Sparpläne auch bei Opel "Deutsche Werke nicht wettbewerbsfähig"

Nicht nur bei Daimler, auch bei Opel soll kräftig gespart werden. Top-Manager Claus-Peter Forster fordert von den Mitarbeitern Konzessionen in Höhe von über 100 Millionen Euro im Jahr - und das, obwohl der Verkauf des neuen Astra alle Erwartungen übertrifft.

Rüsselsheim - "Die Lohnstückkosten müssen im zweistelligen Prozentbereich sinken", verlangte Forster gestern Abend in Hamburg. Er ist inzwischen vom Opel-Chef zum stellvertretenden Europa-Chef des Mutterkonzerns General Motors (GM) aufgestiegen.

Forster forderte nicht nur Einsparungen von über 100 Millionen Euro pro Jahr von den rund 35.000 deutschen Opel-Beschäftigten, sondern lehnte auch einen Beschäftigungspakt ab, mit dem der Konzern sich zum Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen verpflichten würde. Nach seinen Worten wird die Beschäftigung dadurch gesichert, dass die Werke wettbewerbsfähig werden. "Wir sind in unseren deutschen Werken in den Stückkosten aber nicht wettbewerbsfähig", sagte er.

Überstunden ohne Zuschlag?

Genaue Sparforderungen an die Belegschaft stellte Forster noch nicht. Einzelheiten würden mit dem Betriebsrat verhandelt, erklärte er. Forster nannte allerdings Beispiele: So könnten Überstunden ohne Zuschläge geleistet werden, die Auslastung könnte ohne höhere Arbeitskosten angehoben werden. "Wir haben ein paar Ideen", sagte er."Wir haben nicht die Vorstellung, es müssten nun wieder 40 Stunden gearbeitet werden." Forster machte aber klar: "Einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen würde ich nicht unterschreiben."

Opel-Verkaufschef Uhland Burkart wies auf den großen Erfolg des im März eingeführten neuen Astra hin: "Es gibt sensationell viele Aufträge", sagte er und nannte die Zahl 160.000. Laut Forster wird der für 2004 geplante Absatz von 200.000 Astra übertroffen, obwohl erst ein Modell im Markt ist und der Kombi noch folgt.

Engere Zusammenarbeit von Saab und Opel

Insgesamt will Opel mit seiner Schwestermarke Vauxhall 1,7 Millionen Autos in Europa absetzen und den Marktanteil auf über 10 Prozent steigern. Die Chance, dass Opel nach Jahren der Verluste 2004 Gewinn macht, nannte Forster schwierig".

Forster machte klar, dass die GM-Töchter Opel und Saab enger zusammenwachsen sollen. Die Trennung zwischen Werken für Opel und Saab werde aufgehoben. "Es gibt in Zukunft GM-Werke", sagte er. Außerdem sollen viel mehr gleichartige Teile in Autos beider Marken eingebaut werden, um billiger einkaufen zu können. "Wir können uns Ineffizienzen nicht mehr erlauben, wir müssen uns auf der Kostenseite besser aufstellen."

"Wir wollen gar nicht alles in Polen fertigen

Auch im Vertrieb sollen Opel, Saab und möglicherweise die GM-Tochter Daewoo enger zusammenarbeiten. Die von ihm geforderten Einsparungen sollen aus der Gleichteile-Strategie kommen, von den Mitarbeitern und durch Einsparungen im Verkauf durch die Zusammenarbeit Opel-Saab. Zum ersten Mal stellten in Hamburg Opel, Saab und Daewoo zusammen drei neue Modelle vor.

Forster erinnerte daran, dass Opel weltweit das kommende GM-Mittelklassemodell als Vectra-Nachfolger verantworten wird, was eine Jahresproduktion von einer Million Autos bedeute. Falls die Investition dafür in das Werk Rüsselsheim gehe, würde das Arbeitsplätze sichern. "Wir wollen gar nicht alles in Polen fertigen", merkte er an. Eine Lösung mit dem Betriebsrat müsse aber über Jahre tragen.

Forster war vor wenigen Wochen vom Opel-Chef zum zweiten Mann von GM in Europa aufgestiegen. Er soll dafür sorgen, dass die Verlustbringer Opel und Saab wieder in die schwarzen Zahlen kommen. In der Opel-Belegschaft in den Werken Rüsselsheim und Bochum herrscht seit Wochen Verunsicherung wegen des Sparkurses. Das Hauptwerk Rüsselsheim mit 20.000 Beschäftigten ist mit der Vectra-Produktion nur zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet, sagte Forster. Das Werk in Eisenach gilt dagegen als Vorzeige-Fabrik und produziert billiger.