Zweifel an Defizitzahlen Währungsfonds will Staatsfinanzen von Griechenland überprüfen

Unangenehmer Besuch: Nachdem Griechenland in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von fast 13 Prozent eingefahren hat, rückt nach Informationen des SPIEGEL nun der Internationale Währungsfonds zur Sonderprüfung an. Der Finanzminister in Athen räumt einen "Totalverlust der Glaubwürdigkeit" ein.

EZB-Chef Trichet, Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou:"Gefährliche Dynamik"
AFP

EZB-Chef Trichet, Griechenlands Finanzminister Papakonstantinou:"Gefährliche Dynamik"


Athen/Hamburg - Der Internationale Währungsfonds (IWF) will in der kommenden Woche die Staatsfinanzen von Griechenland überprüfen. Grund seien nach Informationen des SPIEGEL Zweifel des IWF an den von Griechenland gemeldeten Defizitzahlen für dieses Jahr. Der IWF befürchte mehr als die im Oktober von der neuen Regierung Griechenlands gemeldete Verdoppelung des Haushaltsdefizits auf fast 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist das größte Defizit aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Der Grund für die Mission, die sowohl bei der Bundesbank wie auch in der Bundesregierung als eine Art "Sonderprüfung" bewertet wird, sind vor allem ausstehende Forderungen des griechischen Staates gegenüber privaten Unternehmen. Allein deutsche Konzerne haben gegenüber dem Inselstaat Forderungen von mehr als zwei Milliarden Euro, heißt es in Regierungskreisen.

Europaweit beträgt das Volumen unbezahlter Rechnungen mehr als zehn Milliarden Euro. Laut dem europäischen Dachverband EFPIA schuldet der griechische Staat den Herstellern pharmazeutischer Produkte 2,7 Milliarden Euro, bei medizinischen Geräten beträgt der Ausstand 5,2 Milliarden Euro. Im Schnitt wird, so die EU, eine Rechnung vom griechischen Staat erst nach 165 Tagen bezahlt. Nach den Maßstäben für Privatpersonen wäre das Land bereits zahlungsunfähig.

Die Ratingagentur Fitch hat das Land bereits aus der Riege der Schuldner mit guter Bonität verbannt und damit die Märkte in Aufruhr versetzt. Die griechische Regierung ist nun um Schadensbegrenzung bemüht. Binnen vier Jahren will sie das ausufernde Haushaltsdefizit in den Griff bekommen und unter die Maastricht-Defizitgrenze von drei Prozent des BIP drücken.

Griechenland leide nunmehr unter einem "Totalverlust der Glaubwürdigkeit", sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou dem SPIEGEL. "Viele unserer Probleme haben weniger mit den absoluten Zahlen zu tun, als mit der Tatsache, dass uns niemand glaubt, weil unsere Statistiken nicht stimmten." Die griechische Regierung hatte in der Vergangenheit immer wieder mit zweifelhaften Daten operiert.

Eine erste Bewährungsprobe nach der Herunterstufung von Fitch steht dem Land wohl Anfang des neuen Jahres bevor. Dann will Griechenland Papakonstantinou zufolge eine neue Anleihe begeben. Die genaue Summe stehe allerdings noch nicht fest.

Durch die geringere Bewertung muss Griechenland höhere Zinsen anbieten als zuletzt.

oka/ Reuters



insgesamt 1656 Beiträge
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grauer kater 10.12.2009
1.
In Griechenland stand die Wiege der europäischen Kultur, der Demokratie und der modernen Wissenschaften! Die Griechen sind es allemal wert, dass ganz Europa für sie einsteht, denn sie sind Fleisch von unserem Fleische!
DJ Doena 10.12.2009
2.
Zitat von grauer katerIn Griechenland stand die Wiege der europäischen Kultur, der Demokratie und der modernen Wissenschaften! Die Griechen sind es allemal wert, dass ganz Europa für sie einsteht, denn sie sind Fleisch von unserem Fleische!
Isn bisschen sehr philosophisch oder?
grauer kater 10.12.2009
3.
Zitat von DJ DoenaIsn bisschen sehr philosophisch oder?
Liebe zur Weisheit ist eben eine gute menschliche Eigenschaft, die man pflegen sollte. Die menschliche Gesellschaft könnte dabei viel gewinnen, wenn möglichst viele diese Eigenschaft entwickeln würden!
zwangsreunose 10.12.2009
4.
Zitat von sysopRatingagenturen stufen die Kreditwürdigkeit von Griechenland herunter, Pessimisten sprechen gar vom drohenden Staatsbankrott. Experten aber begrüßen die drastische Warnung der Finanzmärkte. Soll die EU im Notfall einspringen?
Europa lebt in erster Linie von seinem Binnenmarkt. Das ist ein geben und nehmen. Griechenland ist dabei. Aber....liebe Nachbarn, Kritik ist berechtigt. Ihr habt neu gewählt. Bringt Euren Laden in Ordnung. Außerdem wäre ich längst für eine Europaanleihe.
grauer kater 10.12.2009
5.
Es gibt nicht die Griechen, sondern normale Menschen, wie Du und ich sowie Politiker und Führungskräfte, die für bestimmte Zustände in der Gesellschaft verantwortlich zeichnen! Meine Solidarität beschränkt sich auf die normalen Menschen, die nichts mit den Machenschaften der "Führer" zu tun haben!
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