Spähskandal Früherer Telekom-Sicherheitschef belastet Ricke und Zumwinkel schwer

Ein Ex-Sicherheitschef der Telekom packt aus - und belastet das frühere Führungsduo Ricke und Zumwinkel. Der Auftrag zum Aufstöbern von Informanten sei von ganz oben gekommen, sagte der Sicherheitsmann laut SPIEGEL-Informationen. Mit Details der Umsetzung wurden die Manager nicht mehr behelligt.


Hamburg - Der Druck auf Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke wächst. Was wussten der frühere Aufsichtsrats- und Vorstandschef der Telekom von der beispiellosen Spitzelaffäre? Klaus Trzeschan, ehemaliger Sicherheitschef des Konzerns, hat die beiden Manager nach SPIEGEL-Informationen in einer konzerninternen Anhörung schwer belastet.

Ricke, Zumwinkel (bei Hauptversammlung 2004): Schwere Vorwürfe
DPA

Ricke, Zumwinkel (bei Hauptversammlung 2004): Schwere Vorwürfe

In der Anhörung, die der Bonner Staatsanwaltschaft vorliegt, sagte Trzeschan, dass ihm die Ermittlungsaufträge von Ricke und Zumwinkel erteilt worden seien. Beide sollen jedoch nicht über konkrete Modalitäten der Ausführung unterrichtet worden sein.

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Ein ausführliches Interview mit dem früheren Telekom-Sicherheitschef Hans-Jürgen Knoke sehen Sie am Sonntag, 22.20 Uhr, auf RTL im SPIEGEL TV Magazin.
Ein Teil der Spitzeldienste wurde nach SPIEGEL-Informationen im November 2006 von einer gemeinsamen Kostenstelle Zumwinkels und René Obermanns abgebucht, des frisch angetretenen Telekom-Vorstandschefs und Ricke-Nachfolgers. Freigegeben wurde das Geld offenbar von dem damals gemeinsamen Büroleiter der beiden Manager.

Obermann beteuert auf Anfrage des SPIEGEL: "Ich habe die Rechnung nie gesehen." Ein Sprecher Zumwinkels sagte: "Ein Aufsichtsratsvorsitzender hat keine Vollmachten für Konten des Unternehmens."

Dass in der Telekom offenbar schon früher Spähaktionen gegen Journalisten und ihre Informanten unternommen wurden, hatte ein Hans-Jürgen Knoke bestätigt, von 1998 bis 2004 Sicherheitschef des Konzerns - also auch noch unter der Ära von Vorstandschef Ron Sommer.

"Der Vorstand hat Unzufriedenheit bekundet, dass permanent Interna in die Presse gelangen. Das ging klatsch, klatsch, klatsch, jeden Tag 'ne neue Meldung", sagte Knoke. Deshalb habe man geschaut, wer Zugang zu Unterlagen und Kontakte zu Journalisten hatte. "Dann haben wir Maßnahmen ergriffen."

Auf die Frage, welche Maßnahmen das waren, sagte Knoke: "Wir haben observiert. Man steht an der Ecke und schaut." In Bezug auf den bespitzelten Journalisten der "Financial Times Deutschland", Tasso Enzweiler, berichtete Knoke: "Na, wir haben bei Enzweiler mal vor der Haustür gestanden. Dann haben wir abgebrochen."

Sommer bestreitet eine Mitwisserschaft bei den Spähaktionen. Knoke sagt: "Ich habe dem Vorstand gesagt, wir wissen nicht, wer der Maulwurf ist." Dann fügt er im ironischen Tonfall hinzu: "Der Ron Sommer hat sich gefreut."

CSU fordert "mittelalterlichen Pranger" bei Verstößen

Der Skandal hat inzwischen Streit über schärfere Datenschutzgesetze ausgelöst. CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl kündigt "harte gesetzgeberische Konsequenzen" an: Man werde es nicht bei der Erhöhung der Bußgelder belassen, sondern allen Unternehmen, die Daten ihrer Kunden missbräuchlich verwenden, "die denkbare Höchststrafe" auferlegen, sagte er dem SPIEGEL. Der CSU-Politiker will "Täterfirmen" danach künftig gesetzlich dazu zwingen, den Missbrauch selbst öffentlich zu machen und die Opfer zu informieren. Uhl erhofft sich von einer derart erzwungenen Transparenz "eine abschreckende Wirkung, wie sie einst der mittelalterliche Pranger hatte". Der Telekom wirft er überdies "blanke Heuchelei" vor. In der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung habe sie massiv gegen das geplante Gesetz lobbyiert und sich dabei zum "Schutzengel ihrer Kunden" stilisiert. Ihr eigener Datenmissbrauch sei ein "Skandal, der in seinem ganzen Ausmaß noch gar nicht zu Ende gedacht ist".

Allerdings gibt es in der Union auch prominente Gegner einer Gesetzesverschärfung. Unions-Vizefraktionschef Wolfgang Bosbach spricht sich dagegen aus, Innenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) setzt vorerst auf eine Selbstverpflichtung. Am Montag will er mit Vertretern der Branche über die richtigen Gegenmaßnahmen reden.

plö



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