Schuldenkrise Zyperns Finanzminister tritt zurück

Zyperns Schuldenkrise droht zur Regierungskrise zu werden: Nach den Insider-Vorwürfen gegen Präsident Anastasiades ist jetzt auch noch Finanzminister Sarris zurückgetreten - im Zusammenhang mit Untersuchungen zur Bankenkrise. Der Erzbischof hatte ihm den Schritt dringend nahegelegt.
Schuldenkrise: Zyperns Finanzminister tritt zurück

Schuldenkrise: Zyperns Finanzminister tritt zurück

Foto: Petros Karadjias/ AP/dpa

Nikosia - Der Finanzminister von Zypern ist zurückgetreten. Michalis Sarris gab seinen Schritt nach Abschluss der Gespräche mit den internationalen Geldgebern über ein milliardenschweres Hilfspaket für das Euro-Land bekannt. Der Rücktritt stehe im Zusammenhang mit Untersuchungen im Rahmen der Bankenkrise, sagte Sarris. Einer der Gründe für seinen Rücktritt sei, dass er eine Führungsrolle bei der Laiki-Bank innehatte, die im Zuge der Umstrukturierung des zyprischen Bankensektors abgewickelt werden soll.

Sarris stand wegen seines Krisenmanagements unter Beschuss, selbst der Erzbischof der einflussreichen orthodoxen Kirche hatte ihn scharf kritisiert. Das von Sarris mit den internationalen Geldgebern ausgehandelte Rettungspaket sei eine "Erpressung", sagte Crysostomos II. Die Schuld treffe nicht Staatspräsident Nikos Anastasiades, "sondern den Finanzminister, der zugestimmt hat". Er könne dies zwar nicht entscheiden, so der Geistliche weiter, aber ein Rücktritt von Sarris "würde die Dinge erleichtern".

In Zypern sorgen seit Tagen mehrere Listen für großes Aufsehen: Eine davon enthält die Namen von Politikern und mit ihnen verbundenen Unternehmen, denen zyprische Banken Kredite ganz oder oder in Teilen erlassen haben. Eine zweite Liste enthält die Namen von Firmen und Einzelpersonen, die bis zu 700 Millionen Euro von ihren Konten abgehoben haben sollen - wenige Tage bevor die Banken geschlossen wurden.

Eine der aufgeführten Firmen gehört laut einem Zeitungsbericht dem Vater des Schwiegersohns von Staatspräsident Anastasiades. Dieser wehrt sich gegen die Vorwürfe. Am Dienstag vereidigte Anastasiades eine vom Parlament eingesetzte Kommission aus drei ehemaligen Richtern, welche die angebliche Kapitalflucht untersuchen soll.

Konditionen des Rettungspakets stehen fest

Neuer Chef des Finanzressorts wird Zyperns bisheriger Arbeitsminister Harris Georgiades. Das teilte die Regierung in Nikosia am Dienstag mit. Georgiades werde am Mittwoch den Amtseid ablegen. Der 1972 geborene Abgeordnete der konservativen Regierungspartei DISY ist Wirtschaftswissenschaftler und Völkerrechtler.

Kurz vor seinem Rücktritt gab Sarris noch erste Konditionen des zehn Milliarden Euro schweren Rettungspakets bekannt. Demnach zahlt das Euro-Land auf die Notfall-Kredite 2,5 Prozent Zinsen. Die Tilgung beginne in zehn Jahren. Die Kredite sollen über einen Zeitraum von zwölf Jahren zurückgezahlt werden. Ein Regierungssprecher sagte, die erste Tranche solle im Mai fließen.

Der Inselstaat plant im Gegenzug für die Finanzhilfen harte Einschnitte, unter anderem die Kürzung von Gehältern und Renten und diverse Steuererhöhungen. Gelockert wurden zu Wochenbeginn die Kapitalverkehrskontrollen, mit denen Zypern weitere Abflüsse von Geldern verhindern will.

ssu/dab/gec/dab/Reuters
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