Spar-Appell an die EU Schwellenländer fürchten das Schuldenvirus

Handelt "schnell und wagemutig"! Die Schuldenkrise im Westen ist mittlerweile so bedrohlich, dass jetzt die Schwellenländer Druck auf Europa und die USA ausüben. Brasilien, Russland, Südafrika und andere sorgen sich um die Weltkonjunktur und fordern eiliges Gegensteuern.

Vertreter der BRICS-Staaten in Washington: "Europa ist das Epizentrum der Krise"
REUTERS

Vertreter der BRICS-Staaten in Washington: "Europa ist das Epizentrum der Krise"


Washington - Es soll ein Weckruf sein: Arme Staaten und Schwellenländer fürchten ein Übergreifen der Krisen in den Industrienationen und fordern vor allem von der Euro-Zone entschiedenere Schritte im Kampf gegen das Debakel. In der Vergangenheit hätten sie wichtige Beiträge zur weltweiten Wirtschaftserholung geleistet, erklärten die in der Gruppe der G24 zusammengeschlossenen Länder am Donnerstag (Ortszeit) nach einer Konferenz in Washington. Nun aber "sind wir besorgt über die Risiken eines ausgedehnten Abschwungs als Folge eines widrigen globalen Umfeldes".

Die Staatengruppe rief zu "eiligen, gemeinsamen und abgestimmten Maßnahmen" auf, um der "Vertrauenskrise in den Industrienationen" sowie ihren Auswirkungen auf arme und aufstrebende Staaten zu begegnen. Die G24 forderten überdies die internationale Gemeinschaft sein, ihre Entwicklungsfinanzierung aufzustocken.

In der Gruppe der G24 fanden sich im Jahr 1971 Schwellen- und Entwicklungsländer aus Asien, Afrika und Lateinamerika zusammen, um gemeinsam finanzpolitische Positionen - unter anderem gegenüber Weltwährungsfonds und Weltbank - zu vertreten. Das Treffen in Washington fand am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank statt.

Zuvor hatten schon die aufstrebenden Staaten der sogenannten BRICS-Gruppe Europa zu entschiedenen Maßnahmen gegen die Krise aufgefordert und den Europäern wegen ihrer Schuldenkrise eine Gefährdung der weltwirtschaftlichen Stabilität vorgeworfen. Zugleich boten sie Hilfe über internationale Institutionen an. "Das Epizentrum der Krise ist dieses Mal die Europäische Union", sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega. Die Euro-Zone müsse "schnell und wagemutig" handeln, Sonst drohe die Gefahr eine "großen Krise".

Die aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bestehenden Gruppe warf den Industrieländern vor, mit ihren Defiziten die aufstrebenden Entwicklungsländer herabzudrücken. Die von Europa ausgehende Krise ziehe auch sie in den Strudel, und zwar über eine Wachstumsverlangsamung in der Welt, sinkende Rohstoffpreise, Spannungen an den Finanzmärkten und exzessive Liquidität an den Märkten, die manchen Ländern massive Kapitalzuflüsse bescherten. Dem müsse begegnet werden. Die Industrieländer seien gefragt, eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Finanzpolitik zu betreiben, fordern die Schwellenländer in einem Kommunique.

Die BRICS seien "nötigenfalls bereit zu erwägen, Unterstützung über den IWF oder andere internationale Finanzinstitutionen zu leisten, um den gegenwärtigen Herausforderungen für die globale Finanzstabilität zu begegnen (...)", hieß es in der Mitteilung nach dem Treffen in Washington. Zu anderen denkbaren Hilfen wie etwa Käufen von Anleihen der Problemländer äußerte sie sich nicht.

