Übernahmen Ex-Leiter der Monopolkommission rät zur Zerschlagung von Tengelmann

Daniel Zimmer stand der Übernahme der kriselnden Supermarkt-Kette Kaiser's Tengelmann immer kritisch gegenüber. Auch jetzt hält der Ex-Chef der Monopolkommission die Zerschlagung für die einzige denkbare Möglichkeit.

Kaiser's-Filiale in Essen: Letzte Chance
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Kaiser's-Filiale in Essen: Letzte Chance


Der frühere Leiter der Monopolkommission, Daniel Zimmer, hat sich in einem Zeitungsinterview für die Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an verschiedene Unternehmen ausgesprochen. "Diese Lösung könnte in kurzer Frist realisiert werden", sagte Zimmer den "Ruhr Nachrichten".

Würde das Filialnetz von Tengelmann unter mehreren Handelsunternehmen aufgeteilt, wären einerseits die Wettbewerbsbedenken nicht so groß wie bei einer Komplettveräußerung an den Marktführer Edeka. Außerdem müsste es auf diesem Wege auch langfristig nicht zum Abbau von Jobs kommen, sagte Zimmer.

Seinen Angaben zufolge hatten mehrere Wettbewerber Interesse an Tengelmann gezeigt - so habe das Schweizer Einzelhandelsunternehmen Coop das Berliner Filialnetz übernehmen wollen, Tegut die Geschäfte in Bayern.

Gegen Ministererlaubnis

Die Monopolkommission hatte sich unter ihrem damaligen Chef Zimmer wie das Bundeskartellamt gegen die geplante Fusion von Edeka und Tengelmann ausgesprochen. Diese Absage der Wettbewerbshüter hebelte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) aber mit einer sogenannten Ministererlaubnis aus. Zimmer hatte daraufhin sein Amt niedergelegt.

An diesem Donnerstagabend wollen sich die Top-Manager von Edeka, Tengelmann und Rewe mit der Gewerkschaft Ver.di zu einem Spitzengespräch treffen. Dies ist möglicherweise die letzte Chance, eine Zerschlagung der Supermarktkette zu verhindern und Tausende Arbeitsplätze zu retten. Der Handelsriese Rewe hatte am Dienstag eine "faire Aufteilung" von Tengelmann gefordert.

Vor dem Spitzengespräch geht es am Mittwoch auch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf um Tengelmann. Das Bundeskartellamt hatte in seiner Untersagungsverfügung den Supermarktketten auch einen gemeinsamen Einkauf untersagt. Dagegen wehren sich Edeka und Tengelmann nun.

mik/dpa-AFX

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mrmink 21.09.2016
1. gerecht
eine faire Aufteilung der Filialen ist doch ein guter Kompromiss und sollte auch schnell durchzuführen sein. Damit wäre das Thema vom Tisch und die Angestellten von tengelmann wüssten endlich wieder es weiter geht.
rkinfo 21.09.2016
2. Zerschlagung = mehr Wettbewerb ?
Alle Zeichen deuten auf weniger Geschäfte, also auf weniger Wettbewerb. Zudem sind die Produkte von Tengelmann sowohl von Aldi/Penny/Lidl im Würgegriff, als auch dem Onlinehandel. Ähnlich positioniert Edeka und Rewe, deren Konzept etwa vergleichbar zu Tengelmann ist. In meiner Heimatstadt wird gerade mal wieder der Umbau eines Standort auf Kombination Rewe/Aldi umgesetzt und anderswo gabs Edeka/Aldi als Kombi. Die arbeiten doch eh alle längst zusammen ;-)
biesi61 21.09.2016
3. Gute Lösung
Vermutlich könnte Tengelmann durch den Verkauf einzelner Filialen bzw. Filialgruppen sogar einen deutlich höheren Preis erzielen, als duch den Gesamtverkauf. COOP würde jedenfalls zu Berlin gut passen. Ich sehe als weitere Alternative einen Verkauf an ein ausländisches Handelsunternehmen, das den Einstieg in den deutschen Markt plant. Warum wurde das nie ernsthaft versucht? Der Gesamtverkauf an Edeka hingegen ist wirklich abzulehnen!
5b- 21.09.2016
4. Aufteilung, Zerschlagung, Arbeitsplätze
Tengelmann an nur eines der Markführenden Unternehmen zu veräußern ist schlecht für den Wettbewerb und kann und sichert langfristig keine Arbeitsplätze. Generell muss man sagen, dass die Arbeitsplätze gefährdet sind. Jetzt auf einmal treffen sich Edeka und Rewe zusammen mit Tengelmann und Verdi. Wie peinlich ist das denn? Das hätte man schon sehr viel früher machen sollen. Gabriel hätte sich nicht gegen die Wettbewerbshüter stemmen sollen, sondern hätte dieses Treffen einfädeln können. Leider ist er nicht kompetent genug. Der Artikel ist etwas konfus. Der Text ist nicht klar ob eine Zerschlagung gut oder schlecht für die Arbeitsplatzsituation ist. Wenn Temgelman zwischen zwei aufgeteilt wird ist das auch eine Zerschlagung. Es sollten am besten auch lokale Konkurrenz in einem Bieterstreit zugelassen werden und nach Prüfung den größeren Mitstreitern vorgezogen werden.
CommonSense2006 21.09.2016
5. Eigentumsrechte...?
Ich finde es schon sehr bezeichnend für unser Land, dass sowohl Daniel Zimmer als auch die ersten vier Foristen munter darüber diskutieren, an wen und in welcher Stückelung Hr. Haub seine Läden verkaufen sollte. Moment mal, habe ich gerade gesagt "seine Läden""? Ach ja richtig, das sind seine Geschäfte. Sollte er nicht normalerweise damit tun und lassen können, was ihm gefällt, was er für richtig hält? Trägt er nicht momentn die Verluste, die in den Läden entstehen? Über fremdes Privateigentum zu bestimmen kann nur als ganz große Ausnahme getan werden, aber ich kann nicht sehen, wie man angesichts der Größenverhältnisse auf dem deutschen LEH-Markt davon reden kann, dass 500 Filialen mehr oder weniger bei dem einen oder anderen Mitbewerber einen nennenswerten Unterschied machen würden. Daher ist es eigentlich gar nicht zu rechtfertigen, dass man Herrn Haub vorschreiben will, wie er mit seinem Eigentum zu verfahren hat.
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