Sparkurs Air Berlin stellt Flugbetrieb von dba ein

Aus Kostengründen stellt Air Berlin den Betrieb der im August 2006 übernommenen Fluggesellschaft dba ein. Den dba-Mitarbeitern steht nun der Weg zu Air Berlin offen - aber zu deutlich schlechteren Bedingungen.


Berlin - Rund zwei Jahre nach der Übernahme durch Air Berlin stellt die Fluggesellschaft dba ihren eigenständigen Flugbetrieb ein. Dies solle zum 30. November geschehen, teilte Air Berlin am Donnerstag in Berlin mit. Den 120 Piloten und 175 Flugbegleitern sollten innerhalb der Firmengruppe "adäquate Arbeitsplätze an ihren bisherigen Dienstorten" angeboten werden.

Air-Berlin- und dba-Maschinen: Neue Verträge für die alten Mitarbeiter
DDP

Air-Berlin- und dba-Maschinen: Neue Verträge für die alten Mitarbeiter

Der Name dba wird von Air Berlin schon seit April 2007 nicht mehr genutzt, jetzt solle auch die Firma als rechtlich eigenständige Einheit wegfallen, sagte ein Air-Berlin-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Zu den erwarteten Einsparungen konnte er aber keine Angaben machen. Die Kosten, die dieser Schritt mit sich bringe, könnten auch noch nicht beziffert werden, da die Verhandlungen mit den betroffenen Mitarbeitern noch nicht abgeschlossen seien. "Wir haben ja erst heute über diesen Entschluss informiert", sagte er.

Für dba-Mitarbeiter, die nicht zu Air Berlin wechseln wollten, soll demnach ein Sozialplan erarbeitet werden. Dazu würden Gespräche mit den beteiligten Gewerkschaften geführt und die Personalvertretung einbezogen, erklärte Air Berlin. Konkrete Angaben zu einem Sozialplan wollte Air Berlin noch nicht machen. "Die Verhandlungen darüber haben erst begonnen", sagte der Sprecher der Fluggesellschaft.

Klar ist, dass die Piloten und Flugbegleiter von dba, die zu Air Berlin wechseln, künftig zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten werden. "Die Verträge der dba stammen noch aus den goldenen Zeiten der Luftfahrt", hieß es in Air-Berlin-Kreisen. Solche Verträge passten nicht mehr in die heutige Zeit. Auf die dba-Kollegen, die sich für einen Wechsel zu Air Berlin entschieden, kämen längere Arbeitszeiten, niedrigere Vergütung und eine schlechtere Altersversorgung zu.

Air Berlin betonte, dass für alle dba-Kollegen Kapazität bei Air Berlin sei. Ob alle das Angebot zu wechseln wahrnehmen würden, sei angesichts der schlechteren Konditionen aber unklar. "Ich kann mir vorstellen, dass vor allem jüngere Kollegen das Angebot akzeptieren, während ältere, die kurz vor dem Ruhestand stehen, sich abfinden lassen", hieß es bei Air Berlin. Aus Mitarbeiterkreisen war zunächst zu hören, man sei "ratlos, wie es weitergehen soll". Perspektiven über eine Weiterbeschäftigung bei Air Berlin seien nur "sehr unkonkret" aufgezeigt worden.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) erklärte, bei der dba würden bis Ende 2009 Tarifverträge sowie ein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen gelten. "Wir bestehen auf Einhaltung dieser Tarifverträge", sagte ein VC-Sprecher SPIEGEL ONLINE.

Verwaltung und technischer Betrieb der dba wurden bereits aufgelöst. Während die Technikmitarbeiter von einer Tochter von Air Berlin übernommen wurden, wurde für die 52 noch in der Verwaltung tätigen Beschäftigten ebenfalls ein Sozialplan erstellt.

Air Berlin Chart zeigen, nach Lufthansa Chart zeigen zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands, hatte die dba im August 2006 vom fränkischen Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag übernommen. Die zwischenzeitlich immer wieder angeschlagene Fluggesellschaft verschärfte damit ihren Angriff auf die Lufthansa. Die dba bediente vor allem innerdeutsche Verbindungen, während Air Berlin zuvor mehr auf europäische Verbindungen ausgerichtet war. Die dba betreibt den Angaben zufolge in eigener Regie derzeit noch neun Flugzeuge, von denen drei altere Boeing 737-700-Modelle im November ausgemustert würden. Die anderen Maschinen werden künftig von Air Berlin betrieben. Die Airline zählte im vergangenen Jahr knapp 28 Millionen Fluggäste, inzwischen umfasst die Flotte 124 Maschinen; das Unternehmen hat derzeit rund 8500 Beschäftigte.

kaz/AFP/AP/dpa



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