Spitzel-Affäre Staatsanwaltschaft durchsucht Telekomzentrale

Die Affäre um bespitzelte Mitarbeiter und Journalisten wächst sich zu einem handfesten Skandal aus: Die Bonner Staatsanwaltschaft hat ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen die Telekom eingeleitet. Außerdem wurde die Konzernzentrale durchsucht.


Bonn - Die Ermittlungen laufen schon seit Tagen, doch am Donnerstag wurde es ernst: Beamte der Staatsanwaltschaft Bonn durchsuchten die Konzernzentrale der Deutschen Telekom. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Seit dem Morgen gebe es "Ermittlungsmaßnahmen" bei der Telekom, sagte er. Außerdem sei "im Laufe der Woche" ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Logo auf dem Gebäude der Telekomzentrale: Affäre nimmt kein Ende
DDP

Logo auf dem Gebäude der Telekomzentrale: Affäre nimmt kein Ende

Damit nimmt die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom ein immer größeres Ausmaß an: Am Wochenende hatte der Konzern einen Bericht des SPIEGEL bestätigt, mindestens ein Jahr lang die Telefonverbindungen von Führungskräften überwacht zu haben. Diese sollen mit den Telefonnummern von Journalisten abgeglichen worden sein. Die Telekom hatte sich nach eigenen Angaben selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt. Diese hatte den Verdacht zunächst geprüft.

Die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichtete am Donnerstag außerdem, der Konzern habe bereits im Jahr 2000 Spitzelaufträge erteilt, um Informanten und missliebige Journalisten zu identifizieren. Damals leitete Ron Sommer als Vorstandschef die Geschicke des Bonner Telekomriesen.

Der Zeitung zufolge sind die Methoden im Jahr 2000 sogar über das Auswerten von Telefondaten, wie zwischen 2005 und 2006, hinausgegangen. Eine Berliner Wirtschaftsdetektei habe als Subunternehmen nach einem Informationsleck gesucht, schreibt das Blatt. Im Visier der privaten Fahnder habe vor allem ein "FTD"-Reporter gestanden. Es sei sogar versucht worden, in den Redaktionsräumen mit versteckten Kameras Hinweise auf Kontaktpersonen des Reporters zu finden.

Ein Konzernsprecher sagte dazu, von dem in der Zeitung genannten Fall sei der Telekom nichts bekannt. Er forderte das Blatt auf, seine Informationen dem Konzern und der Staatsanwaltschaft vorzulegen, damit die Angelegenheit aufgeklärt werden könne.

Von der Bundesregierung, die Großaktionär der Telekom ist, bekam der Konzern indes Rückendeckung: Der Vorstandsvorsitzende René Obermann habe entschiedene Maßnahmen eingeleitet, allen Vorwürfen nachzugehen und sie aufzuklären, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums am Donnerstag auf Anfrage in Berlin. "Er hat unsere volle Unterstützung dabei." Zuvor hatte sich am Mittwochabend auch der gesamte Aufsichtsrat hinter den Konzernchef gestellt. Das Kontrollgremium unterstütze Obermanns Kurs der Aufklärung, hieß es.

sam/AP/Reuters/dpa/AFP



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