Einigung von Regierung und Troika Zyperns Reiche sollen 20 Prozent Zwangsabgabe zahlen

Nach stundenlangen Verhandlungen hat sich die zyprische Regierung offenbar auf einen Kompromiss mit der internationalen Geldgeber-Troika geeinigt. So sollen nach Angaben von Reuters nur Einlagen über 100.000 Euro belastet werden - bei der Bank of Cyprus solle eine Abgabe von 20 Prozent fällig werden.
Protestierende Bankangestellte in Nikosia: "Nur noch harte Entscheidungen"

Protestierende Bankangestellte in Nikosia: "Nur noch harte Entscheidungen"

Foto: ANDREAS MANOLIS/ REUTERS

Nikosia - "Für Zypern gibt es keine optimalen Lösungen mehr, nur noch harte Entscheidungen", hat EU-Währungskommissar Olli Rehn am Samstag gewarnt. Im Ringen um einen Weg aus der Finanzkrise soll die zyprische Regierung mit den internationalen Geldgebern jetzt immerhin überhaupt eine Lösung gefunden haben.

Die Führung in Nikosia führte stundenlange Gesprächen mit der Troika - bestehend aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Die Agentur Reuters meldet jetzt, es gebe einen Kompromiss, sie beruft sich auf einen hochrangigen zyprischen Regierungsangehörigen.

Dabei geht es um die umstrittene Abgabe auf Sparguthaben. Anders als ursprünglich geplant, sollen jetzt nur noch Einlagen über 100.000 Euro belastet werden - Kleinsparer bleiben verschont.

Konkret hat sich laut dem zitierten Regierungsvertreter folgende Einigung ergeben:

  • Sie sieht vor, eine einmalige Abgabe in Höhe von 20 Prozent auf Einlagen bei der Bank of Cyprus von mehr als 100.000 Euro zu erheben. Bei dieser Bank liegen die meisten Guthaben reicher Ausländer, vor allem aus Russland und Großbritannien.
  • Vier Prozent würden auf die Einlagen über 100.000 Euro bei den anderen zyprischen Finanzinstituten verlangt.
  • Kunden des zweitgrößten Instituts Laiki müssen ohnehin um ihre Vermögen über 100.000 Euro fürchten. Das Institut soll laut einem Parlamentsbeschluss vom Freitagabend aufgespalten und teilweise abgewickelt werden. Alle Guthaben, die nicht von der staatlichen Einlagensicherung abgedeckt werden, sind gefährdet. Das Parlament war damitden internationalen Geldgebern entgegengekommen.

Zypern kämpft derzeit gegen den drohenden Staatsbankrott. Die Euro-Staaten und der IWF fordern von dem Inselstaat eine Eigenbeteiligung als Voraussetzung für einen Hilfskredit über zehn Milliarden Euro. Zypern müsse aus eigener Kraft 5,8 Milliarden Euro beisteuern. Die EZB hat der Regierung in Nikosia eine Frist bis Montagabend gesetzt. Bis dahin muss der eigene Beitrag stehen.

Die Finanzminister der Euro-Zone wollen am Sonntagabend zusammenkommen, um über den neuen zyprischen Plan zu beraten.

Wann das zyprische Parlament abstimmt, ist noch unklar. Die Agentur Reuters berichtet, die Abgeordneten wollten am Sonntag zusammenkommen - nachdem die Euro-Gruppe über die Zwangsabgabe entschieden hat. Ein erster Plan, bei dem etwa Zwangsabgaben in unterschiedlicher Höhe auf alle Spareinlagen vorgesehen waren, war vom zyprischen Parlament abgewiesen worden.

kgp/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.