Sparprogramm E.on streicht 1800 Stellen und schließt 40 Standorte

Dank hoher Strompreise schafft E.on Milliardengewinne - trotzdem will der Stromriese Jobs abbauen. Im Vertrieb sollen zwei Drittel aller Standorte schließen, Hunderte Angestellte müssen kurzfristig umziehen - obwohl das Rationalisierungskonzept schon lange geplant wurde.


Frankfurt am Main - Kurzfristige Umschichtung bei E.on: Der Energiekonzern will seinen Vertrieb neu organisieren und dabei bis zu 1800 Stellen streichen, sagte der Chef der Tochter E.on Energie, Klaus-Dieter Maubach, der "Welt". Schon zum 1. September müssen Hunderte Mitarbeiter umziehen.

E.on-Logo: "Wir setzen auf Altersteilzeit"
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E.on-Logo: "Wir setzen auf Altersteilzeit"

Die restlichen Arbeitsplätze sollen bis Ende 2012 bei den Regionalversorgern des Konzerns wegfallen, teilte der größte deutsche Versorger am Mittwochmittag mit. Insgesamt sollen rund zehn Prozent der Stellen im Vertrieb wegfallen, "sozialverträglich", wie Maubach betont. "Niemandem wird gekündigt. Wir setzen unter anderem auf Altersteilzeit."

Wegfallen würden die Jobs durch Standortschließungen. Maubach: "Von den heute über 60 Servicestandorten sollen in Zukunft nur noch bis zu 20 erhalten bleiben." Die Verlagerungen würden ganz Deutschland betreffen. Ein E.on-Sprecher bestätigte, man habe mit den Arbeitnehmervertretern und den kommunalen Mitaktionären eine Einigung erzielt, die sechs der sieben Regionalversorger betrifft. Allein die E.on-Regionalgesellschaft in Thüringen sei nicht betroffen.

Das Rationalisierungskonzept ähnelt damit dem der Deutschen Telekom, die in 39 von bislang 63 Städten ihre Callcenter schließen und in zentralen Einheiten zusammenlegen will. Gewerkschaften bezweifeln, dass solche Zusammenlegungen sozialverträglich sind. Sie befürchten, dass viele Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, weil sich für sie durch Standortverlegungen die Anfahrtswege zur Arbeit erheblich vergrößern.

Laut Maubach will E.on die Produkt- und Preispolitik der Regionalgesellschaften zusammenlegen und so schneller neue Produkte entwickeln. Bislang wurden die Stromtarife in jeder Gesellschaft eigenständig ausgearbeitet. So dauerte es zum Teil Monate, bis ein neues Stromprodukt wie ein Ökotarif auf den Markt kam. Das soll sich nun ändern, sagte Maubach. Nach außen hin sollen die Regionalgesellschaften allerdings weiter unter ihren hergebrachten Marken existieren.

Schon kurzfristig seien Hunderte Mitarbeiter betroffen. "Die Zahl derer, die ihren Lebensmittelpunkt wegen eines Umzugs an einen anderen Standort verlegen müssen, wird zum 1. September etwa 500 betragen", sagte Maubach im "Münchner Merkur". Und es könnten noch mehr werden.

Betroffenen stünden aber Zuschüsse für Umzug und längere Fahrtkosten zu. In Härtefällen soll Mitarbeitern ein anderer Job an ihrem bisherigen Standort angeboten werden. "Wir haben kein Interesse daran, jemanden aus dem Unternehmen zu drängen."

Die Planungen für den Konzernumbau hätten bereits vor rund zwei Jahren begonnen, sagte Maubach. Titel des Jobstreich-Projekts: "Regi.on". Mit dem Konzernumbau wolle sich E.on kostengünstiger aufstellen, um dem sich verschärfenden Wettbewerb begegnen zu können.

Die erwarteten Einsparungen bezifferte der Manager auf mehrere hundert Millionen Euro. In den vergangenen Monaten verlor E.on laut "Welt" im klassischen Geschäft rund 600.000 Kunden. Allerdings konnte man diesen Verlust durch die Tochter 'E - wie einfach' "deutlich überkompensieren", sagte Maubach.

Dennoch machte er den E.ON-Kunden wenig Hoffnungen auf Preissenkungen. "Die Energiekosten sind überall weiter auf einem hohen Niveau, wir können uns nicht in Deutschland von der Welt abkoppeln", zitierte ihn die "Welt".

Laut Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sind betriebsbedingte Kündigungen bis 2012 ohnehin ausgeschlossen. "Wir haben da auch schon Vorsorge getroffen im aktuellen Tarifvertrag", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft auf Anfrage. Generell sei die Tendenz erkennbar, dass es durch die Regulierung der Netze und die Modernisierung von Kraftwerken zu weniger Beschäftigung komme. Die Gewerkschaft dringe daher darauf, dass in anderen Bereichen der Energiewirtschaft neue Arbeitsplätze geschaffen würden - beispielsweise bei erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und der Fernwärme.

ssu/AP/dpa



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