phw/dpa/Reuters

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hurgelwurg, 23.09.2011
1. Forderus
Zitat von sysopHandelt "schnell und wagemutig"! Die Schuldenkrise im Westen ist mittlerweile so bedrohlich, dass jetzt die Schwellenländer Druck auf Europa und die USA ausüben. Brasilien, Russland, Südafrika und andere sorgen sich um die Weltkonjunktur und fordern eilige Entscheidungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,787946,00.html
... fordern. Sind wir bei Wünsch Dir Was?
psycheciety 23.09.2011
2. G24
Zitat von sysopHandelt "schnell und wagemutig"! Die Schuldenkrise im Westen ist mittlerweile so bedrohlich, dass jetzt die Schwellenländer Druck auf Europa und die USA ausüben. Brasilien, Russland, Südafrika und andere sorgen sich um die Weltkonjunktur und fordern eilige Entscheidungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,787946,00.html
Ich weiß nicht... Aber die Schwellenländer haben doch oft viele Rohstoffe - und die Industrienationen "veredeln" diese und verkaufen sie mit "Mehrwert". Insofern haben diese Länder doch mittlerweile mehr Einfluß als zu Ihrer Gründung der G24 im Jahre 1971. Der Schlußsatz des Artikels wundert dann auch: "Zu anderen denkbaren Hilfen wie etwa Käufen von Anleihen der Problemländer äußerte sie sich nicht." Hier würde mit einer "Unterstützung" - zusätzlich mit (langfristigem) Profit und Anteil - allen gedient sein. Es steht mir fern, Entwicklungs- oder Schwellenländer abzuwerten, aber gerade diese haben doch oft überdimensionale Wirtschaftswachstumsraten - und profitieren mittlerweile dadurch doch am Meisten von der sogenannten "Globalisierung"... Also, so schön "Forderungen" doch alle sind - es geht ums "Handeln", wirtschaftlich sowie mit Taten, statt Worten... psy
rumpel84 23.09.2011
3. titel
Tja liebe G24, wir könnten etwas Entwicklungshilfe gebrauchen
Rodelkoenig 23.09.2011
4. rgsers
Naja. Die ganze Welt schaut auf Europa und Deutschland im Zentrum ... aber unser Arzt im Wirtschaftsministerium wird's schon richten. Und dass jetzt schon die Schwellenländer anfangen, den Industriestaaten Geld anzubieten, ist nach dem Geld-Betteln des Westens bei den Chinesen schon die zweite große Blamage. Dabei braucht der Westen eigentlich nichtmal Geld aus der Welt, um die Probleme zu lösen. Der Westen bräuchte nur den entfesselten Finanzmarkt unter Kontrolle zu bringen und eine verbindliche Schuldenbremse in den jeweiligen Landesverfassungen unterzubringen. Geld ist genügend da. Die griechische Oberschicht hat geschätzte 600 Milliarden € als privates Barvermögen illegal in der Schweiz. Das Geld würde ausreichen, um Griechenland 2mal komplett zu entschulden oder es einmal zu entschulden und auch noch die griechische Wirtschaft ordentlich anzukurbeln. Wenn die Griechen nebenbei von der EU auch noch gezwungen werden würde, nach und nach ihr Steuersystem und die staatliche Verwaltung zu reformieren und zu verschlanken, sowie die Korruption zu bekämpfen, hätte Griechenland zumindest eine Chance, innerhalb oder außerhalb des Euro, wobei es außerhalb des Euro sogar noch einfacher wäre, konkurrenzfähig zu werden. Mit den allermeisten anderen Staaten der EU sieht's genauso aus. Den teilweise sehr hohen Schulden stehen jeweils Privatvermögen im mindestens 5-fachen gegenüber (Deutschland, Italien, Frankreich, ....), d.h. 20 % des beispielsweise deutschen Privatvermögens würde schon ausreichen, Deutschland komplett zu entschulden. Verbunden mit dem bereits in der Verfassung stehenden Schuldenverbot wäre das eigentlich DIE Lösung, die am wenigstens Schaden und Probleme verursachen würde. Und da 70% des deutschen Privatvermögens in der Hand von nur 10% der Bevölkerung liegt, würde es nur eine kleine Gruppe treffen und selbst die wäre danach immer noch reich. Wir wären viele Probleme auf einen Schlag los. Die Abhängigkeit vom Finanzsystem wäre schonmal sehr zurückgeschnitten. Die gewaltigen jährlichen Zinszahlungen würden wegfallen. Die Politik hätte wieder mehr Spielraum (natürlih unter strenger Einhaltung des Schuldenverbots) usw. Letztendlich ist das mit den Schulden nur ein Nullsummenspiel, zumindest bei den allermeisten Staaten, die hauptsächlich Inlandsschulden haben. Viele Grüße
tonybkk 23.09.2011
5. ..........
Ja das tut unseren "Krisenmanagern" bestimmt mal ganz gut ;-) Ausnahmsweise sagen sie nicht der uebrigen Welt wie es zu laufen hat, sondern werden endlich mal darauf hingewiesen dass ihr angebliches "Krisenmanagment" massiver Verbesserungen bedarf. Sollte sich der wandelnde Hosenanzug mal ein Beispiel dran nehmen......
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