Deutsche Kriegsverbrechen Griechisches Parlament spricht sich für Reparationszahlungen aus

Das griechische Parlament hat beschlossen, formell Anspruch auf weitere Reparationszahlungen von Deutschland für Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zu stellen. Deutschland sieht das Thema dagegen als erledigt an.

Das griechische Parlament vor der Abstimmung zu Reparationszahlungen
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Das griechische Parlament vor der Abstimmung zu Reparationszahlungen


Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras will das Thema Reparationen bei der deutschen Regierung vorbringen. Sein Parlament hat ihm am Abend in einer Abstimmung den Auftrag dazu erteilt.

Seit dem Vormittag debattierten die Abgeordneten über Reparationen von Deutschland an Griechenland wegen der Kriegsschäden und -verbrechen im Zweiten Weltkrieg; eine Expertenkommission hatte vor drei Jahren Zahlungen in Höhe von bis zu 290 Milliarden Euro errechnet.

Tsipras erklärte, er habe das Thema nicht mit der schweren Finanzkrise der vergangenen Jahre und den Schulden des Landes verquicken wollen. Jetzt aber, nach dem Ende der internationalen Hilfsprogramme, sei der richtige Zeitpunkt. "Es ist ein historisch, ethisch und emotional beladenes Thema", sagte er. "Wir haben jetzt die Chance, dieses Kapitel zu schließen." Wichtig sei ihm, mit Deutschland auf Augenhöhe und freundschaftlich zusammenzukommen.

Deutschland sieht das Thema als erledigt an; die Regierung in Berlin stützt sich dabei auf den 1990 zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem es heißt, es seien "keine weiteren Reparationen" vorgesehen. Die Frage nach Reparationen sei juristisch wie politisch abschließend geregelt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert dazu in Berlin. Juristen und Historiker sind sich jedoch uneins über das Anrecht der Griechen auf Reparationen.

Tsipras sagte bereits vor der Abstimmung, Griechenland werde Reparationen für Zwangsdarlehen der Nazis, private Entschädigungen und geplünderte Schätze verlangen. Dazu werde unmittelbar eine Verbalnote an Deutschland übermittelt und das Land dazu aufgefordert, sich dazu mit Griechenland zusammenzusetzen. Das letzte Mal war das 1995 der Fall.

mal/gic/dpa



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