Spionagevorwurf China erlässt Haftbefehle gegen Rio-Tinto-Angestellte

Vorläufiger Höhepunkt im australisch-chinesischen Spionagestreit: Vier in China festgenommene Mitarbeiter des australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto sind formell verhaftet worden. Ihnen wird Wirtschaftsspionage und Bestechung vorgeworfen.


Peking - Chinas Justiz greift durch: Die vier Anfang Juli festgenommenen Mitarbeiter des australisch-britischen Bergbaukonzerns Rio Tinto sind nun formell von den chinesischen Behörden verhaftet worden. Sie würden verdächtigt, unzulässige Mittel eingesetzt zu haben, um an Geschäftsgeheimnisse über den Stahlsektor des Landes zu kommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch. Zudem würden sie der Bestechung bezichtigt, wofür in besonders schwerwiegenden Fällen bis zu sieben Jahre Gefängnis drohen.

Rio-Tinto-Anlage in Australien: Keine Benachrichtigung an die Regierung
DPA

Rio-Tinto-Anlage in Australien: Keine Benachrichtigung an die Regierung

Bei den Verhafteten handelt es sich um drei chinesische Rio-Tinto-Mitarbeiter und den Eisenerz-Vertriebschef in China, Stern Hu. Die australische Regierung wurde nach Angaben einer Außenministeriums-Sprecherin nicht über die Verhaftungen informiert. Rio Tinto wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Die Verhaftungen bedeuten nach Ansicht des prominenten Pekinger Strafrechtlers Mo Shaoping jedoch nicht automatisch, dass es auch eine Gerichtsverhandlung geben wird. Sie ermöglichten den Behörden zunächst lediglich eine Fortsetzung der Ermittlungen, üblicherweise für bis zu zwei weitere Monate, sagte Mo.

Frühere Berichte hatten darauf hingedeutet, dass gegen die vier Rio-Mitarbeiter auch wegen des Diebstahls von Staatsgeheimnissen ermittelt wird, einem potenziell noch schwerwiegenderem Vergehen. Davon war nun jedoch keine Rede. In der Xinhua-Meldung hieß es aber weiter, in den vergangenen Tagen seien auch chinesische Stahl-Manager verhaftet worden, die verdächtigt würden, Geschäftsgeheimnisse an Stern Hu weitergegeben zu haben.

Rio Tinto hatte China erst am Dienstag aufgefordert, endlich Beweise gegen seine unter dem Vorwurf der Wirtschaftsspionage festgenommenen Mitarbeiter vorzulegen. Bislang sei das Unternehmen auch noch nicht über die konkreten Anschuldigungen informiert worden, sagte der Chef von Rio Tintos Eisenerz-Sparte, Sam Walsh, am Dienstag.

yes/Reuters



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