Zum Jahresende Ökonomen sagen deutscher Wirtschaft Absturz voraus

Düstere Aussichten für die deutsche Wirtschaft: Nach Berechnungen der OECD könnte das Wachstum der Bundesrepublik zum Jahresende das schwächste aller großen Industrienationen sein. Die Forscher rechnen auch mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.
Container im Hamburger Hafen: Anfang 2011 hatte die Wirtschaft noch kräftig zugelegt

Container im Hamburger Hafen: Anfang 2011 hatte die Wirtschaft noch kräftig zugelegt

Foto: dapd

Paris - Bisher war Deutschland der Erholungsweltmeister nach der Finanzkrise - doch zum Jahresende droht ein Absturz: Für die letzten drei Monate des Jahres 2011 prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( OECD) einen auf das Jahr hochgerechneten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,4 Prozent. Gegenüber dem dritten Quartal 2011 entspräche dies sogar einem Minus von 0,3 Prozent.

Für das gesamte Jahr 2011 rechnet die OECD für die Bundesrepublik nun mit einem Konjunkturplus von weniger als drei Prozent. Ursprünglich war die Organisation von 3,4 Prozent ausgegangen.

Sollten die schlechteren Prognosen der OECD eintreffen, wäre das deutsche Wachstum im Schlussquartal 2011 das schwächste aller großen Industrienationen. Für Länder wie die USA, Frankreich oder Kanada sagen die Volkswirte noch Wachstum voraus. Die Regierungen in Washington und Paris können von Oktober bis Ende Dezember beispielsweise ein auf das Jahr hochgerechnetes Quartalswachstum von 0,4 Prozent erwarten.

Anfang des Jahres hatte die heimische Wirtschaft noch um kräftige 1,3 Prozent von Quartal zu Quartal zugelegt, im Frühjahr schaffte sie nur noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent.

Die OECD ist ein Forum, in dem sich 34 Staaten über ihre Wirtschaftspolitik austauschen. Neben Deutschland gehören unter anderem die USA, Großbritannien, Japan und Frankreich zu den Mitgliedern. Regelmäßig erstellt die Organisation Berichte über die wirtschaftliche Entwicklung der Länder und spricht Empfehlungen aus.

Auch für das hochverschuldete Italien gibt sich die Organisation skeptisch und sagt für das dritte Quartal eine Rate von minus 0,1 Prozent voraus. Die G7-Staaten - ohne Japan - dürften im zweiten Halbjahr im Schnitt um weniger als ein Prozent zulegen. Für Japan gelte eine Sonderkonjunktur, da der Wiederaufbau nach der Katastrophe mit Erdbeben und Flutwelle für ein überdurchschnittliches Wachstum sorge.

Die Unsicherheit der jüngsten Prognosen sei jedoch relativ hoch, betonte die OECD. Hintergrund seien beispielsweise die ungewissen Folgen des deutschen Atomausstiegs.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die OECD habe 30 Mitglieder. Das stimmt nicht, nach Beitritten von Chile, Slowenien, Israel und Estland sind es mittlerweile 34 Länder. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

kra/dapd/dpa/Reuters
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