Beteiligung von Bankkunden Draghi hält Zypern-Rettung für Einzelfall

Die Europäische Zentralbank versucht, Bankkunden in Euro-Krisenländern zu beruhigen. EZB-Präsident Draghi hält die Beteiligung von Sparern am Hilfspaket für Zypern für einen Einzelfall. Ex-Finanzminister Sarris geht mit der Troika derweil hart ins Gericht.

EZB-Präsident Draghi: "Absolut sicher, dass Euro-Gruppen-Chef falsch verstanden wurde"
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EZB-Präsident Draghi: "Absolut sicher, dass Euro-Gruppen-Chef falsch verstanden wurde"


Frankfurt - Die Beteiligung von Bankkunden, Gläubigern und Anteilseignern ist nach Auffassung der Europäischen Zentralbank (EZB) kein Modell für künftige Bankenrettungen im Euro-Raum. "Zypern ist keine Blaupause", sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Draghi schränkte ein, die in Zypern vollzogene Beteiligung von Bankkunden an den Kosten des Hilfspakets sei an sich nicht das Problem. Problematisch sei vielmehr, dass es dafür keine klaren Regeln gebe. Deswegen könne eine Bankenrettung schnell in ungeordneten Bahnen verlaufen.

Anfang vergangener Woche hatte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem für große Verunsicherung gesorgt, weil er die Rettung zyprischer Banken als Vorbild für künftige Problemfälle umschrieben hatte. Mit seinen Äußerungen, die er wenig später relativierte, widersprach er der Grundlinie der Euro-Finanzminister. Diese hatten Zypern über Wochen hinweg als Sonderfall bezeichnet. "Ich bin mir absolut sicher, dass der Chef der Euro-Gruppe falsch verstanden wurde", sagte Draghi über Dijsselbloems Äußerungen.

Sarris schimpft auf Euro-Retter

Draghi nannte den ersten Vorschlag für ein Rettungspaket "nicht klug". Mitte März hatten sich die Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds und die zyprische Regierung in einer Nachtsitzung auf einer Beteiligung aller Sparer an dem Rettungspaket geeinigt. Dieses war später vom zyprischen Parlament klar abgelehnt worden.

Kritik am jetzigen Rettungspaket ließ Draghi aber nicht gelten: Die Ereignisse in Zypern hätten die Entschlossenheit der EZB gezeigt, den Euro zu stützen. Derzeit sei man in der Lage, schwere Krisen in manchen Ländern bewältigen zu können, ohne dass sie systemisch würden und damit das gesamte Finanzsystem in Gefahr brächten.

Zyperns zurückgetretener Finanzminister Michalis Sarris kritisierte die Euro-Retter dagegen scharf. Die Troika hätte die Mittelmeerinsel unfair behandelt, sagte Sarris. Eine Korrektur des riesigen Bankensektors wäre auch ohne die gewaltigen negativen Auswirkungen auf die zyprische Wirtschaft möglich gewesen. Es wird erwartet, dass die Wirtschaft allein dieses Jahr um satte acht Prozent und nächstes Jahr um weitere drei Prozent schrumpft.

Gleichzeitig räumte Sarris hausgemachte Probleme des Mittelmeerlandes ein. "Es gab exzessives Wachstum bei den Bankkrediten und den Ausgaben der Regierung." Sarris war am Dienstag nach nur fünf Wochen im Amt zurückgetreten.

ade/dpa/Reuters

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idealist100 04.04.2013
1. Na ja
Zitat von sysopAFPDie Europäische Zentralbank versucht, Bankkunden in Euro-Krisenländern zu beruhigen. EZB-Präsident Draghi hält die Beteiligung von Sparern am Hilfspaket für Zypern für einen Einzelfall. Ex-Finanzminister Sarris geht mit der Troika derweil hart ins Gericht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zypern-draghi-haelt-beteiligung-von-bankkunden-fuer-einzelfall-a-892569.html
Hauptsache Goldman Sachs macht daraus reichlich Rendit nicht war.
Altesocke 04.04.2013
2. Meint Goldman-Sucks, das darf nicht sein?
Da springt jemand jetzt aber dem Junkers bei. Oder ist das Sand ins Getriebe der Merkel und des Schaeuble?
Dr.pol.Emik 04.04.2013
3. Wem ist denn jetzt mehr zu glauben?
Ist Draghi als abgebrühter Goldman & Sucker glaubwürdiger als der holländische Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem? *Euro-Gruppen-Chef knackt den Banken-Mythos*, Bank-Kunden werden Bankster (http://qpress.de/2013/03/26/euro-gruppen-chef-knackt-den-banken-mythos-bank-kunden-werden-bankster/) … damit hat doch genau der die Wand schon einmal eingerissen. Vermutlich ist er sogar einmal ehrlich gewesen. Nur bei der nächsten Rasur … und das wissen die Herrschaften sehr wohl … wird man gleich alle auf einen Schlag rasieren müssen. Und wenn der Draghi sich jetzt gewerbsmäßig zum Lügen aufstellt, dann lässt dies ja auch immer noch Spielraum für Interpretation. das geht soweit, dass man nachher jeden Barbierten als Einzelfall hinstellen kann. Wer nun das Geldsystem und die Staats-Verschuldungsquoten näher besieht, der wird schnell feststellen das sowohl Dollar und Euro am Limit laufen. Das Schneeballsystem muss irgendwann krachen gehen und zuvor wird man sicher noch mehrmals richtig zulangen müssen, auch wenn es in abgewandelter Form eine Wiederholung von Zypern wird.
Valdy 04.04.2013
4. Ist doch klar
Draghi ist alter GoldmanSachs -Mann, da kann man ja nicht erwarten, dass seine ehemaligen Kunden die Zeche zahlen. Lief doch bis jetzt echt klasse mit der Sozialisierung der Schulden, wenn etwas schief lief.... ärgerlich, dass nur die blöde Datenmenge über die Steueroasen aufgetaucht ist, aber das wird auch irgendwie ausgestanden....
agua 04.04.2013
5.
Seit Zypern weiss doch eigentlich so gut wie jeder,dass alles moeglich ist und ziemlich schnell,weil geplant wird es lange im Vorraus.Von daher kann Herr Draghi ab heute jeden Tag betonen,dass Zypern ein Einzelfall sein wird,es glaubt sowieso kaum einer.Nicht mehr lange,da wird esdie naechste Ausnahme geben.Ich frage mich ob auf diesem Weg der Ueberschuss an nicht existierendem Geld limitiert wird?
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