Zuwanderung Deutscher Arbeitsmarkt braucht mehr Ausländer

In Deutschland fehlen Arbeitskräfte. Um den Mangel an Erwerbsfähigen auszugleichen, braucht das Land laut einer neuen Studie durchschnittlich 533.000 Zuwanderer pro Jahr.
Spanier in Bad Homburg (Archivbild): Qualifizierte Zuwanderer dringend erwünscht

Spanier in Bad Homburg (Archivbild): Qualifizierte Zuwanderer dringend erwünscht

Foto: Nicolas Armer/ picture alliance / dpa

Gütersloh - Der Arbeitsmarkt in Deutschland schrumpft. Spätestens in zehn Jahren werden in der Bundesrepublik daher mehr ausländische Arbeitskräfte benötigt als bisher. Nur wenn langfristig durchschnittlich 533.000 mehr Menschen zu- als abwandern, lasse sich die Lücke füllen, die durch das Ausscheiden der sogenannten Babyboomer aus dem Beruf entsteht. Das haben Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Hochschule in Coburg im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ermittelt.

Zuletzt wurde eine solche Quote nur knapp erreicht. Im Jahr 2014 kamen netto 470.000 Zuwanderer nach Deutschland, im Schnitt der letzten 60 Jahre kamen allerdings nur 200.000 mehr als weggingen.

Nötig sei deshalb ein verständliches Einwanderungsgesetz. Es müsse deutlich machen, dass qualifizierte Zuwanderer in Deutschland nicht nur erlaubt, sondern erwünscht seien, sagte ein Sprecher der Bertelsmann-Stiftung. Ein solches Gesetz müsse Einwanderern vor allem auch Perspektiven für langfristige Aufenthalte und zügigere Einwanderung bieten.

Babyboomer erreichen Rentenalter

In der am Freitag vorgestellten Studie  rechnen die Arbeitsmarktforscher vor, dass die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter ohne Zuwanderung von heute rund 45 Millionen auf 29 Millionen im Jahr 2050 sinken würde - ein Rückgang um 36 Prozent. Der Hauptgrund: Die Generation der geburtenstarken Jahrgänge hat bis 2030 das Rentenalter erreicht.

Diese Lücke lässt sich nach den Prognosen der Wissenschaftler nicht allein durch die Aktivierung inländischer Reserven füllen. Selbst bei dem unwahrscheinlichen Szenario, dass genauso viele Frauen wie Männer berufstätig wären und das Rentenalter auf 70 angehoben würde, brächte das lediglich zusätzliche 4,4 Millionen Erwerbstätige bis 2050.

In ganz Europa schrumpft die Bevölkerung. Wenn sich die EU-Krisenländer wirtschaftlich erholten, sinke zudem der Anreiz, nach Deutschland zu kommen, heißt es. Das derzeitige Rekordhoch der Zuwanderung aus EU-Staaten (2013 netto rund 300.000) lasse sich nicht halten. Die Studienautoren gehen davon aus, dass im Jahr 2050 nur noch 70.000 Menschen aus anderen EU-Ländern nach Deutschland kommen.

bos/dpa