Bayern teuer, Osten günstig So viel müssen Versicherte im Schnitt für Zahnersatz zuzahlen

Zahnersatz ist für gesetzlich Versicherte ohnehin kostspielig - doch in manchen Bundesländern sind Kronen und Brücken besonders teuer. Die Übersicht.

Julian Stratenschulte/dpa

Wie teuer Versicherte Zahnersatz zu stehen kommt, ist in Deutschland stark abhängig vom Wohnort. Genauer: Die Kosten variieren stark von Bundesland zu Bundesland.

Einer aktuellen Untersuchung der Barmer Ersatzkasse zufolge müssen Patienten in Bayern besonders tief in die Tasche greifen. Dort kosten Brücken oder Kronen im Schnitt 1228 Euro Zuzahlung. Bundesweit ist das der Spitzenwert - und etwa doppelt so viel wie in Sachsen-Anhalt, wo der Eigenanteil der Patienten im Schnitt bei 628 Euro liegt.

Außer Bayern zählt die Krankenkasse auch Niedersachsen, Bremen und Baden-Württemberg zu den "Hochkostenländern". Die Gesamtkosten für Zahnersatz liegen in den ostdeutschen Flächenländern demnach mit 1274 bis 1379 Euro pro behandeltem Versicherten deutlich unter dem Bundesschnitt.

Die gesamte Auswertung für alle Bundesländer finden Sie hier.

Bei der Versorgung mit Zahnersatz und Zahnkronen zeigen sich zudem deutliche Stadt-Land-Unterschiede. So bekamen neun Prozent der Berliner und 8,7 Prozent der Hamburger im Jahr 2017 neuen Zahnersatz. Im Saarland waren es lediglich 6,4 Prozent und in Bayern und Rheinland-Pfalz jeweils 6,9 Prozent.

Deutliche regionale Unterschiede sowie ein Ost-West-Gefälle stellt die Analyse auch bei der Häufigkeit der Zahnarztbesuche oder der Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen fest. So lag der Anteil der Bevölkerung, der im Jahr 2017 zum Zahnarzt ging, in allen ostdeutschen Bundesländern deutlich über dem Westniveau. Spitzenreiter war Sachsen mit 77,1 Prozent, Schlusslicht das Saarland mit 65,2 Prozent.

Einen Grund für die Ost-West-Unterschiede vermuten die Experten im traditionell höheren Präventionsverhalten im Osten. Zudem bekommen die ostdeutschen Versicherten vergleichsweise häufig Zahnfüllungen oder schadhafte Zähne gezogen.

Unterschiede zeigen sich demnach auch bei der Früherkennungsuntersuchung für kleine Kinder. Diese werde tendenziell eher im Süden und im Osten in Anspruch genommen und weniger im Norden und Westen. Die Raten pendeln hier zwischen 27,7 Prozent im Saarland und 42,5 Prozent in Bayern.

beb/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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so-long 11.07.2019
1. Wieder Statistik
Im Osten kann es günstiger sein, weil mehr Zähne entfernt werden; diese müssen dann oft nicht aufwändig versorgt werden. (Die günstige Lösung ist zB ein Vollgebiss). Ferner werden dort evtl. oft einfache Versorgungen durchgeführt. Günstiger (kann, nicht muss) wird es in den früheren Ostblockländern. Das gilt zB auch für Wohnungsmieten.
isar56 11.07.2019
2. Die größten Differenzen
bei den Zuzahlungen für Patienten dürften die zwischen Kassen- und Privatpatienten sein. Ein Kollege und ich verglichen vor Jahren unsere Rechnungen. Die Beträge waren fast identisch. Seine Private übernahm rund 12 500,— von 13 200,— Bei mir verhielt es sich umgekehrt. Ich hatte in etwa 12 500,— selbst zu tragen.
jutta_weise 11.07.2019
3. nicht logisch
für mich wurden 2 Kostenvoranschläge von hiesigen Zahnärzten gemacht. Identische Vorgaben. 4 Implantate oben vier unten. Der eine KV belief sich auf knapp 30T€ der 2. auf knapp 15T€. Gleiche Vorgehensweise und angeblich gleiches Material. Da ich familiäre Bindungen zu einem nahen, außereuropäischen Land habe, mein Sohn sich dort Implantate machen ließ, sah ich mich veranlaßt ihm zu folgen. Resultat: KV von knapp 5T€, super Praxis, sogar besseres Material. Danach reichte ich alle 3 KV an die DAK weiter, mit der Bitte um Überprüfung zwecks gesetzlichem mir zustehendem Zuschuss. Der 1. Bescheid der KK war negativ, so dass ich Widerspruch einlegte. Ich hatte mich zuvor bei der obersten Bundesstelle der Krankenkassen gewandt, die mir bestätigten, dass es tatsächlich ein Sozialabkommen mit besagtem Land gibt, die KK sich auch anteilig an den Kosten beteiligen könnte. Allerdings läge dies im Ermessen der KK. In meinem Widerspruch stellte ich die Frage, warum sich die KK quer stellt, überhaupt in Erwägung zu ziehen, mir wenigstens das, was gesetzlich vorgeschrieben ist, zu erstatten. Auf diese Frage versteckt sich die DAK hinter dem Gesetz. Was bitte für ein Gesetz? Ich verlange ja nicht, dass sie die Gesamtkosten für meine Behandlung übernimmt, sondern nur das, was das Gesetz vorschreibt. Ich finde es dahingehend einfach unbegreiflich, dass man als mündiger Bürger, der seine Beiträge, und nicht zu knapp, brav bezahlt, nicht die Wahl hat z.B. zwischen losen, mit Klebstoff haftbarmachenden Brücken oder Prothesen vs Implantaten zu wählen. Obwohl wir die Finanziers dieser Institutionen sind, wird es uns nicht freigestellt, das zu wählen, was man als gewonnene Lebensqualität empfindet. Und da liegen Implantate ganz weit vorne. Nun liegt mein Widerspruch vor einer gesonderten Widerspruchsstelle und ich bin gespannt, wie die sich entscheiden.
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