Spionageskandal Ex-Spitzel der Telekom verhaftet

Eskalation in der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom: Nach SPIEGEL-Informationen wurde der ehemalige Leiter der Konzernabteilung für interne Ermittlungen in Haft genommen. Grund war akute Fluchtgefahr. Ihm wird die Ausspähung von Managern, Gewerkschaftern und Journalisten vorgeworfen.


Bonn – In der vor sieben Monaten aufgeflogenen Telekom-Bespitzelungsaffäre hat die Bonner Staatsanwaltschaft eine erste Verhaftung vorgenommen. In der vergangenen Woche wurde der ehemalige Leiter der Sicherheits-Sonderabteilung "KS 3" der Deutschen Telekom AG, Klaus Trzeschan, in Untersuchungshaft genommen.

Telekom-Zentrale in Bonn: Erste Festnahme in der Spitzelaffäre
DDP

Telekom-Zentrale in Bonn: Erste Festnahme in der Spitzelaffäre

Grund für die überraschende Aktion waren in letzter Zeit auffällig viele Auslandsaufenthalte des beschuldigten Ex-Telekom- Beamten Trzeschan. Es bestand laut Ermittlerkreise "akute Flucht- und Verdunkelungsgefahr". Man hatte Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte seinen Lebensmittelpunkt schon bald ins Ausland verlegen wollte. Am morgigen Donnerstag ist ein Haftprüfungstermin für Trzeschan angesetzt.

Trzeschan wird unter anderem vorgeworfen, Aufsichtsräte wie den DGB-Chef Michael Sommer, Journalisten und andere Manager bespitzelt zu haben. Dabei sollen illegal Telefonverbindungsdaten in großem Umfang erhoben worden sein. In wessen Auftrag Trzeschan gehandelt hat, ist nach wie vor offen. Ex-Telekom Aufsichtsratchef Klaus Zumwinkel und Ex-Telekomchef Kai-Uwe Ricke stehen im Verdacht, entsprechende Aktionen angewiesen oder gedeckt zu haben. Alle Beschuldigten haben die Vorwürfe bisher zurück gewiesen.

Spähtrupp der Telekom

Die Abteilung KS 3 - eine etwa 15-köpfige Sondertruppe innerhalb der Konzernsicherheit der Telekom - hat die Bespitzelungsaktion offenbar maßgeblich vorangetrieben. Von ganz normalen Telekom-Mitarbeitern und einfachen Betriebsräten bis hin zu den Top-Leuten von Ver.di hatten die Männer von KS 3 unberechtigt Telefonverbindungsdaten ausgewertet. Nicht einmal ihrem eigenen Chef trauten die Sicherheitsleute der Telekom über den Weg, denn auch die Handy-Gespräche des langjährigen Vorstandsmitglieds Heinz Klinkhammer wurden erfasst.

Unter der Ägide von KS-3-Abteilungsleiter Trzeschan schaltete die Gruppe auch die Berliner IT-Recherchefirma Network Deutschland GmbH ein, die im Auftrag der Telekom Verbindungsdaten auswertete. Zeugen geben an, dass Trzeschan unter Umgehung des normalen Dienstwegs zudem Zugang zu Vorstandsmitgliedern und zum Telekom-Aufsichtsratschef Zumwinkel hatte und von diesem direkten Draht auch Gebrauch machte.

Um die offensichtlich gängige Praxis zu legitimieren, wurde im Dezember 2005 sogar der Geschäftsverteilungsplan der Sonderermittlungseinheit KS 3 geändert. Unter Ziffer 2 wurde ausdrücklich festgeschrieben, dass nicht nur der Vorstandsvorsitzende, sondern auch der Aufsichtsratschef der Sondertruppe Aufträge erteilen kann.

Und offenbar wurde das Überwachungssystem ständig verfeinert. So dachte die Telekom sogar daran, bezahlte Vertrauenspersonen in der Nähe von Journalisten zu plazieren, um so herauszufinden, welche Informationsquellen sie benutzen.


Hinweis der Redaktion: In der ersten Version dieses Textes hieß es, "der ehemalige Sicherheitschef" der Telekom sei in Haft genommen worden. Der Sicherheitschef ist aber auf freiem Fuß, in Haft genommen wurde der frühere Leiter der Abteilung KS 3. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



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