laufen, ihre Kredite nicht mehr bedienen zu können.

Droht eine Kettenreaktion?

Am Dienstag meldete sich Chinas Zentralbankchef Yi Gang zu Wort - und tat so, als könne er die Aufregung an den Finanzmärkten gar nicht nachvollziehen. Er sei ganz "zuversichtlich, dass der Yuan eine starke Währung bleibt trotz jüngster Fluktuationen und äußerer Unsicherheiten". Da glättet jemand die Wogen, die er am Montag selbst aufgetürmt hatte.

Chinas Handelspartner und Wettbewerber sind dennoch gewarnt: Das Land hat einen unmissverständlichen Einblick in sein Waffenarsenal gegeben. Eine dauerhafte Abwertung könnte chinesischen Firmen helfen, die Belastung durch US-Zölle zu schultern: Wenn der Yuan weniger wert ist, sinken ihre Kosten im internationalen Vergleich.

Das könnte allerdings eine Kettenreaktion in Gang setzen: Vor allem Chinas asiatische Nachbarstaaten beobachten den Vorgang mit Sorge. Sobald Chinas Exporteure durch gezielte Abwertung wettbewerbsfähiger werden, könnten andere Staaten folgen, um ihre eigene Industrie zu schützen.

Darunter würden auch Deutschland und Europa leiden - weil Waren "Made in Germany" und aus der EU außerhalb des Euroraums teurer werden. Anzeichen dafür gibt es bereits: China liegt zwar mit den USA im Clinch - gegenüber dem Euro hat der Yuan jedoch noch stärker abgewertet als zum Dollar.