SPIEGEL ONLINE Exklusiv Großauftrag für Arthur Andersen bei der Deutschen Bahn

Der Beratungskonzern Arthur Andersen wird "strategischer Berater" der Bundesregierung für die Sanierung der Bahn AG. Zu bewältigen ist ein Finanzierungs-Defizit von 30 Milliarden Mark.

Von Harald Schumann


ICE der Deutschen Bahn: 30 Milliarden Mark gesucht
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ICE der Deutschen Bahn: 30 Milliarden Mark gesucht

Berlin - Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig und sein Finanzkollege Hans Eichel wollen einen neuen großen Anlauf zur Sanierung der Deutschen Bahn unternehmen. Wie das Bundesfinanzministerium auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte, soll zu diesem Zweck die weltweit tätige Unternehmensberatung Arthur Andersen als "strategischer Berater" zur Erarbeitung einer "umfassenden Bestandsaufnahme" und eines "Sanierungskonzepts" verpflichtet werden. Dies beschloss vergangene Woche eine interministerielle Arbeitsgruppe der Staatssekretäre aus den Ministerien für Verkehr, Finanzen und Wirtschaft. Arthur Andersen, so erklärte ein Sprecher von Finanzminister Eichel, habe im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung das beste Konzept vorgelegt.

Unübersichtliches Finanzdebakel

Die Arbeitsgruppe war im vergangenen Dezember nach Bodewigs Amtsantritt einberufen worden, um den anstehenden Sanierungsprozess zu "begleiten und zu überwachen". Kurz zuvor hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn einräumen müssen, dass die bisherige Finanzplanung seines Unternehmens nicht zu halten sei. Statt wie von Mehdorns Vorgänger angekündigt bereits im Jahr 2004 an die zehn Milliarden Mark Gewinn jährlich zu erwirtschaften, muss die Bahn bis 2005 voraussichtlich bis zu 30 Milliarden Mark zusätzliche Schulden aufnehmen, um das marode Streckennetz zu sanieren und die Kostenexplosion bei den ICE-Neubaustrecken sowie dem neuen Berliner Bahnknoten zu bewältigen. Insgesamt müsste Deutschlands größtes Verkehrsunternehmen nach einer konzerneigenen Bestandsaufnahme in den nächsten fünf Jahren eigentlich 50 Milliarden Mark in das Schienennetz und noch einmal 30 Milliarden Mark in neue Loks und Waggons investieren, um konkurrenzfähig zu werden.

Das Finanzdebakel bei der Bahn sei so unübersichtlich, dass derzeit nicht einmal die bereits zugesagten sechs Milliarden Mark Investitionszuschüsse aus den Erlösen des Verkaufs der UMTS-Lizenzen an die Mobilfunkkonzerne abfließen könnten, berichtete ein Mitarbeiter der beteiligten Ministerien. Zwar seien die UMTS-Milliarden für die Sanierung des alten Streckennetzes reserviert. Aber bei der noch im Bau befindliche ICE-Strecke München-Nürnberg und dem künftigen Berliner Kreuzungsbahnhof sei ja schon "schwer zu unterscheiden, wo hört der Neubau auf und wo fängt die Sanierung an."



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