Spekulationen um Fortbetrieb Wirecard-Aktie legt Achterbahnfahrt an der Börse hin

Die Aktie von Wirecard entwickelt sich gerade zum Zocker-Papier. Nach der Ankündigung des Vorstands, die Geschäfte fortsetzen zu wollen, stieg der Kurs um mehr als das Dreifache.
Kreditkarte von Wirecard: Spielball der Spekulanten

Kreditkarte von Wirecard: Spielball der Spekulanten

Foto: Sven Hoppe / DPA

Die Aktien des nach einem Bilanzskandal ums Überleben kämpfenden Zahlungsdienstleisters Wirecard sind endgültig zum Spielball von Spekulanten geworden. Nach einem Verlust von knapp 99 Prozent in den vergangenen sieben Handelstagen hat sich am Montagvormittag ihr Kurs zeitweise mehr als verdreifacht.

Zuletzt gewannen die Papiere des Zahlungsabwicklers 142 Prozent auf gut drei Euro, nachdem sie am vergangenen Freitag noch auf dem Weg zum Pennystock waren. Der Kurs lag zuletzt zeitweise bei 1,08 Euro nur noch knapp über der entscheidenden Marke von einem Euro. Vor gut zwei Monaten kosteten die Papiere noch über 140 Euro und Mitte Juni notierten sie immer noch bei über 100 Euro.

Nach dem Quasi-Totalverlust müssen die Wirecard-Aktien nach aktuellem Stand im September ihren Platz im Dax räumen. Am Dienstag fliegen sie bereits aus dem gesamteuropäischen Stoxx Europe 600.

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Auslöser der Rally am Montag war die Mitteilung, dass der Vorstand trotz des Insolvenzantrags auf eine Fortführung des Geschäfts setzt. Zudem wurde betont, dass die Wirecard Bank, ein Tochterunternehmen, aktuell nicht Teil des Insolvenzverfahrens und ihr Zahlungsverkehr nicht davon betroffen ist.

So starke Kursanstiege wie in den ersten Handelsminuten am Montag sind aber nur zu einem geringen Teil mit fundamentalen Gründen zu erklären. Sie sind vielmehr ein Beleg dafür, dass das Papier auf dem inzwischen niedrigen Niveau vor allem von Investoren gekauft wird, die nach dem Kursabsturz auf eine Erholung setzen.

Bei Wirecard folgte in den vergangenen zwei Wochen eine Hiobsbotschaft auf die andere: Nach der abermaligen Verschiebung der Bilanz für 2019, dem Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Milliardenhöhe und dem Rücktritt von Vorstandschef Markus Braun folgte der Antrag auf Insolvenz.

Derweil zieht die Bundesregierung nach dem Milliarden-Bilanzskandal erste Konsequenzen. Das Bundesjustiz- und das Bundesfinanzministerium werden den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen. Der privatrechtlich organisierte Verein kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen.

Laut einem Pressebericht sind französische Bezahldienstleister und andere Parteien an Geschäftsteilen des deutschen Konkurrenten interessiert. Dies entspreche seiner Einschätzung, dass der Konkurrent Worldline samt übernommener Tochter Ingenico potenzielle Profiteure der Wirecard-Malaise seien, schrieb Paul Kratz vom Analysehaus Jefferies. Mögliche Übernahmen von Wirecard-Teilen sieht er aber skeptisch, da beide gut genug aufgestellt seien, um Wirecard-Kunden aus eigener Kraft zu sich zu holen.

mik/dpa-AFX
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