Spektakulärer Post-Deal Ackermann lässt den Staat in die Deutsche Bank

Ausgerechnet bei der Deutschen Bank steigt jetzt indirekt der Staat ein: Größter Aktionär soll künftig die vom Bund mitkontrollierte Post sein. Möglich macht es eine Neuverhandlung des Postbank-Kaufs - die spektakuläre Wendung kommt Bankchef Ackermann sehr gelegen.

Sicher, viel ist es nicht. Geht der spektakuläre Deal wirklich so über die Bühne, wie es mehrere Zeitungen berichten, wird der deutsche Staat rein rechnerisch gesehen gerade mal mit drei Prozent an der Deutschen Bank beteiligt sein.

Die Kalkulation geht so: Gut zehn Prozent soll die Post künftig an der Deutschen Bank halten. Der deutsche Staat wiederum hält über die KfW-Bankengruppe 31 Prozent an der Post. Macht unterm Strich eben gut drei Prozent. Eigentlich kein Vergleich zum Fall Commerzbank  , bei der der Bund nach einer Finanzspritze eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie übertragen bekommt.

Doch diesmal geht es um die Deutsche Bank - die größte Privatbank des Landes, deren Chef Josef Ackermann immer wieder gesagt hat, dass er eventuelle Probleme ohne Staatshilfe packen will. Der einmal sogar getönt hat, er würde sich schämen, wenn er Staatsgelder annehmen müsste.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Er führt die bislang "privateste der Privatbanken", wie ein Analyst kommentiert

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Er führt die bislang "privateste der Privatbanken", wie ein Analyst kommentiert

Foto: Getty Images

Deshalb habe die Angelegenheit durchaus Aussagekraft, sagt Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. "Die Finanzkrise führt zu einer Neuordnung der Branche, die noch vor kurzem undenkbar gewesen wäre." Ein Analyst sagt verwundert: "Der Staat wäre de facto an einer der privatesten deutschen Privatbanken beteiligt."

Konkret geht es darum: Die Deutsche Bank will bei der Postbank   einsteigen, die bisher zu großen Teilen der Post gehört. Im September wurde dieser Deal perfekt gemacht. Die Kaufvereinbarung sah vor, dass die Deutsche Bank im ersten Quartal 2009 zunächst 29,75 Prozent der Postbank zum Preis von 57,25 Euro pro Aktie und damit für zusammen rund 2,79 Milliarden Euro kauft. Schon damals galt der Preis als hoch. "Die Deutsche Bank setzte offenbar darauf, dass die Finanzkrise bald zu Ende wäre", sagt Burghof. Weit gefehlt. Kurz nach dem Abschluss ging die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite - und die Aktienkurse vor allem von Finanzinstituten rauschten komplett ab.

"Der Kauf entpuppt sich gerade als großer Fehler: Heute könnte die Deutsche Bank die Postbank für einen Bruchteil erwerben", sagt Burghof. Am Dienstagabend notierte das Postbank-Papier bei knapp über 14 Euro.

Staatseinstieg durch die Hintertür

Der milliardenschwere Deal wird deshalb jetzt neu verhandelt. Das berichten unter anderem "Handelsblatt" und "Financial Times Deutschland". Die nachgebesserte Version sei fast fertig. Demnach soll die Deutsche Bank den Kaufpreis jetzt teilweise mit neuen, eigenen Aktien bezahlen. Eine ziemlich kapitalschonende Lösung - und die Dicke der Kapitaldecke ist in der kriselnden Finanzwelt wichtiger denn je.

Dafür muss es die Deutsche Bank allerdings in Kauf nehmen, dass künftig die Post bis zu zehn Prozent Anteile an ihr hält.

Dieser Staatseinstieg durch die Hintertür ist Ackermann vielleicht gar nicht so unrecht. Wegen des kategorischen Neins zu jeder Staatshilfe für sein Institut musste der mächtige Manager tatenlos zusehen, wie Konkurrenten weltweit sich von der öffentlichen Hand mit Finanzspritzen aufputschen ließen. Ackermann riskierte "einen klassischen Wettbewerbsnachteil", sagt ein Analyst.

Mit dem neuen Deal dagegen hätte der Bankchef gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. "Das wäre ein gesichtswahrender Kompromiss", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke. Ackermann müsse sich "auf diese Weise nicht schämen".

Ein bisschen peinlich ist das Ganze vielleicht für Ackermann - aber die Vorteile überwiegen ganz klar für ihn, glaubt Gerke.

Sicher: Die erste Tranche für die Postbank würde für die Deutsche Bank nach wie vor teuer - einen Rabatt soll es den Berichten zufolge offenbar nicht geben. Aber dafür sollen die Postbank-Aktien im Gegenzug erst im Sommer übertragen werden. Erst dann müsste die Deutsche Bank den freien Postbank-Aktionären ein Übernahmeangebot machen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte die "Marktspekulationen" nicht kommentieren: "Wir halten am Einstieg im ersten Quartal fest." Auch die Post wollte sich zu Berichten über neue Gespräche nicht äußern: "Wir haben einen Vertrag mit der Deutschen Bank und dazu stehen wir." Allerdings bestätigte ein Sprecher, dass an diesem Mittwoch der Aufsichtsrat über den Deal mit der Deutschen Bank beraten wird.

Klar ist, dass am Ende auch die Post profitieren wird. Denn insgesamt soll der Kauf der restlichen Postbank-Aktien durch die Deutsche Bank schneller abgeschlossen werden, als es nach der ursprünglichen Vereinbarung vorgesehen war. Außerdem kann die Deutsche Bank dabei jetzt keinen Rückzieher mehr machen.

Die Post will die Banktochter längst loswerden - musste aber aus der Notlage der vergangenen Monate heraus sogar noch mehr Anteile übernehmen.

Als der Deal mit der Deutschen Bank im September beschlossen wurde, hielt die Post noch 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank. Doch dann musste die Postbank im November wegen der Finanzkrise hauseigene Anteile für rund eine Milliarde Euro verkaufen - und die Post war der einzige mögliche Käufer. Ihr Anteil erhöhte sich dadurch auf rund 63 Prozent.

Erst Ende vergangener Woche hatte die Postbank zugegeben, dass sie 2008 tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Finanz-Insider spekulieren über einen Verlust zwischen rund 600 Millionen Euro und knapp einer Milliarde Euro. Kein Wunder, dass Experten wie Burghof finden, Ackermann solle endlich konsequent sein - und im Fall der Fälle auch finanzielle Unterstützung des SoFFin nicht mehr grundsätzlich ablehnen.

Schließlich weiß niemand, welche Risiken er sich mit der Postbank noch ins Haus holt. Und wie lange diese Krise sich noch hinzieht.

mit Material von dpa-AFX
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