Spieldeal Tamagotchi-Macher kauft deutsche Puppenfirma

Für die deutschen Mitarbeiter wird es ein Kulturschock sein - aber auch eine Chance: Die Spielzeugfirma Zapf, Schöpfer von Puppen wie "Chou Chou", soll an den japanischen Konzern Bandai verkauft werden. Zu dessen Produkten gehören das Tamagotchi und die diverse Superheld-Figuren.


München - Aus Sicht des deutschen Managements in Rödental steht der Übernahme nichts mehr im Wege. "Vorstand und Aufsichtsrat sehen in der Verbindung mit Bandai optimale Entwicklungschancen für die Zapf Creation Chart zeigen", teilte das kriselnde Puppen-Unternehmen heute am Vormittag mit. Kurz zuvor hatte Namco Bandai bekannt gegeben, Zapf kaufen zu wollen. Die Japaner bieten 10,50 Euro pro Zapf-Aktie, was einem Gesamtpreis von 84 Millionen Euro entsprechen würde, wenn Bandai 100 Prozent der Aktien übernimmt.

Zapf-Gebäude in Rödental: Standort soll erhalten bleiben
DPA

Zapf-Gebäude in Rödental: Standort soll erhalten bleiben

"Die finanzielle Stärke von Bandai würde die Zukunft dieses deutschen Traditionsunternehmens langfristig sichern", sagte Masayuki Matsuo, Präsident von Bandai Europe. Der Standort am Firmensitz in Rödental bei Coburg solle erhalten bleiben.

Der fränkische Puppenhersteller leidet seit Jahren unter Absatzproblemen und wird umstrukturiert. Einen weiteren Rückschlag hatte Zapf durch die Korrektur der Bilanzen der vergangenen drei Jahre hinnehmen müssen. Im Mai musste Vorstandschef Thomas Eichhorn nach sieben Jahren sein Amt aufgeben müssen. Seitdem führt der im Februar vom Modekonzern Escada Chart zeigen zu Zapf gewechselte Finanzvorstand Georg Kellinghusen das Unternehmen kommissarisch.

Im Rahmen der Sanierung hatte Zapf massiv Personal abgebaut. Ende März hatte der Hersteller der Puppen "Baby Born" und "Chou Chou", die baden oder weinen können, noch 374 Angestellte, 120 weniger als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal hatte Zapf wegen der anhaltenden Absatzschwierigkeiten vor allem in Deutschland und den USA weiter rote Zahlen geschrieben.

Japanisches Mädchen mit neuem Tamagotichi:
REUTERS

Japanisches Mädchen mit neuem Tamagotichi:

Namco Bandai ist im Jahr 2005 aus der Fusion von Namco und Bandai entstanden. Das Unternehmen ist inzwischen einer der größten Spielzeughersteller der Welt. Nach Darstellung der Japaner ergänzen sich die Produktpaletten von Bandai und Zapf gut. Bandai hat lediglich einige "minidolls" im Programm, aber keine Großpuppen, so wie das Rödentaler Unternehmen sie anbietet.

Bandai ist im Westen vor allem durch das Elektronikspielzeug Tamagotchi bekannt, stellt aber unter anderem auch die Gundam-Spielroboter und die Super-Sentai-Figuren.

itz/Reuters/dpa-AFX/Dow Jones



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