Riskanter Braindrain Zehntausende IT-Fachkräfte verlassen Russland

Russland verliert nach einem Bericht der »New York Times« Zehntausende Softwarespezialisten, Programmierer und IT-Fachkräfte. Wegen des Ukrainekriegs wandern sie in andere Länder aus.
Computertastatur (Archivbild)

Computertastatur (Archivbild)

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Bis zu 70.000 IT-Fachkräfte, Webentwickler und Softwareingenieure haben Russland seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine den Rücken gekehrt. Das berichtet die »New York Times«  mit Verweis auf Quellen aus der russischen Technologieindustrie. Weitere 70.000 bis 100.000 könnten in naher Zukunft folgen.

Der massenhafte Abzug der Fachkräfte werde die russische Technologiebranche grundlegend verändern, ein aufstrebender Industriezweig verliere große Teile seiner Arbeitnehmerschaft, heißt es in dem Artikel.

Einige der Fachkräfte verließen das Land, weil sie mit der russischen Invasion in der Ukraine nicht einverstanden seien und nicht länger unter dem Putin-Regime leben wollten, hieß es. Sie befürchteten, ihre Meinung nicht sagen zu dürfen, wenn sie blieben.

Auch geschäftliche Motive spielen eine Rolle. Nach den Sanktionen gegen das Putin-Regime hatten viele US-amerikanische und europäische Unternehmen den Verkauf von Produkten in Russland eingestellt oder den Zugang zu Bank- und Internetdiensten gesperrt. Russische IT-Fachkräfte konnten deshalb oft nicht mehr auf erforderliche Programme oder Tools zugreifen, um ihre Arbeit zu erledigen. Auch den Lohn von ihren Arbeitgebern zu erhalten, gestaltete sich zunehmend schwieriger.

Da sie in einer vergleichsweise lukrativen Branche arbeiten, haben viele ITler genug Geld, das Land zu verlassen. Zudem können viele ihre Arbeit von überall verrichten, solange sie einen Laptop und eine Internetverbindung haben.

Fachkräfte der IT-Branche in Russland seien »Teil des globalen Markts«, wird ein Risikokapitalgeber aus Lettland zitiert. »Entweder arbeiten sie für globale Unternehmen oder sind selbst Tech-Unternehmer, die versuchen, Firmen im globalen Markt aufzubauen.«

Die Fachkräfte aus Russland seien unter anderem zu Tausenden nach Armenien, vor allem in die Hauptstadt Eriwan, geflohen. Der armenische Wirtschaftsminister Vahan Kerobyan schätzt, dass 43.000 Menschen von Russland nach Armenien gekommen sind. Darunter etwa Mitarbeiter des US-amerikanischen Softwareunternehmens Miro: Dieses charterte seinen russischen Mitarbeitern Flüge nach Eriwan und brachte sie in zwei Hotels im Stadtzentrum unter.

Artem Taganov, Geschäftsführer des russischen Start-ups namens HintEd, sagt, er kenne etwa 70 russische Unternehmer, die wie er nach Armenien geflohen seien. »Bevor all dies begann, hatte Russland ein so starkes technologisches Fundament«, wird er von der »New York Times« zitiert. »Jetzt haben wir einen Braindrain, der die nächsten fünf bis zehn Jahre anhalten wird.«

ktz
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