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05. Oktober 2012, 12:39 Uhr

Arbeitsmarkt

Immer mehr Deutsche brauchen einen Zweitjob

Der Anteil der Beschäftigten mit Minijob hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Dabei sind es laut Arbeitsagentur nicht nur Schlechtbezahlte, die sich etwas dazuverdienen. Zugenommen hat die Zahl vor allem in reichen Ländern wie Baden-Württemberg.

Hamburg - Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland haben zwei Jobs. Im März 2012 gingen 8,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einem Nebenjob mit geringfügiger Entlohnung nach. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Demnach verdienen sich rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer etwas zu ihrer Hauptbeschäftigung dazu. Im Juni 2003 waren es laut Statistik mit rund 1,2 Millionen Beschäftigten nur halb so viele. Das entsprach einem Anteil von 4,3 Prozent.

In den beiden Krisenjahren seit 2010 ist die Zahl der Zuverdiener deutlich gestiegen - um 135.000. Dabei sind es in der Mehrheit Frauen, die noch einen zweiten Job auf 400-Euro-Basis angenommen haben. Ende 2011 waren es rund 1,5 Millionen. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, sagte der "Saarbrücker Zeitung", die Entwicklung sei "ein deutlicher Hinweis darauf, dass Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist und das Geld aus einem Job nicht mehr ausreicht".

Gegen diese These spricht jedoch, dass vor allem Beschäftigte in reichen Teilen Deutschlands nebenbei jobben. In Baden-Württemberg lag ihr Anteil Ende 2011 bei 11,4 Prozent, im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur bei 4,7 Prozent.

"Der größere Teil der Beschäftigten mit Zweitjobs sind durchaus qualifizierte Leute mit gutem Einkommen, die sich noch etwas dazu verdienen", sagte die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, der "Saarbrücker Zeitung". Sie betonte jedoch ein anderes Problem der Entwicklung: Menschen, die in ihrem Betrieb Überstunden machten, müssten dafür alle Lohnnebenkosten einschließlich Steuern zahlen. Wer dagegen noch einen Minijob habe, brauche das nicht, so Pothmer. Das sei "extrem unfair gegenüber der Versichertengemeinschaft".

Ihre Forderung: Minijobs müssten unattraktiver gemacht werden. Etwa durch eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro, sagte Pothmer der Zeitung. Die Bundesregierung plant aber genau das Gegenteil. Sie will die Minijobs noch ausbauen und die beitrags- und steuerfreie Verdienstgrenze auf 450 Euro anheben.

cte/AFP

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