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Protest gegen Teilenteignung Zyprische Gruppe droht Präsident mit dem Tod

Wegen der Teilenteignung von Sparern auf Zypern haben Präsident Anastasiades und Zentralbankchef Demetriades Morddrohungen erhalten. Eine "Gruppe zur Rettung der Bankguthaben" kündigte Anschläge auf die Familien der beiden an. Demetriades' Kinder sollen schon außer Landes gebracht worden sein.
Bedrohter Präsident Anastasiades (Mitte): "Wir fangen bei euren Enkeln an"

Bedrohter Präsident Anastasiades (Mitte): "Wir fangen bei euren Enkeln an"

Foto: AP/dpa

Thessaloniki - Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades und Zentralbankchef Panicos Demetriades haben Todesdrohungen von einer "Gruppe zur Rettung der Bankguthaben" erhalten. Diese kündigt Vergeltung für die Teilenteignung der Inhaber von großen Vermögen an, welche als Teil des Rettungspakets für Zypern beschlossen wurde. Ein zyprischer Polizeisprecher bestätigte SPIEGEL ONLINE die Drohung, der Fall werde derzeit untersucht.

In einem Brief an die zyprische Tageszeitung "Politis" behauptet die Gruppe, sie habe Auftragsmörder engagiert, die "viel Geld bekommen haben und nur einen Gott anbeten, das Geld". Die Autoren schreiben, sie würden all jene bestrafen, die Zypern in seine jetzige Lage gebracht haben.

"Wir bluffen nicht": Der Drohbrief im Original

"Wir bluffen nicht": Der Drohbrief im Original

Foto: Manolis Kalatzis

Die Unbekannten drohen auch den Angehörigen der beiden Männer. Sie hätten die Möglichkeit, "zu jedem Zeitpunkt den Aufenthaltsort der Familien Anastasiades and Demitriades zu kennen". In dem auf einer Schreibmaschine geschriebenen Brief heißt es weiter: "Wir warnen euch und bluffen nicht. Wir fangen bei euren Enkeln an, dann sind eure Kinder dran und am Ende ihr selbst, damit ihr so leidet wie wir."

Laut "Politis" hat die Frau von Zentralbankchef Demetriades bereits die Kinder des Paares aus der Schule genommen und außer Landes gebracht. Am Freitagmorgen gab es ein Treffen hochrangiger Polizeibeamter, bei dem eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen für beide Familien beschlossen wurde.

Die Autoren des Briefs bezeichnen Anastasiades und Demetriades als Verräter und verlangen, "sofort den Schuldenschnitt für Bankguthaben zu beenden". Der Drohbrief trägt das Datum 20. März. Zu diesem Zeitpunkt waren die endgültigen Regelungen zur Rettung der angeschlagenen Großbanken auf Zypern, bei der Kunden mit mehr als 100.000 Euro Einlagen einen Großteil ihres Vermögens verlieren dürften, noch nicht bekannt.

dab/gec/dpa