Sparzwang "Der Bahn steht das Wasser bis zum Hals"

Um den geplanten Börsengang zu schaffen, versucht die Bahn mit allen Mitteln, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Das ist offenbar schwieriger als erwartet - nun will das Unternehmen bereits beschlossene Modernisierungen zurückdrehen.


Berlin - Die Bahn wolle Kosten von rund 90 Millionen Euro einsparen, indem sie auf den Ausbau der bestehenden Strecke München-Ingolstadt-Nürnberg verzichte, berichtet die "Financial Times Deutschland". Eine entsprechende Beschlussvorlage für eine Vorstandssitzung im September sei bereits erstellt.

ICE bei der Wartung: Finanzprobleme größer als erwartet
DPA

ICE bei der Wartung: Finanzprobleme größer als erwartet

Ursprünglich hatte die Bahn geplant, den Ausbau vor der Fußball-WM in Deutschland im Jahr 2006 abzuschließen. Nun müsse sie sich aus Finanznot von einem weiteren Prestigeprojekt verabschieden. Die Bahn wollte dies offiziell nicht bestätigen. Am ebenfalls geplanten Bau der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke München-Nürnberg wolle sie festhalten, so der "FTD"-Bericht.

"Krampfhaftes" Sparen

Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt sagte dem Blatt, die Bahn versuche "krampfhaft" ihre Börsenfähigkeit herzustellen, indem sie bereits beschlossene Vorhaben wieder zurücknehme. "Der Bahn steht finanziell das Wasser bis zum Hals", wird er zitiert. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte vor kurzem die Investitions- und Sachkostenbudgets eingefroren und einen Stopp von Investitionen verhängt.

Auffällig an dem Sparplan: Der Großteil der Schieneninvestitionen wird ohnehin vom Bund getragen. Die Bahn trägt einen relativ bescheidenen Eigenanteil. Selbst diesen kann oder will sie im Beispiel der süddeutschen Strecke aber offenkundig nicht mehr aufbringen

Die Einsparungen auf der Strecke würden zu einem Komfortverlust für Fahrgäste führen, so der Bericht. Die Qualität werde beim Einsatz von Fernverkehrszügen von befriedigend auf mangelhaft sinken, heiße es selbst in der unternehmensinternen Beschlussvorlage. Die Fahrzeit zwischen München und Nürnberg werde durchschnittlich noch einmal um drei Minuten länger.



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