Spionageflugzeug US-Armee stellt Milliardenauftrag in Frage

Acht Milliarden Dollar hatte sich der Rüstungskonzern Lockheed Martin und sein brasilianischer Konsortialpartner Embraer von dem Auftrag erhofft. Doch inzwischen haben die die Prioritäten der Streitkräfte geändert. Das Projekt hängt an einem seidenen Faden.


New York - Ein Programm zur Entwicklung von Spionage-Flugzeugen sei Mitte September unter anderem ausgesetzt worden, berichtet das "Wall Street Journal Europe" unter Berufung auf Industrie- und Regierungskreise. Zurzeit hätten andere Projekte Priorität, hieß es von Seiten der Armee. Außerdem seien bei der Entwicklung des Spionageflugzeugs technische Probleme aufgetreten, berichtet das Blatt. Die Verantwortlich hätten deshalb Bedenken, dass das Projekt teurer werde als geplant.

Das Flugzeug sollte nach den Planungen gleichzeitig der Armee und der Navy dienen. Beide Waffengattungen stellen jedoch unterschiedliche Anforderungen an die Ausstattung und an technischen Spezifikationen. Diese aber hätten den von Lockheed ursprünglich kalkulierten Rahmen gesprengt.

Betroffen von der Einstellung des Projekts wäre auch der brasilianische Flugzeughersteller Embraer, der als Konsortialpartner von Lockheed engagiert ist. Die Brasilianer erhofften sich von den Auftrag einen Durchbruch auf dem amerikanischen Markt.

Die Vorarbeiten an dem Projekt "Aerial Common Sensor Plane" waren bereits bis zu einer endgültigen Entscheidung ausgesetzt worden. Das Konsortium habe Gelegenheit bekommen, Lösungsvorschläge zu machen. Die Frist dafür laufe heute aus.

Sowohl Sprecher der Armee als auch der beiden Unternehmen hätten einen Kommentar abgelehnt. Ein Lockheed-Sprecher sagte, das Unternehmen sei noch nicht über Änderungen informiert worden. Lockheed hatte im August den Konkurrenten Northrop Grumman ausgestochen und den Zuschlag für eine erste Entwicklungsstufe des Spionageflugzeuges im Wert von 879 Millionen Dollar erhalten.



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